Freundschaft

In der Not wird sich erweisen,

wer ein guter Freund dir ist,

dies sagt uns ein Spruch, der weise,

den man an Erfahrung misst.


Freunde teilen mit uns Freuden,

spenden uns im Leide Trost,

stehen mutig uns zur Seite,

wenn Verdruss, Bedrohung groß.


Teilen auch mit uns das letzte

Scherflein, wenn es nötig ist.

Dass Vertrauen man in ihn setzte,

nie ein wahrer Freund vergisst.


Er hält zu dir bis zum Tode

und darüber noch hinaus.

Ihm gebührt des Lobes Ode,

ist sein Herz doch dein Zuhaus’.

Ingrid Drewing

Wirtschaftsverwundet

Zahlen,
erschreckend groß,
fast unvorstellbare Summen
schwirren bedrohlich im Nachrichtenäther,
Wirtschaftskrise

Spekulanten,
süchtig spielend,
Welt wirbelnder Derivatenblasen,
Wirtschaft weltweit verwandelt in
Wüste

Arbeitslos,
seit Jahren
unvermittelbar, zu alt,
abgestempelt in den Akten,
Angst

Ingrid Drewing

Bärli und der Lachsfang

Bärli liebt das Baden sehr

im frischen Bach, doch noch viel mehr

mag er es, wenn in den Schnellen

Jagd ist auf die Lachsforellen.

Mama und noch andre Bären

sammeln Fische zum Verzehren,

die sie ohne großes Bangen

sehr geschickt im Flusse fangen.

Mama zeigt ihm, wie es geht,

auch wo er am besten steht,

um den wilden Männerbären

ihren Zutritt nicht zu wehren.

Auch damit sich Bärli hält

und nicht in den Strudel fällt.

„Halt dich immer dicht bei mir,

dies, mein Bärli, rat ich dir!“

Bärli sieht die Lachse springen,

denkt, es sollt ihm doch gelingen

dort am kleinen Wasserfall,

wo sind auf dem Baumstamm all

die großen Bärenjungen,

fischend fröhlich ungezwungen.

Doch kaum ist er angekommen,

fühlt er sich doch sehr beklommen.

Auf dem Baumstamm balancieren

und die Fische schikanieren,

ist doch schwerer als gedacht,

und als man ihn ausgelacht,

läuft er voller Übermut

an des Wasserfalles Flut.

Bevor der Fischfang hat geflutscht,

ist er plötzlich ausgerutscht,

fällt gar tief ins Wasser rein

und fängt brummig an zu schrein.

Die Bärenmutter holt zum Glück

aus dem Wasser ihn zurück,

sagt:“Bärli,du musst viel noch lernen,

bevor allein dich kannst entfernen.

Auch Dummes solltest du nicht machen,

bloß weil andre Dumme lachen!“

Und Bärli brummt nun sehr verständig,

zum Glück ist er ja noch lebendig.


Ingrid Drewing

Bärli und die Bienen

Vor einem Baum steht Bärli stumm,

„War da nicht grad so ein Gesumm?“

Das Summen Süßes ihm verheißt,

er es von Bärenmama weiß.

Wenn sie geklettert hoch den Baum,

dann folgte bald ein Honigtraum.


Doch leider ist er hier allein,

da wird’s wohl nichts mit süßem Seim.

Sagte doch Mutter: “Hüte dich,

es tut sehr weh ein Bienenstich!“

Aber ,wie Kinder nun mal sind,

den Rat vergisst er nun geschwind.

Denn Bärli hat schon Lust bekommen

auf Honig, und so wird erklommen

der hohe Baum jetzt Pflock für Pflock,

ganz hoch bis hin zum Bienenstock.

Da herrscht ein Wuseln und Gesumme,

das Bärli freut sich mit Gebrumme,

will mit der Schnauze aus den Waben

den Honig holen, sich dran laben.

Jedoch das Bienenvolk gestört,

durch dieses Eindringen empört,

stürzt wild sich auf den Bärenwicht

und tobt und sticht, ein Kampfgericht.

Das Bärli schreit vor Schmerz:“Au wei!“,

sodass die Bärin eilt herbei.

Er purzelt grob den Baum hinunter,

verfolgt von Bienen, die sehr munter.

Die Bärenmutter ihm schon winkt,

ihn zu dem Teich ans Wasser bringt,

damit er kühlen kann mit Frische

die vielen schlimmen Bienenstiche,

sagt:“Kind, was manch Erwachsner tut,

ist längst noch nicht für Kinder gut.

Ihr solltet doch auf Rat und Lehren

der Mutter brav und sorgsam hören.“

Frühlingsflausen

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Könnt’ ich meinen Traum besingen,

und die Sterne in der Nacht

würden mit im Takte schwingen

hell in ihrer Strahlen Pracht.

