Sonntag am See

Du mit deinen Sternenhänden,

Amberbaum, im grünen Licht,

kannst mir schattig Ruhe spenden,

sticht mich hier die Sonne nicht.


Unter deinen frischen Zweigen

lieg ich träumend da im Klee,

blicke, ohne mich zu neigen,

auf den nahen , blauen See.


Wo zwei kleine Segelboote

kreuzen weiß und schnell im Wind.

Standhaft bleiben sie im Lote,

eines nun an Fahrt gewinnt.


Doch das zweite folgt, im Tanze

scheinen beide dort zu sein,

in der Sonne hellem Glanze

auf dem See, im Blau, allein

Ingrid Drewing

Apriljuni

Dieser Juni spielt April,

Wetterkapriolen.

Mal zeigt er sich kalt, dann will

Sonnenbrand er holen.


Gehst du ohne Schirm, wird’s nass,

prasseln Wolkenbrüche,

oder’s Sonnenbutterfass

macht die Wetterküche.


Deckst im Garten du den Tisch,

liebst die Luft im Freien,

holt’s der Wind mit einem Wisch,

nichts kann dort gedeihen.


Nun, was soll’s, wir können nicht

unser Wetter machen,

doch ein fröhliches Gesicht,

lasst uns drüber lachen!

Ingrid Drewing

KLimakatastrophe

Des Regens leichte Tropfen fallen,

erreichen nicht das trock’ne Land,

verdunsten in der Luft, und allen

bleibt Sehnsucht nach des Regens Stand.


Seit Jahren brennt hier Sonne, Hitze,

lähmt trocken, tückisch Mensch und Tier.

Die Milch aus dürrer Ziegen Zitzen

reicht kaum noch für das Leben hier.


Kein Regentanz wirkt, der Schamane

hat längst die Trommel weggestellt.

Vielleicht hilft Beten zu den Ahnen

um Wasser , das im Brunnen hält.


Jedoch nur Staub bewölkt die Wege,

der Sandsturm hat ihn mitgebracht.

Am leeren Flussbett bleiche Stege

wie fahle Knochen in der Nacht.


Dann endlich, Wolken, schwarz und groß!

Es blitzt und donnert, und es braust.

Jetzt ist im Dorf die Hölle los,

als Wasser wild vom Himmel saust.


Es füllen Brunnen sich, und Flüsse

ergießen sich in schneller Flut.

Doch ist es Trug, wer glaubt, nun müsse

das Leben lachen, Geld und Gut.


Denn nun, im Übermaß verheerend,

stürzt diese Flut erneut in Not.

Was so ersehnt, Leben bescherend,

reißt brüllend viele in den Tod.


Da sitzen sie, die letzte Habe

verschwand in wilden Wasserwogen;

zum Trost gibt’s Spenden, die als Gabe

zur Lebensrettung eingeflogen.


Und stumm, nur ihre Tränen rinnen,

strecken sie zaghaft ihre Hand

nach Hilfe, sorgendem Beginnen

in ihrem leidgeprüften Land.

Ingrid Drewing

Sonnentag

Ein Tag so hell, als habe man die Welt

geradewegs aus einem Ei gepellt,

so klar und rein, so frisch und mild die Luft

und reich erfüllt mit süßer Blüten Duft.

Der Himmel weit, erglänzt in zartem Blau,

in grünem Kleide grüßen Wald und Au.

Der Mensch, befreit, genießt den schönen Tag,

die gute Zeit, vergisst nun Müh und Plag.

Ingrid Drewing

Frühsommer

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Die Luft zart seidig, und Jasmin

verströmt berauschend süßen Duft.

Ich fühle, wie der Sommer ruft,

und sehe seine Blumen blühn.


Der Klatschmohn zündet rote Feuer

im Grün der Wiesenwogen an,

erweist sich jedes Jahr als treuer

Gespiele und als Malersmann.


Auch Klee mit rosa ,weißen Mützen

streckt keck das Köpfchen in die Höh’,

das Bienenvolk zu unterstützen,

das summend sucht in seiner Näh’.


Die Grille zirpt und Vögel singen;

die Jungen, flügge, halten Schritt.

Die ganze Welt scheint heut zu klingen,

strahlt hell im Sonnenscheine mit.

Ingrid Drewing

Wolkenbild

Hoch steht die Wolke überm Haus,

schneeweiß, so flauschig hell wie Watte.

Als lugt es aus den Federn raus,

grüßt freundlich, ziegelrot das Haus,

im Hintergrund das Blau, das satte.


Die Wolke nur für eine Weile

des Malers Blick gefangen nimmt,

dann wird sie schnell durch Windes Eile

als Zeichen einer neuen Zeile

in eine andre Form getrimmt.


Zieht weiter, würde ganz verschwinden,

gäb’s nicht dies Bild, das sie gebannt.

Ein Augenblick und ein Empfinden,

Natur und Mensch sich hier verbinden

in Kunst,ein Lebensunterpfand.

Ingrid Drewing

Wanderung

Wolkentag,

verstummend im Grau.

Verschlungen der Pfad

bergauf.

Kein Sonnenfinger,

kein Zephir

streicheln die Wange,

kräuseln das Wasser

des Sees,

flüstern zärtlich.

Nur

Wetterfichten im Nebel,

zerzaust.

Aber

im Sternenmantel die Nacht

hüllt mich ein,

und ein Feuer grüßt hell

in der Hütte.

Ingrid Drewing

Vollmondnacht

Gleich den grünen Efeuranken

winden sich in mir Gedanken

nächtens aufwärts hin.

Mag doch schlafen wie die Braven,

doch mir fehlt der Sinn.

Vollmond schaut mit großen Augen,

hält sehr lange aus.

Wie soll ich zum Schlafe taugen,

wenn er schleicht ins Haus?


Sagt: “Zieh’ mit mir, geh und reise,

ich zeig dir den Weg!“

Steh ich auf und gehe leise

auf den nahen Steg.


Höre dort die Frösche quaken,

toll vom Silberlicht.

Ja, sie können auch nicht schlafen!

Schuld des Mondgesichts.

Ingrid Drewing

Sonnentag

Ein Tag so hell, als habe man die Welt

geradewegs aus einem Ei gepellt,

so klar und rein, so frisch und mild die Luft

und reich erfüllt mit süßer Blüten Duft.

Der Himmel weit, erglänzt in zartem Blau,

in grünem Kleide grüßen Wald und Au.

Der Mensch, befreit, genießt den schönen Tag,

die gute Zeit, vergisst nun Müh und Plag.

Ingrid Drewing

Wind

Der Wind malt stürmisch seine Zeichen

für kurze Zeit in Baum und Strauch.

Bewegte Luft kann viel erreichen,

wir fühlen diese Wirkung auch.


Er blättert wild in unsren Büchern,

verschlägt die Seiten unerlaubt,

entfernt von Wäscheleinen Tücher,

und Hüte gar zu gern er raubt.


Nun, all dies kann mich nicht verdrießen,

sorgt er doch auch für frische Luft,

lässt uns die Sonne so genießen,

verbreitet weithin Blütenduft.


Fast jedes Ding hat ja zwei Seiten,

man nimmt die schlechte mit der schönen.

Das, was uns Freude kann bereiten,

wird uns mit Traurigem versöhnen

Ingrid Drewing