Zungenbrecherreimerei

Es lenzet lind und lock’re Lüfte
lindern läst’ge Launen leicht.
Komm, keckes Kind, erklimme Klüfte,
kühn kletternd , klaglos Katzen gleich!

Wer weiß, wo Wolfi wüst wann wandelt,
hitzig hechelnd, heimlich handelt,
Schafe schert und Schrilles schreibt,
froh, frech, frisch und frei verbleibt.

Durch diese drängend dunkle Dichte
dröhnt der dreiste ,dralle Drive.
Frei frisst Fritz Frischling frische Fichte,
lässt Lenz links liegen, lacht, that’s Life.

Ing

Karfreitag

K önig ? Spott , die Dornenkrone,

A uf dem Weg nach Golgatha

R euig folgt dem Gottessohne

F romm der Pilger Büßerschar,

R einen Herzens ihn zu lieben,

E hrn den Heiland dieser Welt

I nnig Demut nun zu üben,

T ätig sein, wie’s Gott gefällt,

A uch sanft seine Schöpfung pflegen,

G ütig Christi Botschaft hegen.

Ingrid Drewing

Amateur

Noch immer sind es zarte Töne,

die lieblich unser Herz entzücken,

in Worten uns oft tief beglücken,

da wir doch lieben alles Schöne.


Das Leben gibt sich oft recht nüchtern,

verschreibt sich meist Realem nur,

doch mancher taffe Mensch wird schüchtern,

wenn er ist auf der Liebe Spur.


Dann drängt es ihn zu süßen Worten,

da Sehnsuchtsfühlen in ihm wallt ;

er sucht romantisch sich zu orten

und findet dichtend seinen Halt.


Der Literat, modern, ihn dauert

der Dilettant als armer Tropf,

der auch noch reimt, harmonisch schauert

in Bildern, die ihm nur ein Kropf.


Doch kennt der Amateur die Freude,

die ihm romantisch Schönes gibt;

nur Bilder, reimlos ihm bedeuten

zu wenig, weil er Klänge liebt.


Im Hain Apolls, dem Musentempel

findet ein jeder seinen Platz,

und was dem einen Wörterkrempel,

hütet ein andrer wohl als Schatz.

Ingrid Drewing

Abenddämmerung

In des Abends Dämmerstunde
hören wir sie tirilieren;
Amselhähne geben Kunde,
singend ihr Revier markieren.

Auf Antennen und Kaminen
in des Häuserwaldes Kronen
diese kleinen Sänger thronen,
Schnabel weit dem Klange dienen.

Und ihr Melodienreigen
hell die Stadtlandschaft erfüllt,
bis die Abendnebel steigen
und die Nacht sie sanft umhüllt.

Ingrid Drewing

Osterspaziergang

Der Mittagssonne lichte Strahlen,
hauchzartes Flüstern in der Buchen Grün,
wo in des Waldes Kathedrale
sternengesichtig Anemonen blühn.

Andächtig weilend in der Stille
lauscht hier der Wanderer dem Vogelsang
und ahnt, dass wohl ein mächt’ger Wille
beflügelt allen Lebens Frühlingsdrang.

Froh öffnet er sein Herz und stimmt mit ein
in diesen Lobgesang,der Gott gefällt,
dankt seinem Schöpfer für dies irdisch Sein,
erkennt beglückt den Ostersinn der Welt.

Ingrid Drewing

Geheimnivoller See

Wo in des Wassers Tiefe Strudel drängen,
da ist des Nöcks dämonisches Zuhause.
Er lauscht der Wassernixen Chorgesänge,
bewacht des nahen Wildbachs Brausen,
der dort stürzt durch des Tobels Enge.

Nur selten tönt der Nixen Weise;
doch, wenn in sanftem Vollmondschimmer
hell glänzend grüßt geheimnisvoll der See,
sieht man sie dort auf Felsen flimmern
und hört ihr leises Singen, süß und weh.

Sie singen zärtlich von der Liebe, frühem Tod
des Jünglings, der in Sturmes Not
hier auf dem Weg zur Liebsten einst ertrunken,
und seiner Braut im Hochzeitsboot,
die dann im Sehnsuchtsschmerz,
ihn suchend , auch im dunklen See versunken.

Und dennoch hat die Sage zu berichten,
im Reich des Nöck sei glücklich nun das Paar
vereint, wie einst es wohl ihr Wille war.
Ein alter Fischer weiß um die Geschichte,
behauptet kühn, dass er die beiden sah.

In einer klaren Vollmondnacht wie heute
hab’ er sie tanzen sehn im Wasser nah dem Wald

in ihrer jugendschönen Wohlgestalt,
und ihre überird’sche Liebesfreude
sei dort als Echo ihrer Stimmen widerhallt.

Ingrid Drewing

Störche

Störche

stehen majestätisch

im luftigen Nest

auf dem alten

Fabrikschornstein,

Frühling.

* * *

Frühling

blauer Himmel

ein Wölkchen schwebt

kleine Federwuschel im Nest

Jungstörche

Ingrid Drewing

Osterhoffnung

Ein Osterleuchten in den Wiesen
und farbig schön das Eiernest.
Jetzt, da die Pflanzen grün uns grüßen,
begehen wir das Hoffnungsfest.

Es kündet Christi Auferstehen
uns an ein jeder Frühlingshauch.
Wir glauben blind und werden sehen,
erneuern uns im Herzen auch.

Ingrid Drewing

Hochzeitsbild

Im grünen Haar der Weide,
spielt zart der Frühlingswind,
wie kostbares Geschmeide
das Licht im Wasser blinkt.

Das Brautpaar am Gestade
steht traumverloren da,
im See zieht seine Pfade
ein sanftes Schwanenpaar.

Ingrid Drewing

Frühlingsnacht

Ein Windhauch trug der Blütenharfe Klang,
mild duftend in die Frühlingsnacht am See,
wo Mondes Silberbarke glitt entlang.
In deinem Sternenlächeln süßes Weh.

Von Liebe sang des Blütenliedes Weise,
ein heller Zauber hielt die Stunde an.
Zwei Schmetterlinge fanden sich lieb,leise
und flogen lippenzärtlich himmelan.

Ingrid Drewing