Nacht

Die Nacht hat ihre Flügel ausgebreitet

und bettet sanft das müde Land zur Ruh.

Nur in der Stadt die Leuchtreklame weitet

den Tag ins Grelle aus, blinkt hell dazu.

Streift Paare, die vertraut nach Hause gehen,

auch einen Trunkenbold, der lautstark lallt,

und Bordsteinschwalben, die nach Freiern sehen

bei einer Bar, wo mancher Korken knallt.

Jedoch auch hier kehrt schließlich Ruhe ein,

bis in der Früh’ der erste Pendler fährt,

das Lieferauto seine Fuhren leert

und der Verteiler wirft die Zeitung ein.

Die Nacht vergeht so sanft, wie sie gekommen,

weilt dann im Westen, da ist es noch still.

Im Osten lugt der junge Tag verschwommen,

noch leicht benebelt und beklommen,

ob sich die Sonne endlich zeigen will.

Ingrid Herta Drewing

Justitia in Not

jusblin

Müde ist Justitia, hat die Waage
und das Richtschwert aus der Hand gelegt.
Sie scheint blind, doch hörbar ist die Klage,
dass das Geld die Urteilskraft bewegt’.

Geld treibt an den Gang durch die Instanzen.
Wer ’s nicht hat, macht unterwegs leicht schlapp;
So Pecunia lehrt Justitia tanzen,
nimmt ihr spielend leicht die Binde ab.

Ingrid Herta Drewing

Rosentraum

Enlros

Von allen Träumen, die sich mir erfüllten,

scheint dies der schönste, und ich fass’ es nicht,

dass hier sich in des Abends letztem Licht

das Glück uns nun so liebevoll enthüllte.

Geborgen fühl’ ich mich in deiner Nähe,

und heg’ ich Zweifel, hilft dein Zuspruch auch.

Mir ist’s, als ob ich Rosen blühen sehe

an Winters Schnee bekränztem Dornenstrauch.

Ich möchte gern verweilen in dem Garten,

wie innig birgst du mich in deinem Arm.

Der Alltag mag kühl grimmig draußen warten.

Wir halten hier einander lieb und warm.

Wo Liebe herrscht, muss Kälte schweigen,

es sprießt und blüht aus Winterzweigen.

Ingrid Herta Drewing

Winterspaziergang

Wispaz

Gedämpft sind meine Schritte,
sanft rieselnd fällt der Schnee.
Wie eine stumme Bitte
liegt eiserstarrt der See.

Durch einen Vorhang schreite
ich einsam in der Stille ,
empfinde diese Weite
beglückt als Teil der Fülle

Des Lebens, das im Träumen
nun sammelt neue Kraft
und bald in Frühlings Räumen
erneuernd sich erschafft.

Ingrid Herta Drewing

Die drei Weisen

DSCI0006Am blauschwarzen Himmel
ein leuchtender Stern,
der zeigte den Weg
einst den Weisen.
Beschwerlich war es,
sie kamen von fern,
dem Heiland Ehr‘ zu erweisen.

Sie suchten den König
und fanden ein Kind,
hilflos und klein,
dort im Stall,
in einer Krippe
bei Esel und Rind,
und es roch nach Mist überall.

Auch arme Hirten
mit Schafen und Hund
hatten sich fromm eingefunden.
Sie führten Einen,
der Mann war blind,
seine Hände
von Dornen zerschunden.

Des Kindes Mutter,
der Vater,  so schlicht,
wachten treu bei dem Kinde,
in Lumpen gehüllt,
bei spärlichem Licht,
durch die Ritzen heulten die Winde.

Jedoch die Weisen
traten heran,
überreichten in Demut die Gaben,
Weihrauch und Myrrhe
dem göttlichen Kind,
Ehre dem liebreichen Knaben.

Maria und Josef,
das traute Paar,
blickten beglückt in die Runde.
Von Frieden sang freudig der Engel Schar.
Sie priesen die göttliche Stunde ,
und die Weisen
erkannten die Kunde.

Ingrid Herta Drewing

Fernbeziehung

Abschied
tut weh,
beißt ins Herz,
schnürt die Kehle zu,
Tränen

Wiedersehen,
strahlende Augen,
das Herz klopft,
lachend hüpft die Seele,
Glück

Ingrid Herta Drewing

Wintertraum

Winzaub

Das Schneekind naht in weichen Puschen,

bestreut mit Sternchen weiß das Land.

Der Mond reicht seine Strahlenhand

und lässt es leicht vorüber huschen.

Es tanzt im hellen Sternenkleide,

lädt ein in seine Zaubernacht

und hat von Winters kühler Weide

die Flockenherde mitgebracht.

Das wirbelt, stiebt in wildem Tosen,

bis alles hier liegt tief verschneit.

Dann schläft das Schneekind, lässt sich kosen,

träumt in der Stille sanfter Zeit.

Ingrid Herta Drewing

Nebelmeer

Ach, dieses Wintergrau macht gar so müde.
Ich möcht’ den Nebelvorhang, diesen langen,
zur Seite ziehen, um dann unverhangen
der Sonne Licht zu sehen, Glanz im Süden.

Ich wünsche mir die klare Winterwelt,
das Blau des Himmels über weißem Schnee.
Doch alles, was ich heute draußen seh’,
wirkt als Kulisse, für den Schlaf bestellt.

Um nicht ins Nebelmeer zu tauchen, sinken,
zünde ich Kerzen an. Im warmen Licht
zu Hause träumen, Phantasie mag winken,
Musik mir klangvoll Heiterkeit verspricht.

Musik, die uns in allen Lebenslagen
wird Wohlgefühl und Freude nicht versagen

Ingrid Herta Drewing

Das neue Jahr

Brautstrauß

So zart und lebensfroh das junge Jahr

am Morgen rosig in die Zukunft blickt,

uns viel versprechend, hoffnungsvoll entzückt,

obwohl, was kommen wird, ist noch nicht klar.

Wir, die es lautstark, feuerbunt begrüßen,

erwarten manches, wollen vieles nicht,

ersehnen uns des Friedens warmes Licht,

Gesundheit, Wohlstand soll das Leben süßen.

Es gibt so vieles, was wir nicht gestalten,

wir hoffen, jenen, die jetzt herrschend walten,

verleihe Gott den Geist, gerecht zu sein.

Denn nur, wenn alle Menschen hier auf Erden

menschlich gesehen und behandelt werden,

kehrt Harmonie in dieses Leben ein.

Ingrid Herta Drewing

Sylvester-Gedanken

EngelBei Tannengrün und Kerzenschein

sitz ich beschaulich hier allein

und lausch der Neunten Klingen,

hör’ unsren Chor schön singen.

Diesen Kuss der ganzen Welt,

den die Freude hell bestellt,

nach von Schillers Worten,

würde ich gern orten.

Mit dem Küssen wird’s nichts werden,

denn noch immer hier auf Erden

frönt dem Hass die Meute,

Gift in unsrem Heute.

Kann nur hoffen, dass im Kleinen

Liebe wird uns Menschen einen.

Gemeinsam dann und stark

man Schweres auch ertrag’!

Ingrid Herta Drewing