Kosmos

Du zauberst

im Sternenmantel

der Liebe

Silbermond und Sonnengold

in die schwarze Nacht.

und

die blauäugige Erde

in zarte Nebel gehüllt,

bergend den Tag,

der flüchtig

die Seiten wechselt,

tanzt

sich neigend

um die Sonne.

Ingrid Drewing

Unser Baum

Hier unsre Initialen ,
seit langem eingeschnitzt,
ein Herz sollt‘ sie ummalen,
in Rinde eingeritzt.

Der Jahre graue Spuren
beschwört Erinnerung
in goldenen Figuren
der Zeit,als wir noch jung.

So in verklärtem Lichte,
vertraut in liebem Blick,
erzählt uns die Geschichte
von zartem Liebesglück.

Und in des Lächelns Stille
besiegeln wir den Traum
geschenkter Lebensfülle
hier unter unsrem Baum.

Ingrid Drewing

Der erste Kuss

Und als du mich zum ersten Mal geküsst,
da war mir so, als weilte ich in Träumen,
in wundermilden Blüten, Sternenbäumen,
bei Vögeln, deren Singen heilig ist.

Zwei Schmetterlinge unsre Lippen waren,
sich zart berührend,doch auch frischer Quell,
ließ spritzig leicht der Liebe Kraft erfahren.
Was dunkel quälte, wich dem Glücke hell.

Auf sanftem, lichtdurchwirkten Vliese,
geborgen, lieberfüllt umschlungen,
ist selig uns im Duft der Sommerwiese
der ersten Liebe Lerchenlied erklungen.

Ingrid Drewing

Dazwischen

E in Mensch, ein Mensch,
ein Gegenstand,
ein andrer hält ihn
in der Hand.
Ein Mensch hält Menschen
an der Hand;
die Hand hält
einen Gegenstand.
Es stöhnt in einer Hand,
verbannt,
ein Mensch
nach Luft und Licht
und Raum.
Es lächelt,weint
ein Mensch
im Zaum.
Ingrid Drewing

Frühlingsgedanken

Ich sag‘ dem Winter schon Adieu,
blickt er auch noch so kühl;
und zauber mir in mein Milieu
ein Frühlingsglücksgefühl.

Mit Blumen,die in Töpfen sprießen,
auf meiner Fensterbank,
die Luft mit Düften mir versüßen
und Blütenpracht zum Dank.

Dazu erklingen sanfte Weisen
in zartem Harfenton.
So hält der Frühling Einzug, leise,
besteigt des Winters Thron .

Ingrid Drewing

Wintermorgen

Aufgang der Sonne, Farben schwingen,
rotgoldne Töne, abgestuft;
des Winters Nebelgrau durchdringen

die Strahlenspeere,Morgen ruft.

Die Vögel, die zu Haus geblieben,
das Amselpaar,die flinken Meisen
am Vogelhäuschen zwitschernd stieben,
sich flatternd um das Futter reißen.

Am Fenster steh‘ ich, seh‘ beglückt,
hier lächelt sich ein Tag ins Leben,
der mich beim Anblick schon entzückt.
Was kann es morgens Schön’res geben?

Ingrid Drewing

Eurydices Antwort

Dein Lied ,Orfeu ,das in sanften Tönen

der Sonne Licht in meinen Morgen bringt,

erweckt die Freude ,schenkt die wunderschönen,

erträumten Bilder, und die Seele singt.


Dem Vogel gleich erhebt sie ihre Schwingen,

erbebt und fliegt im Glück der Harmonie

in Sphären dieser Welt , die himmlisch klingen,

lebendig , eine Liebessinfonie.

Ingrid Drewing

Anmerkungen von Ingrid Drewing zum Gedicht:

In dem wundervollen Film ORFEU NEGRO von Marcel Camus
singt Orfeu auf einem Hügel über Rio de Janeiro
bei Sonnenaufgang ein wunderschönes Lied, das er sich ausgedacht hat, und gewinnt Eurydices Liebe.In diesem Film, der zur Karnevalszeit spielt, wird das Motiv von Orpheus und Eurydike abgewandelt verarbeitet.Dieser
Film inspirierte mich zu diesem Gedicht.

Mein Wiesbaden

Wo der Rhein sich neigt,
um eine Weile westwärts hinzuströmen,
dort liegst du ,meine Stadt,
am Taunushang verzweigt,
und lässt von Sonne dich verwöhnen.

Du schaust nach Süden,
deine Luft und dein Lächeln sind mild.
Deiner Quellen wärmende Kraft
hat schon viele Leiden gestillt.

Und deine Wiesen und Wälder,
erfüllt von lichtem Grün,
säumen Hügel und Felder,
bewacht von Burgen kühn.

Zwar bist du auch schöne Mondäne,
stolzierst auf der Rue gern im Nerz.
Doch nicht nur im Vorortdirndl
zeigst du ganz offen dein Herz.

Zu musikalischen Festen,
im Mai mit Magnolien im Arm,
empfängst du strahlend Gäste
im Fin de Siècle -Charme.

Auch mich hältst du umfangen
mit deinem Liebesblick.
Wohin ich auch gegangen,
ich sehnte mich zurück.

Ingrid Drewing

Deine Liebe

Und deiner Stimme dunkelwarmer Ton

umfing mein Ohr und auch mein Herz,

tief samten zog ein Rausch von rotem Mohn

mich ganz zu dir und trug mich himmelwärts.


In deinen Armen liebevoll geborgen,

ist mir mein Leben neu erwacht

an einem zärtlich sanften Morgen,

der mir dein Lächeln als Geschenk gebracht.

Ingrid Drewing

Fluss am Abend

Wie still der Fluss, in Schnee gebettet,

im Abendschein dort träge fließt.

Aus Eis die Schollen, klein geplättet,

bedecken ihn als schuppig Vlies.


Zum Drachenschweif, in mildem Feuer,

verwandelt ihn das Abendrot;

bis dann die Schattenungeheuer

der Nacht ihn fangen, sternumloht.

Ingrid Drewing