Fastnachtsende

Vorbei ist jetzt das bunte Treiben,
der Übermut und Mummenschanz
.
Den Winter wollten wir vertreiben
mit Lärmen und mit wildem Tanz.

Es scheint,wir haben fast gewonnen,
er zieht nach Norden sich zurück.
Nun wird uns bald die Frühlingssonne
erwärmend führn ins Blütenglück.

Ingrid Drewing

Regenwurm

Der Regen wurmt den Regenwurm,
für ihn ist er kein Segen.
Er spült ihn aus den engen,
geliebten Erdreichgängen
in Pfützen auf den Wegen
und meistens noch bei Sturm.

Zwar hott so e klaa Wermsche
in Hesse noch e Schermsche
(angeblisch unnerm Ärmsche)
unn sitzt dann uff’m Termsche.
Unn dann kimmt doch e Stermsche,
weht dess Wermsche
middem Schermsche
unnerm Ärmsche
vom Termsche.

Ingrid Drewing

Tierische Reimereien

Tauben

Im Blätterneste saßen Tauben,
sie wussten nicht,dass nach dem Glauben
sie sind Symbol des Friedens fein;
drum hackten sie auch sehr gemein
wütend aufeinander ein.

Forelle

Eine weibliche Forelle
kannte den Strom und die Schnelle.
So sprang sie fein
über Klippe und Stein
als des Bären Nahrungsquelle

Ziege

Die Ziege,die hat einen Bart.
den möchte man ihr stutzen.
Sie findet ihn jedoch apart
zum Malen und beim Putzen.

Ingrid Drewing

Sturm

Ein regenmüder Tag ertrinkt
im Sturm, der wild die Bäume rüttelt,
den Winter aus den Zweigen schüttelt
und Dächer von den Häusern zwingt.

Ein Klappern, Heulen, lautes Rasen,
als sei ein Höllentanz in Sicht;
der Fastnachtsfreunde Papp-Hut-Nasen

wirbeln in Lüften, schmücken nicht.

Am besten bleibt , wer kann, zu Haus‘
entgeht des Sturmes Wüten,
um sicher vor Unwettergraus
die Seinen zu behüten.

Ingrid Drewing

Hyazinthe

Die Hyazinthe ,duftend, blau,
erinnert zart an Frühlingstage,
die wir, verschanzt im Winterbau,
uns sehnend, süß zu träumen wagen.

Lechzt doch das Herz nach Frühlingsmilde,
nach Leichtigkeit und warmem Licht,
doch Winter frostig führt im Schilde
das Schwert aus Eis und hält Gericht.

Gefangen noch die munt’ren Bäche
und trübgesichtig blickt der See.
Der Bäume Äste zeigen Schwäche,
ermattet jetzt durch Reif und Schnee.

Jedoch die blaue Hyazinthe
blüt duftend und verspricht sodann,
dass auch des Winters kühle Finte
den Frühling nicht besiegen kann.

Ingrid Drewing

Sonniger Wintermorgen

Der Nebel hauchte weiße Spitzen
des Raureifs zärtlich ins Geäst
der Winterbäume;strahlend blitzen
sie in der Morgensonne Fest.

Hier hell erglänzt in Unschuldsmiene
im Schneepelz neu ein Erdentag.
Erfreut entfern‘ ich die Gardine,
Blauhimmelblick,wie ich es mag.

So soll ein Wintertag beginnen,
lichthell,die Luft so klar und rein.
Ich lad ihn nun mit frohen Sinnen
als Gast heut in mein Leben ein.

Ingrid Drewing

Die Wüste wandert

Noch singen,
behütet im Dornenbett,
der Kakteen Blüten
glühend farbige Lieder
in den Himmel der Halbwüste.

Und der Palmen
stolz erhobene Kronen
widerstehen federnd
dem Wüstenwind .

Doch schon sind
gefangen
im Sandstrahl
die Dächer des Dorfes
am Rande der Düne.

Ingrid Drewing

Waldschloss

Zerschlissene Brokatbezüge,
wettergegerbt,grau sein Gesicht,
liegt dieses alte Schloss,verschwiegen
im Waldesdunkel, matt im Licht.

Im Modermulch der alten Bäume,
die umgefallen,moosbegrünt,

hat hier ein Rittersmann vor Zeiten,
verstoßen, böse Tat gesühnt.

Noch zeigt verblichen uns das Wappen
den Schild, der schützend sollte leiten,
geziert von einem stolzen Rappen,
bis er gedient Raubritterzeiten.

Auch heut ist selten dort ein Gast,
unwirtlich,nur zum dunklen Träumen
kehrt man hier ein,verliert sich fast
und glaubt das Leben zu versäumen.

Doch manchmal,wenn in Vollmondnächten
der Silberglanz die Nacht erhellt,
siehst du den Ritter kühn hier fechten,
gespenstig, bis er sterbend fällt.

Ingrid Drewing

Frühlingshauch

Ein Frühlingshauch liegt auf der Stadt ,
die Sonne scheint und Vögel singen .
Ein Schneerest noch im Park,sonst hat
die Wiese Grün hervorzubringen.

Nilgänse watscheln hin zum Teich,
der nun vom Eise ist befreit.
Die Weiden wachsen ,knospenreich,
zum Frühlingsblühen schon bereit.

Auch wenn die Luft mich kühl berührt,
ist mir doch frühlingsleicht der Sinn;
die Zaubernuss,in Blütenzier,
lässt schwinden Wintersfrust dahin

Ingrid Drewing

Leben

Wie Wellen rinnen

in großen Kreisen ,

schon im Beginnen

in Fernen weisen,

so auch unser Leben

wächst und sich weitet,

gütig begleitet,

im Nehmen und Geben ,

im Hoffen und Streben ,

im Können und Üben ,

im Sehnen und Lieben ,

zum Ufer gesendet,

ausklingend

endet.

Ingrid Drewing