Medienstar H1N1

Heut sah ich es im Fernsehen,
groß, grafisch dargestellt,
das böse Grippevirus,
den neuen Medienheld.

Sah harmlos aus und putzig
wie ein Kastanienbett,
so stachelig und stutzig,
ansonsten rund, adrett.

Es ist jetzt Star auf allen
Kanälen im TV.
Schlagzeilen auch, die prallen,
beschwören es genau.

Es hält die Welt in Atem.
In Maskenschutz gehüllt,
der Mensch bekriegt das Fatum,
hygienisch, pflichterfüllt.

Ich hoffe sehr, sein Spuken,
das ist gar bald vorbei
(wie jüngst die Vogelgrippe).
Der Mensch mag atmen frei.


Ingrid Drewing

Abend

Der Abend grüßt des Rosenhimmels Licht,

legt seine langen Schatten auf die Wege,

bis auch das letzte, süße Tongedicht

der Amsel leis’ verhallt im Waldgehege.


Schon strahlend hell der Abendstern nun funkelt,

und nach und nach glimmt auf in Fenstern Licht,

Glühwürmchen, das noch sanft verklärt im Dunkel

der Nacht von Tag und Leben leuchtend spricht.


Wir Menschen betten bald die müden Glieder

und finden in den Träumen milde Ruh’;

manch einer vor dem Bildschirm senkt die Lider,

im Flimmerschein ein Flüstern, fernes Du.

Ingrid Drewing

Frühlingsliebe

Pfingstrosen blühen, weißer Flieder

eröffnet nun den Maientanz.

Die Tage singen Sternenlieder,

und Nacht erstrahlt im Sonnenglanz.


So leicht und zart auf Frühlings Schwingen

naht deiner Liebe helles Licht.

Ich könnt’ vor Glück wie Glas zerspringen,

erblicke ich dein lieb’ Gesicht.


In deinen Armen fest geborgen,

sehe ich neu die Welt erblühn.

Gemeinsam grüßen wir den Morgen,

der lächelnd lässt den Tag erglühn.

Ingrid Drewing

Einsames Glück

Einsam lebend in der Stille

höre ich der Tage Klang,

eines Menschenlebens Fülle

strahlt im Schwanen-Abendsang.

Immer noch ein sanftes Sehnen

in der lenzbeglückten Zeit,

alle Sinne schauen Schönes,

das die Erde hält bereit.

Zart keimt auch ein leises Hoffen,

dass dies irdisch’ Glück noch währt;

scheint mir doch der Himmel offen,

wenn das Leben mich betört.

Ingrid Drewing

Frühlingslächeln

Jubelnd und jauchzend und tanzend im Glück

rauscht es und singt es in blühenden Bäumen;

freudig verkünden, dass Frühling zurück

gefiederter Sänger schillernde Träume.

Und golden am Morgen der Himmel erklingt,

lockt uns und zaubert das Licht in die Seele.

Was uns an Mühen der Tag nun auch bringt,

des Frühlings Lächeln kann niemand verhehlen.

Sesshaft

Allmählich werde ich zur Pflanze,

schlag Wurzeln, bleib auf meinem Fleck,

lass Blicke in die Weite tanzen

und folge sicher einem Zweck.


Vom Himmel hole ich das Licht

mir wach mit meinen Sinnen heim

lebe die Tage im Gedicht;

hier sind die Wurzeln und der Keim.

Und wüchse einstmals mir die Blüte,

der Worte Schönheit klar und wahr;

dann wüsst’ ich um der Früchte Güte,

dass dieser Weg ein weiser war.

Inridb Drewing

Frühlingshimmel

Der Himmel blinkt in hellem Blau,
kein Wölkchen in den Lüften schweift.
Ein milder Blütenduft mich streift
im Frühlingswinde, der so lau.

Leicht teilt in Weiß ein Düsenjet
den Himmel auf mit schrägem Strich.
Die Zeichnung bleibt nur kurz,als hätt’
ein blaues Tuch sie weggewischt.

Nur lautlos noch zwei Schatten kreisen,
ein Falkenpaar die Runden dreht,
und dann entschwebend, sanft und leise
ihr Tanz aus meinem Blickfeld weht.

Ingrid Drewing

Frühlingssonntag

Wattebäusche

weiß, gezupft,

schweben hoch oben

am hellen Sonntagshimmel dahin,

Wölkchenparade.


Kinderstimmen

tönen hell

in ausgelassener Freude

über den grauen Hinterhof,

Frühling.

Ingrid Drewing

Vergissmeinnicht

Vergissmeinnicht, du blauer Stern,

der dort am Bach die Wiese ziert,

dein Lächeln grüßt mich schon von fern,

eh sich der Blick im Blau verliert.

Ja, dort, es bleibt mir unvergessen,

hab’ einst im Frühling mit Marie

ich traulich lieb am Bach gesessen.

„Vergiss mein nicht!“, so sagte sie.


„Wenn in der Heimat bist zurück,

die du verlässt für lange Zeit,

ich einen Blütenstrauß dir pflück,

erwart’ dich hier im Festtagskleid.“


Vergissmeinnicht, du blauer Stern,

nun zierst du auch ihr kühles Grab.

Ach, ich würd’ sagen ihr so gern,

dass ich sie nie vergessen hab’.


Ingrid Drewing

Mittagsruhe

Mittag ist, die Katze ruht

sanft auf der Balustrade;

nach ihrer Promenade

tut ihr nun ein Schläfchen gut.

Von der Katze kann man lernen:

die Ruhepausen nutzen,

nicht unentwegt nur putzen,

sich dezent vom Stress entfernen.

In Ruhe atmen und den Traum

Erwirken und erleben,

sich Zeit für alles geben

in unsrem schönen Erdenraum.

Ingrid Drewing