Sinn und Sage

Und Worte klingen sanft aus alten Sagen,
ein fremder Zauber wird mir offenbar.
Die Lieder singen von vergang’nen Tagen
und einer Welt, die gänzlich anders war.

Doch vieles gleicht sich, denn des Menschen Leben
kennt heute so wie damals Freud und Leid.
In Liebe glücklich wie auf Wolken schweben,
die Treue, das Vertrauen im Geleit.

Auch die Gefahren, die noch immer drohen,
die Krankheiten,der Krieg, die Not, der Tod.
Nichts kann bewahren dauerhaft vor rohen,
gemeinen Seiten, falschem Sieggebot.

Nur hin und wieder eine Friedenszeit
trägt rosenschön der Hoffnung helles Kleid.

© Ingrid Herta Drewing

Nachrichten

Sehnsucht nach Frieden!
Der Hunger, der Tod Alltag,
nicht endendes Leid.

Des Krieges Fratze
schreit in der Syrer Gesicht.
Wann wird dort Frieden?

© Ingrid Herta Drewing

Eremit

Vergebens manchen Weg beschritten,
getragen nutzlos schwere Last,
doch was du auch erfahren hast,
du fandest immer deine Mitte,
warst gerne hier der Erde Gast.

Beglückt hat dich Natur, ihr Weben
am Meer, in Bergen, Wäldern, Wiesen,
an Bächen, Flüssen; brausend, fließend,
so liebtest du es, dieses Leben,
verstandest es, still zu genießen.

Man liebte dich, dein freundlich Wesen
nahm schnell die Menschen für dich ein.
Darum warst du fast nie allein,
obschon du ’s manchmal gern gewesen
in deinem turbulenten Sein.

Doch als dann Stille dich umfing,
da war ’s, als sollt’ ein Licht verglimmen;
du sehntest dich nach lieben Stimmen,
der Kinder Blick, der an dir hing.
Neu musstest du dein Leben trimmen.

Und fandest einsam in der Klause
den sanften Ton, das helle Lied,
ein weises Sinnen; dein Gemüt,
es ruhte in sich, kam nach Hause,
dorthin, wo alle Liebe blüht.

© Ingrid Herta Drewing

Zu Edvard Munchs Gemälde“Der Schrei“

Du hast erfühlt
die Angst, die Qualen,
die sich entladen
in dem Schreckensschrei.
Die Leere,
hier in diesen Blick sich malend,
wird tausendfach
als furchtbar Echo neu.
Das dann in Wellen
in die Weite gellt.
Und hilflos schreit
das Leid
der ganzen Welt.

Ingrid Herta Drewing

Rückblick

Dein Haar gelichtet, ja nun bist du alt.
Dir scheint’s, als sei das plötzlich so gekommen.
Der Ruf, der dir ertönte, stets verhallt’,
du hörtest nicht, obwohl du ihn vernommen.

Nun stehst du hier vor deines Lebens Ende.
Verwundert immer noch die Blicke streifen;
erwartungsvoll hältst du die bleichen Hände,
versuchst dies Erdenleben zu begreifen.

Und fühlst die Fülle der vergangnen Jahre,
geprägt von Freud und Leid und auch dem wahren
Bemühen, aufrecht deinen Weg zu gehen.

Erinnernd siehst du froh, jetzt auch im Klaren,
dass die erkämpften Siege, jene raren,
dir halfen, dieses Leben zu bestehen.

Ingrid Herta Drewing