Mensch und Natur

Aus Winterfreuden werden Winterleiden,
nun jammern wir erbost im Februar
und möchten Eis und Schnee wohl gerne meiden,
weil es uns doch zu viel des Guten war.

So sind wir Menschen, mögen ’s nur in Maßen,
bequem, beherrschbar soll Natur uns sein.
Der Winter zeigt es uns, was wir vergaßen,
dass unsre Macht zuweilen ist sehr klein.

Die Welt, die wir uns sorgsam eingerichtet,
nur duldet noch Natur im Blumentopf.
Sie wehrt sich, hat das Unsre schon vernichtet,
wenn wir zu sorglos an ihr Recht geklopft.

Die Flüsse, die wir in ein Bett gezwungen,
erobern überflutend Land zurück;
und manchmal flieht der Mensch dort, notgedrungen,
und überlässt die Auen Flusses Glück.

Nur selten bleiben wir da unbeschadet.
Wenn wir Natur zerstören, es uns trifft.
Wo einstmals Wälder wuchsen, grün begnadet,
herrscht Trockenheit, da alles Holz verschifft.

Wo für Touristen abgeholzt die Berge,
spült Regen ohne Bannwald Erde ab.
Dort reißen Schlamm- und Schneelawinen gerne
oft ganze Dörfer in ein tiefes Grab.

Wann lernen wir in Einklang auch zu leben
mit dieser Erde, die uns trägt und nährt?
Es wäre endlich Zeit, dies anzustreben,
damit auf Dauer Heimat uns gewährt.

© Ingrid Herta Drewing


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