Bemerkung

knospe2

Es scheint,

wir haben nur noch Augen für das Große.

Doch wie, wenn wir das Kleine nicht mehr sehn?

Erkennend aus dem Kleinen kann das Große,

die Welt in Lebensflammen uns entstehn.

Leichtfertig sind zufrieden wir mit Schatten.

Den großen, groben Umriss mag man gern;

und dennoch müssen Blüte, Frucht ermatten,

trägt sie das Kleine nicht, des Lebens Kern.

Ingrid Drewing

Abendrot

Am Himmel wachsen Cirrusweben,

dsci0016so kurz vor Sonnenuntergang,

und Espenblätter zitternd beben

im Wind,der streicht den Hang entlang.

Der kühle Abend meldet sich,

verweile noch im Garten,

im Freien bleibend möchte ich

das Abendrot erwarten.

Sobald am Himmel rote Glut

die Bläue brennend tönt,

der warmen Farben milde Flut

die Landschaft sanft verschönt,

werd‘ ich  das wunderschöne Bild

mit meinen Augen trinken

und kann dann,wenn mein Durst gestillt,

in tiefe Andacht sinken.

Ingrid Drewing

Frühlingsregen

Es fällt ein sanfter Frühlingsregen
und netzt der Erde frisches Grün.
Nun kann der helle Blütensegen
auch weiterhin im Glanz erglühn.

Die Vögel, froh gestimmte Sänger,
begrüßen flugs das klare Nass;
im Vogelbad drängt man nicht länger,
Platz gibt es auch am Regenfass.

Und auf dem Dachfirst munter sitzen
zur leichten Dusche sie gereiht,

nur ab und zu zum Neste flitzend
und sehn, ob alles noch bereit.

Wir lieben’s trocken. Schirme tragend
ziehn wir durch regenfrische Luft,
des Frühlings Lächeln in uns fragend,
das lichtverwöhnt nach Sonne ruft.

Ingrid Drewing

Erinnerungen

Der Frühling hebt den Mantel des Vergessens
und weckt Erinnerungen, tief verborgen,
von Hoffen, Lieben, Sehnen ,Sorgen
und Glück, das einstmals kaum ermessen.

So sanft im Spiegel gaukelt er der Seele
nun neu erblühend vor vergangnes Glück,
und altes Weh schmerzt süß dir in der Kehle.
Was einst so weit, ist wieder nah gerückt.

Wer immer auch dem Zauber ist erlegen,
den dieses neue Werden uns verspricht,
dem ist der Blick der Hoffnung stets zugegen
und Sehnsucht nach der Liebe hellem Licht.

Ingrid Drewing

An ein altes Steppenpferd

Bevor die Müdigkeit der Glieder
dir in das Herz kriecht,
bäume dich noch einmal auf.
Wirf deine Mähne in den Wind,
der mit ihr spielt,
und hebe deine Lider,
nimm so mit wachem Blick
das Grauen und den Glanz
der Sonnensteppe in dich auf!
Trink ihn mit innigtiefem Zug,
den Duft aus Wind und Wiese,
der dich leicht umweht;
lass dich davon berauschen,
geh und wage einen Schritt!
Setz einen zweiten nach ,
dann schwing dich auf
zu freiem Lauf!
Ob’s Lust, ob’s Leiden sei,
frag‘ nicht danach!
Wer lebt, erfährt!
Dort, wo du Abgrund streifst,
entgehst du deinen Grenzen,
im Taumel spürst du dich,
erhebst dich aus dem Fall.
Hier leben heißt:
Im Spiel den Tod umtanzen.
Wo alles ruht, lebt nichts.
Du bist, und sei’s dein Traum,
ein freies Wesen,
Wille und Bewegung
im Erdenraum!
Ingrid Drewing

Sommergefühl

Es riecht nach Sommer, duftenden Reseden,

obwohl April noch im Kalender steht;

die Kraft der Sonne sagt es einem Jeden,

der staunend durch den Blütengarten geht.


Als habe eine unsichtbare Hand

hier, heimlich zaubernd, in der Nacht gewaltet,

in Parks und Gärten überall im Land

die Blütenlichter zärtlich angeschaltet.


Weiß blühend, rosa hebt sich ab der Flor

von eines klaren Himmels sattem Blau,

und der Verliebten Balz im Vogelchor

erinnert, dass dies ist des Frühlings Schau.

Ingrid Drewing

Bild v. Paul Uhl

Frühlingselfchen

Blüteninseln

im Himmelblau,

Vogelsang, summende Bienen,

weißer Traum des Kirschbaums,

Frühlingslieder.

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Menschen

im Park

flanieren, froh gestimmt

unter hell blühenden Bäumen,

Osterspaziergang .


Ingrid Drewing

Ermunterung

Ranunkel und Lavendelblüten
begrüßen einen jungen Tag,
nun lass auch du das Sorgen , Brüten,
befreie dich von Müh‘ und Plag !

Wag‘ dich hinaus in Wald und Flur,
genieße froh die grüne Welt,
folge dem Duft, des Frühlings Spur,
tu endlich das, was dir gefällt !

Ingrid Drewing

Ostersonntag

Ein Blütenrausch hält uns umfangen,
und frühlingsneu erwacht die Welt,
vorbei das wintergraue Bangen,
beglückt vom Jubel- Vogelsange
grüßt uns das Leben, froh erhellt.

In Farben schwelgen Park und Garten,
selbst der Balkon im Blütenlicht
weiß duftend,leuchtend aufzuwarten,
die Sinfonie der Blumenarten
singt täglich hier ihr Lobgedicht.

So schaun wir Christi Auferstehen
im Widerschein der Schöpfung hier .
Geschenkt wird uns ein neues Sehen,
im Ostersinn den Weg zu gehen:
Die Liebe Gottes führt zum Wir.

Ingrid Drewing

Osterhasen

Im Hasenlande herrscht jetzt Trubel,
man malt , verziert dort emsig Eier.
Klein Mümmel hopst zu Henne Meier
Will helfen bei der Tennen-Feier.

Die Hasenschule ist geschlossen,
an Ostern haben Häschen frei.
Vor Zeiten wurde das beschlossen,
und deshalb bleibt man auch dabei.

Die kleinen Mümmelmänner spielen,
schau’n, wo der Kinder Nester sind,
verstecken Eier, all die vielen,
die sie so schön bemalt, geschwind.

Dann steh’n sie luchsend hinter Bäumen
und freu’n sich, wenn ein Menschenkind,
das früh erwacht aus seinen Träumen ,
eins der versteckten Nester find’.

Ist dann das Suchen froh gelungen,
verschwinden Häschen klein und groß.
Flugs wird schnell nach Haus gesprungen;
ein Schlaf tut gut auf frischem Moos.

Ingrid Drewing