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Gesang der Amsel

Mag singen auch die Nachtigall
ihr wunderschönes Lied;
zu selten ist das hier der Fall.
Doch Amselsang schallt überall,
weil sie die Stadt nicht flieht.

Hoch auf dem Dachfirst, auf Antennen,
in Wipfeln hoher Bäume
lässt sie ihr Flötenlied erkennen
und kann sich erst, wenn ’s dunkelt, trennen.
Ihr Wohlgesang weckt Träume.

Mir scheint es fast, als wolle sie
sich selbst an ihrem Klang berauschen,
vielfältig in der Melodie,
Tonfolgen reich an Harmonie
und ein Pausieren, um zu lauschen.

Da darf die Ringeltaube dann
den Brummbass dazu geben.
Sie kommt nur guttural voran,
und ihre Stimme, wenn sie kann,
wird rhythmisch, tief erbeben.

© Ingrid Herta Drewing

Frühlingsgeschenk

Ein leichter Wind bewegt der Bäume Zweige
und um mich fächelt nun der süße Duft
der Blüten, die in zartem, weißem Reigen
zum Himmel tanzen in der Sonnenluft.

Und an der Vogeltränke Spatzen stieben;
sie fliegen auf und kommen flugs auch wieder.
Zum Bade zieht es sie, was sie wohl lieben.
Possierlich schütteln sie ihr nass’ Gefieder.

Das Rotkehlchen sitzt hoch im Wipfel, singt.
Vom Dachfirst schallt der Amsel schöne Weise.
Der Bach, der durch die Wiese fließt, er klingt
so sprudelnd hell, befreit vom starren Eise.

Es schenkt der Frühling wieder neuen Klang;
und freudig stimm‘ ich ein in den Gesang.

© Ingrid Herta Drewing