Bei Regen im Zelt

Im Zelt, wenn’s draußen regnet sacht,

fühlt man sich wohl geborgen,

als habe wer ein Nest gemacht,

hielt’ fern von uns die Sorgen.


Das Lied, das Regentropfen singen,

ist eine alte Weise,

auch wenn sie klopfen, wenig klingen,

vibriert die Plane leise.


Tönt :Klopf, klopf! Klopf, klopf! Klopf, klopf, klopf!

Wir Tropfen fallen runter,

doch treffen wir nicht deinen Kopf,

schlupfst unters Dach du munter.


Doch wehe, wenn wer tapsig ist,

die Plane fest befingert,

er bald nach einer kurzen Frist

in Wasserpfützen schlingert.

Ingrid Drewing

Sommernacht

Ein gelber, großer Mond

hängt in des Kirschbaums Zweigen,

wo er als König thront;

man möchte sich verneigen.


Dem Zauber zart erlegen,

der diese Stunde bannt,

fühl ich des Sommers Segen

sanft liegen überm Land.


Und träume meine Lieder.

In dieser lauen Nacht

schlüpf’ ich ins Mohngefieder,

ein Sternentraum erwacht.

Ingrid Drewing

Sommerabend

Es weht ein milder Abendwind,

vertreibt die dumpfe Schwüle.

Jetzt sitzt im Freien man so lind,

genießend, Wohlgefühle.

Ein gutes Buch, ein netter Plausch,

der Amsel süße Sänge;

ein guter Trunk im Blütenrausch

verschönt des Tages Länge.


Und dann im Glanz die Sternennacht

lädt ein zu sanftem Träumen.

Gern weilt man, bis der Tag erwacht

dort unter Sommerbäumen.

Ingrid Drewing

Steinmauer

Gespalten und zum Teil zerbrochen

liegt hier geschichtet Stein auf Stein,

gemeinsam bildend eine Mauer,

bizarr in ihrem grauen Sein.


Und Klüfte tun sich auf und Nischen,

in welchen wächst auf wenig Erde

der Ginster, und sich hier vermischen

Vergangenes und neues Werden.


Der Stein ,noch vor Millionen Jahren

als Sand gelagert tief im Meer,

so alt, hat vieles schon erfahren,

Vergehen und Entstehen hehr.


Nun ist er hier Teil dieser Mauer,

die einer Wiese Fassung gibt,

vielleicht auch Bank für kurze Dauer

dem Wanderer, der Ginster liebt.

Ingrid Drewing

Sommer

Das Sommerhuhn sitzt überm Land,

wir fühlen es als Schwüle.

Es sinkt im Fluss der Wasserstand.

Der Mensch liebt nun das Kühle.

Die Eisverkäufer können strahlen,

gut gehen die Geschäfte.

Der Kürschner müsste da schon prahlen,

entlässt nun Arbeitskräfte.


Und Ferienzeit, der Kinder Glück,

sie spielen, träumen, baden

im nahen See, mit freiem Blick,

Natur hat eingeladen.


Doch wer noch schwere Arbeit hat,

beklagt die schwüle Hitze,

hängt abends in den Seilen matt;

kühl Duschen ist dann spitze.

Ingrid Drewing

Orte der Erinnerung

Zwischen Buchs und Malvenhecken

spielten früher wir Verstecken,

freudig aufgeregt.

Heute, noch bewegt,

folge ich den Kindheitswegen,

träume von der Zeit, dem Segen,

liebevoll gehegt


Und am Tor, dort in die Linde,

schnittest du tief in die Rinde

unser Zeichen ein,

sollt’ für immer sein.

Ja, das Herz, es ist geblieben,

aber unser beider Lieben

passte nimmer rein.


Jetzt noch rührt mich leises Schauern

und der Wehmut zartes Trauern,

fühl noch deinen Kuss,

als ein fernes Muss

uns das Abschied nehmen lehrte.

Nähe, die wir so begehrten

fand hier ihren Schluss.

Ingrid Drewing

Ein Liebesbrief

Ach bitte, buchstabier mir Liebe!

Dies Wort, es klingt so schön von dir.

Ich wüsste gar zu gern, was bliebe,

wenn ich dir diesen Brief nun schriebe,

was du hernach dann denkst von mir.


Vielleicht blieb’ Liebe nur ein Wort,

das wandelt zwischen Lippen, Zeilen,

verwünscht an einen andern Ort,

sich stehlend aus dem Herzen fort,

wo sie doch zärtlich sollte weilen.


L ässt Liebe sich so buchstabieren?

I nnig , mein Liebster, lieb ich dich!

E in Herz nur hab ich zu verlieren.

B itte, magst du es deponieren,

E wig sein Platz, dein Herz für mich.

Ingrid Drewing

Nacht auf dem Lande

Wie still die Nacht im Lande ruht,

nur Uhren gehn spazieren.

Du hörst den eignen Herzschlag gut,

kannst Leben buchstabieren.


Kein Hupkonzert, kein lauter Ruf!

Hier schläft die Welt in Frieden.

Das Klackern eines Pferdehufs

fehlt ebenso hienieden.

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Magst sammeln dich in solcher Nacht

und zählst am Himmel Sterne,

denkst an die laute Großstadtmacht,

dies Leben in der Ferne.

Ingrid Drewing

Sommernostalgie

Oh sing mir Wind! Sing in den Wiesen

dein Lied, die Gräser flirren lind,

den Sonnenmittag zu begrüßen!

Der Lerche Sang, dem hellen süßen,

lauschte ich träumend schon als Kind.


Aus Wiesenblumen einen Kranz

flocht ich, trug ihn als Krone, Zier.

Und Elfen luden mich zum Tanz,

vor Glück war ich benommen ganz

im Spiel der Phantasie mit mir.


Oh sing mir Wind die alten Lieder!

Ein süßes Weh mein Herz bewegt,

lausch längst vergangnen Klängen wieder

und lass’ mich sanft im Grase nieder,

erfühle, was ich einst gehegt.

Ingrid Drewing

Abendstimmung

Der Sonne mildes Abendlicht

strahlt golden, gönnt dem Tag nun Ruh,

der Wolken Schleier werden dicht

und ziehen still den Vorhang zu.


Die Vögel singen leise Lieder,

bis auch der letzte Ton verklingt,

der Amsel Solo, die im Flieder

zart ihre Serenade bringt.


Noch traulich sitzt dort auf der Laube

ein altes Ringeltaubenpaar,

putzt sein Gefieder frei vom Staube,

fährt sorgsam durch das Federhaar.


Im Abendwind ein leises Rauschen,

fast flüsternd, durch die Bäume weht.

Andächtig sitze ich und lausche,

wie sanft ein Tag zur Neige geht.

Ingrid Drewing