Kriegstreiber

Krieg,2014

Noch immer nichts gelernt aus der Geschichte!
Ja, provoziert, gezündelt wird, auch Krieg
noch kühl geplant für manchen falschen Sieg,
der Menschenleben achtlos macht zunichte.

Da spielen sich auf mächtig als Despoten,
Anführer, die man arglos hat gewählt,
weil sie verhießen, was die Wirtschaft stählt,
und seien es moralisch auch Idioten.

Und wieder hörst du sie im Gleichschritt gehen,
Soldaten, die nur folgen dem Befehl;
der Tod ist auf dem Marsch, man’s gern verhehl‘.
Wie gern möcht‘ mancher doch noch widerstehen!

Wofür das alles, dies Bekriegen, Töten,
da es doch nur der Reichen Pfründen gilt?
Der Kriegsgewinnler sich die Taschen füllt,
indessen bleibt des Volkes Rest in Nöten.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Verbunden

seinebru%cc%88cke_oVerwoben sind wohl aller Menschen Leben,
die Freud des Einen und des Andern Leid.
Was wir gestalten, wie wir handeln, geben,
verbindet miteinander, prägt die Zeit.

Und auch vergangner Völker sanfte Spuren
betreffen heute noch der Tage Lauf.
Wir glauben zwar, es schlügen nur die Uhren,
die wir hier ziehen eigenhändig auf.

Jedoch uns nährt des Lebens ew’ge Quelle
und viele Wege, die beschritten sind,
erscheinen uns als eine neue Stelle,
so wie ein Sprechender die Sprache find’.

Die Sprache, worin unser Denken schwingt,
wir prägen sie und fügen Deutung zu.
Jedoch in jedem Wort, das uns erklingt,
besingt das Leben auch ein fernes Du.

So wie das Licht der Sterne, die verglühten,
noch immer in den Nächten zu uns dringt,
erleben wir, was lange vor uns blühte,
weil es in dieses Daseins Tiefen schwingt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Mein Wiesbaden II

Jahrtausende schon sprudeln deine Quellen,
„Aquis Mattiacis“, zur Römerzeit
bekannt die Thermen, sechsundzwanzig Stellen
halten noch heute Wasser heiß bereit.

Im Mittelalter warst du „wisibada“;
Bad in den Wiesen, vielleicht kleine Stadt.
Man darf vermuten, dass von fern und nah da,
wer konnte, kam und hier gebadet hat.

Mit Einwohnern, fünftausend, mein Wiesbaden,
warst Nassaus Hauptstadt im Großherzogtum.
Das Biebricher, das Stadtschloss seiner Gnaden
künden davon sowie der Landesdom.

„Weltkurstadt“ wurdest du genannt, Wiesbaden,
ab achtzehnhundertvierzig ward es laut.
Es fühlten sich viel Gäste eingeladen,
nachdem die Bahn nach Frankfurt war gebaut.

Nun ging’s bequemer, in der Welt zu reisen,
das Kuren in den Bädern war en vogue.
Die Gunst und Kunst wohl konntest du erweisen,
auch manchem Spieler, der sich selbst betrog.

Als man in Deutschland wilhelminisch wurde,
entdeckte Kaiser Wilhelm dich als Stadt,
ließ bauen hier, wo er ausgiebig kurte,
dir damals neuen Glanz verliehen hat.

Gesellschaftsmittelpunkt durftest du werden.
Was Rang und Namen hatte, fand sich ein.
Wo Goethe, Dostojewski einst verkehrten,
wollt‘ nahe man dem Kaiser nun gern sein.

„Nizza des Nordens“ wurdest du, Mondäne,
von Parks und Villen, Kunst, Kultur umkränzt.
Dein Wohlstand wuchs zu dieser Zeit, ich wähne,
auch für die „kleinen Leute“ hat’s geglänzt.

Dann nach zwei Kriegen war dies Bild verschwunden.
Doch blieb erhalten dir viel Bausubstanz
in Vierteln, Parkanlagen, die bekunden
im Stil des Historismus alten Glanz.

Du wurdest Landeshauptstadt hier von Hessen;
die Siegermacht neu teilte auf und ein.
Als Stammsitz der Besatzung, kann’s ermessen,
das „ Weiße Haus“ am Park lud dazu ein.

Du hast dich gut erholt, der Krieg liegt ferne.
Ich fühl‘ mich wohl, in dir, du grüne Stadt,
denn du bewahrst auch schön, obwohl moderne,
was uns Geschichte noch zu sagen hat.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Unbelehrbar ?

Wir, die wir alt, erfahren sind,
erlebten vieles, haben auch erkannt,
des Lebens Honig glänzt hell in den Waben;
uns treibt nun keine Hast mehr über Land.

Versunken in den Traum der alten Lieder,
erfühlen wir so manchen neuen Tag
und fragen uns, warum man immer wieder
die gleichen Fehler wiederholen mag.

Die Lehren, die wir könnten hier verkünden,
sind für die Jungen abgelegte Kleider.
Sie machen ihre eignen Fehler, Sünden
und haben doch wie wir die gleichen Schneider.

So zeigt auch leider der Geschichte Spur,
wie unbelehrbar menschliche Natur.

Ingrid Herta Drewing