Wintersonnenwende

Wie viele Winter habe ich gesehen,
mit wachem Auge tief erschaut,
und viele Bilder mir wie Schnee verwehen,
Erinnerungen, aufgestaut.

Doch einen Winter werd‘ ich nie vergessen,
das war, als du, mein Schneemann, mich geküsst.
Es schien mir zunächst frech, ja fast vermessen;
dann war mir so, als ob ich träumen müsst.

Wir hatten rote Wangen, kalte Hände,
doch unsre Herzen klopften heiß.
Im Augen – Blick der Wintersonnenwende
schmolz hin in Liebe alles Eis.

© Text: Ingrid Herta Drewing

Foto : Pixabay

Adventszeit

Zu Hause geborgen
Würzig duftet die Tanne,
Strohsterne im Grün

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,

Liebe

So viele Wege irrtümlich beschritten,
bis dies‘ Gefühl in seinem warmen Tanz
das Herz mit Glück dir füllte, heilte ganz,
und Sehnsucht nicht mehr länger ward erlitten.

Wohin uns Liebe trägt in Sturm und Regen,
auf einem Rosenpfad ins helle Licht,
zeigt sie doch innig schön ihr Angesicht,
weil Seelen sanft einander pflegen, hegen.

Geschenk des Himmels, das uns ist gegeben,
obwohl auf Erden in bizarrer Art
so vieles noch in Kälte, Hass erstarrt.

Sie trägt uns weiter, wächst mit neuem Leben,
ein Lied, das Worte zart mit Klängen paart,
den Sinn des Daseins klar uns offenbart.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Schnee

Es schneit, als würde wer in Himmels Höhen,
beim Backen tüchtig Puderzucker sieben,
der sich sanft rieselnd hier im Tal lässt sehen.

Das Wetter, unlängst nasskalt, nicht zu lieben,
zeigt sich geläutert nun in Winters Zier,
auch wenn im Winde bald die Flocken stieben.

Die weiße Pracht lockt, sie gefällt auch mir;
gleicht doch der Park jetzt jenen Märchen-Träumen,
die zur Adventszeit sind uns schöne Kür.

Ein weicher Schneepelz liegt auf Büschen, Bäumen
und schmückt, was mahnend, weil vergänglich, kahl,
auch welke Blätter, die die Stämme säumen.

Erfreulich, dass der Winter nun einmal
der Jahreszeit mit Schnee entsprechen kann,
uns führt aus jenem trüben Nebelfahl,
den Blick befreit vom milchig-grauen Bann!

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing,

Phantasee

Heute wurde mein Buch PHANTA-SEE veröffentlicht. Federzeichnungen meines Sohnes Ingmar Drewing haben mich zu einigen Gedichten inspiriert und veranlasst, dieses Buch zu gestalten.                                                      

Phanta- See lädt mit Zeichnungen und Gedichten dazu ein, dem Weg der Phantasie zu folgen, gesellschaftlichen Gegebenheiten und Ungereimtheiten nachzuspüren.

ISBN: 9783756558971    /        7.99 €

Achtzig Jahre

Ein Wimpernschlag,
ein Augenblick!
Wo blieb die Zeit?

Ich schau zurück
auf ein erfülltes Leben
so viele Jahre Erdenglück!

Auch Leid hat es gegeben.
Jedoch das Gute überwiegt,
bewahrt in meiner Seele.

Mag auch das,
was noch vor mir liegt,
ein Schleier sanft verhehlen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Winters Gruß

Heut kam der Winter kurz mal reingeschneit,
den Markt mit seinen Sternchen zu begleiten,
wo Lilien-Lichter, Weihnachtsbaum bereit,
uns  Freuden der Adventszeit nun bereiten.

Des Domes Türme schien er zu umhüllen
mit seinen weißen Schleiern in der Höh‘,
im Winde wirbelte die Flocken-Fülle,
verzierte blaue Buden flugs mit Schnee.

Dem alten Karussell, das in gewohnter Weise
nostalgisch und beharrlich Runden dreht,
warf Schnee-Kristalle kühn er in die Kreise,
rief :“Ja, ich bin noch da, wie ihr hier seht!“

Gewiss, wir hatten ihn schon abgeschrieben,
denn letztes Jahr blieb er uns gänzlich fern,
obwohl wir diese Stimmung hier doch lieben,
wenn auch zur Weihnacht glitzern seine Stern‘.

© Fotos u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Rituale

Wie jedes Jahr folgt man dem alten Brauch,
schmückt Markt und Straßen hell mit Leuchtgirlanden
und Tannenbäumen, Sternverzierung auch,
Adventszeit-Zauber hier in unsren Landen.

Als könne man nun dadurch Frieden finden,
der immer noch so rar in dieser Welt,
wo die Despoten töten, Kräfte binden,
dem Guten wehren, das sie nicht bestellt‘.

Doch heilsam für die Seele scheint zu sein,
wenn etwas Schönes unsrem Blick gefällt.
Wie gern man glaubt, adventlich zeig‘ sich rein,
was wir ersehnen, was am Leben hält.

Trotz Leid und Krieg bewahren wir den Glauben
an Liebe, Hoffnung, Sieg der Friedenstauben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Festreste

In dem Karton, adventlich heiter,
grüßt eine Sammlung vieler Kerzen,
die unverbraucht für’s Und-So-Weiter
dort angehäuft von mildem Herzen.

Denn offenbar ist ’s nicht gelungen,
dem Docht zu folgen bis zum Grund,
obwohl vier Wochen ausbedungen,
gab’s nie totalen Kerzenschwund.

Als Nachkriegskind scheut man ’s Entsorgen,
weil doch vielleicht mal mangels Licht
an einem dunklen Wintermorgen
die Kerzenzier Ersatz verspricht.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing, 05.12.2022

Beim Anblick der Amaryllis

Vier Wochen lang den Blick bemüht,
ich wollt‘ dich wachsen sehen,
und heute bist du hell erglüht,
in rotem Glanze nun erblüht,
darfst strahlend aufrecht stehen.

Dein Leuchten passt gut zum Advent,
wenn wir uns hoffend freuen
auf den, der das Erlösen kennt,
der uns von Dunkelheit hier trennt.
Kein Tod-und Teufel-Scheuen!

Mir zeigt es auch, wie licht das Leben,
in jeder Zelle wirkend, schwingt.
Ein Nehmen und ein zärtlich Geben,
dies sanfte Wachsen, lind Verweben
mir tief in Sinn und Seele dringt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing