Indianerschlaf

Einschlafen soll er, mag noch nicht,

möcht’ bei den andern bleiben.

Sein Bruder, dieses Bleichgesicht,

darf länger noch aufbleiben.


Und da soll Häuptling große Zeder

ins Bett schon, in die weichen Federn?

Er schleicht sich aus dem Wigwam raus

und kundschaftet nun alles aus.


Aha! Erwischt! Sie sehen fern.

Den Film, den sieht er auch recht gern.

Hier hinterm Sessel, gut versteckt,

wird er ganz sicher nicht entdeckt.


„Ach, dies Programm ist gar zu öde!

Ich schalt’ es aus, sonst noch verblödet

der Späher hinter meinem Sessel.

Ich werd’ ihn fangen und gleich fesseln.“


Der Vater schnappt den Häuptling sich,

trägt ihn ins Bett und schimpft doch nicht.

Liest vor von Bären und Schoschonen,

Indianern, die in Wäldern wohnen.

Und langsam holt der Schlaf sie ein,

den Vater und sein Söhnelein.

Ingrid Herta Drewing


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