So das Dunkel ganz verdrängen,

das dem All zur Nacht entsteigt,

Blütenlieder, Engel sängen,

und der Mond ein Ständchen geigt.

Aber alles sind nur Flausen

einer lichten Maiennacht,

die in Fliederbäumen hausen,

wo ein Frühlingskobold lacht.


Ingrid Drewing

Maiabend

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Die Zeit des hellen Abends hat begonnen,

gesellig sitzt man noch beisammen, plauscht,

Straßencafes , Biergärten, Blütenwonnen,

im Glück das Paar, das Nachtigallen lauscht.

Ein rosa Leuchten in den Gaslaternen

grüßt, einem Lächeln gleich, die späte Nacht,

die tiefblau, seidenweich mit Silbersternen

den Blütenflor verschönt in Glitzerpracht.


Da mag man gerne wandeln unter Sternen,

verliebt in einen sanften Frühlingstraum,

bis leis’ erlischt der Glanz in den Laternen,

ein letzter Kuss noch unterm Fliederbaum.

Ingrid Drewing

Kinder

Wer Kinder hat, der weiß, wovon ich rede,
es liegt dir nur ihr Wohl und Weh am Herzen.
Sind sie noch klein, lebst du in steter Fehde
Mit Kummer, Sorgen, vielen kleinen Schmerzen.

Und in der Pubertät ist gut sodann ,
mit wachem Blick viel Freiheit zu gewähren;
auch wenn man müde ist , nur mühsam kann,
gilt dennoch es, geduldig zuzuhören.

Wenn sie erwachsen, ihren Weg gefunden,
lässt du sie los, wenn weh dein Herz auch zieht,
und freust dich auf die selten schönen Stunden,
da man einander glücklich wieder sieht.

Doch immer in Gedanken lebt die Frage:
Geht’s dem geliebten Kinde wirklich gut?
Das bleibt so bis zum Ende deiner Tage,
schließt auch die Enkel ein in sich’re Hut.

Ingrid Drewing

Wespentaille

Zwei Wespen in der Sommerfrische

umschwirrten Torten, die bei Tische

als Nachtisch vorbereitet waren.


Die eine, etwas unerfahren,

begann die Sahne aufzuessen,

da sprach die andre Wesp’ besessen:

„Flieg lieber fort von dem Gedeck,

sonst ist die Wespentaille weg!

Und du wirst dick wie eine Hummel;

Ich sag’s dir, das ist kein Geschummel.“


Die so belehrte Wespe flog,

nahm Platz an einem Wassertrog,

ließ wegen ihrer Schlankheit Gaben

die andern sich am Kuchen laben

und lernte so als ihre Pflicht:

Das Leben fordert auch Verzicht.

Ingrid Drewing

Aprilkäfer

Wärmer wird es, zeigt das Jahr,

im April schon blüht der Flieder,

und was sonst im Maien wieder

typische Erscheinung war,

ist drei Wochen früher da.


Spargel schießt, ausschlagen Bäume,

der Kastanien Kerzenträume,

alles grünt und blüht, ist da,

leider auch der Käfer Schar.


Sonst im Maien erst erwartet,

doch jetzt ist er ausgeartet;

im April schwärmt er nun aus,

Maikäfer, des Landwirts Graus.


Laben sich an sanften Sprossen,

und, wenn sie genug genossen,

fliegen sie auf neues Feld

und zerstören Pflanzenwelt.


Giftig naht nun auch die Spritze.

Was bei Busch noch Onkel Fritze

von der Handarbeit geborgt,

wird heut maschinell besorgt.


Oft fällt dieses Gift aus Lüften,

und die süßen Maiendüfte

sind dann leider schnell vorbei,

auch die Käferkrabbelei?

Ingrid Drewing

Mamale

Mein Mamale, nun jährt sich wieder
der Tag,an dem du von uns gingst.
Dein Grab geschmückt mit weißem Flieder,
an dem du so im Frühling hingst.

Noch heute sehe ich dich lächeln,
wenn wir dir diese Blüten brachten,
den Duft dir in die Nase fächeln,
wie wir gemeinsam scherzten, lachten.

Dein Leben nach dem Krieg nicht leicht,
doch fühlten wir die Schwere nie,
hast mit Humor es stets erreicht,
sangst deine Liebesmelodie.

Stark warst du ,und dein Herz voll Güte
wies uns die Ehrlichkeit als Weg.
Wir lernten, dass vor Frucht und Blüte
des Lebens Müh und Arbeit steht.

Du schenktest uns das Urvertrauen,
den Glauben, Lieben und Verzeihen.
Wir konnten immer auf dich bauen
und fühlten niemals uns allein.

Mein Mamale, nun steh ich weder,
um dir zu danken, still am Grab
und sage dir mit weißem Flieder,
wie lieb, wie lieb ich dich noch hab.

Ingrid Drewing