Zeiterscheinung

Jetzt kommt die Zeit, da Männer grillen,

und Frauen im Bikini gehn,

mit großen, schwarzen Sonnenbrillen

begeistert in die Gegend sehn.


Verbrannter Fleischgeruch, der über

den hellen, grünen Gärten schwebt.

Gelächter brandet laut herüber,

man trinkt beschwingt sein Bier und lebt.


Am Lagerfeuer wie die Ahnen

versammelt sich die traute Schar,

und digital wähnt der Schamane

den Börsenkurs fürs Beutejahr.

Ingrid Drewing

Morgens

Tau, klare Perle

auf einem Huflattichblatt,

Geschenk des Tages

Ingrid Drewing

Liebesgesang

Jetzt singen alle von der Liebe,

wen wundert’s, Vögel tun es auch.

Die maiengrünen Hoffnungstriebe

bindet nicht nur des Maibaums Brauch.


Ein neues Werden lässt vergangen

die Trauer und den Kummer sein,

und scheues, zärtliches Verlangen

lädt uns in helle Zukunft ein.


So wachsen Liebe und Vertrauen

mit sehnsuchtsvoller frischer Kraft.

Dem Leben in die Augen schauen,

lehrt uns der Frühling, froh er schafft.

Ingrid Drewing

Frühlingsgewitter

Schwül hängt der Tag in seiner Matte,

gar grau zieht er den Vorhang zu.

Gewitterwolken, regensatte,

jetzt türmen sich hoch auf im Nu.


Wild wettert Sturmwind in den Bäumen,

Jungvögel zittern bang im Nest,

wenn er zerstört die Blütenträume,

mutwillig tobend im Geäst.


Und finster wird es, Donnergrollen,

erst fern, dann blitzt es, und es kracht,

Die Regenmassen nun anrollen,

der Tag gleicht einer Höllennacht.


Geschützt die Kinder sind im Hause,

geborgen in der Eltern Arm;

tobt draußen auch des Sturms Gebrause,

hier fühlen sie sich sicher, warm.


Zwei Stunden währt das schlimme Wetter,

dann klart es auf, die Sonne spricht

aufheiternd zu dem Tag, der netter,

nun strahlend schließt im Abendlicht.

Ingrid Drewing

Nachts unterwegs

Das Fernlicht greift tief in die Nacht,

sucht sich der Straße Band.

Die Nebelgeister sind erwacht

und streifen über Land.


Sie springen rasend wild und kommen

in grauem Rauch schnell auf mich zu,

im Lichte schemenhaft verschwommen.

Ich hör sie leise flüstern :“Du


Menschlein klein, meide die Heide,

halte dich fern vom dunklen Moor.

Wir führen Lämmer auf die Weide,

gar viele sind’s, die man verlor!“


Mein Schaudern kommt mir seltsam vor,

muss an von Droste denken.

Ihr Knabe geistert hier im Moor

und stört mich schier beim Lenken.


Da endlich! Häuser sind in Sicht

und freundliche Laternen.

Hier stören Nebelgeister nicht;

Am Himmel funkeln Sterne.

Ingrid Drewing

Rose

Du zarte Rose, rosa und so lind,

in deinem süßen Duft ich wieder find

des hellen Frühlingstages Lebenslicht,

und deine Blüte, wortlos, ist Gedicht.


Hier hat des Schöpfers Liebespoesie

dein Lächeln zärtlich leicht ins Grün geschrieben,

und wer dich anschaut, spürt sie die Magie,

verzaubert wird er, dich ersehnend, lieben.


Weil alles Schöne, das auf dieser Welt

das Herz uns öffnet und betört den Sinn,

uns tief beglückt, bewegt und so gefällt,

auch endlich ist, uns reicht den Spiegel hin.


So sehe ich dich, Rose, rosa schön,

entfalten in der lieblichen Gestalt,

doch welken auch in sterbendem Vergehen.

Und dennoch bleibt in mir dein Bild bestehen;

mein Leben wird für dich zum Aufenthalt.


Ingrid Drewing

Nach dem Regen

Der Strahl der Sonne
durchdringt die graue Wolke,
tanzt auf den Blüten.
* * *
Blaues Himmelstuch
breitet allmählich sich aus,
wischt die Wolken weg.
* * *
Vom Baume tropft es
sacht in die Vogeltränke,
Synkopenmusik .
Ingrid Drewing

Morgen

Tau , klare Perle

auf einem Huflattichblatt,

Geschenk des Tages.

ID

Elfennacht

Der Mond erweckt sanft, silberhell

zum Tanz die Glockenblumenwiese.

Aus jedem Glöckchen schlüpft nun schnell

ein Elfenkind, um bei der süßen

Musik der Maienmitternacht

zu singen und zu tanzen sacht.


Die Grillen stimmen ihre Geigen,

die Nachtigall ihr Stimmchen schwingt,

und Elfen sammeln sich zum Reigen,

am Bach geheimnisvoll es klingt.

Die Wassernixen murmeln dort

im Plätscherplausch manch Zauberwort.


Am Waldesrande in den Linden

erwacht ein Rauschen wunderbar,

es gleitet zart auf milden Winden

heran das Elfenkönigspaar.

Als sie hinab zur Wiese schweben,

Grasharfen süß und leise beben.


Und nun im Mondstrahl, treu begleitet,

gefolgt von lichter Elfenschar,

das holde Paar zum Tanze schreitet,

ein Schimmern, Leuchten, sternenklar.

In Königsblau flugs die Libellen

das Schleppentragen lieb bestellen.


Das jubelt, jauchzet in den Lüften

in dieser Frühlingsnacht im Mai.

Ich lausche, trunken von den Düften,

schaue erstaunt, frag’ mich, was sei.

Noch als ich aus dem Traum erwach’,

hör ich ein Elfenkind, das lacht.


War all dies nur ein Vollmondscherz?

Doch wer brachte das Lindenherz,

das grün dort liegt auf meinem Kissen?

Ich möchte es so gerne wissen!

Das Lindenblatt, ich werd’ es pressen,

das Traumerlebnis nie vergessen.

Ingrid Drewing

Bärli und Brummel

Bärli saß am Waldesrand,

als sein Bruder kam gerannt,

um zu raufen und zu spielen

Bärli musste dabei fühlen,

dass der Brummel stärker war,

und das ärgerte ihn gar.

Deshalb kam der starke Regen

ihm jetzt wirklich sehr gelegen,

denn nun war sie schnell vorbei,

die Geschwisterrauferei.

Und als Bärli war allein,

überlegte er, wie fein

er dem Brummel mache klar,

dass er, Bärli, auch wer war.

Jäger hatten nun seit Tagen

dort ihr Lager aufgeschlagen,

wo der Wildbach in der Klamm

stürzt herab von Berges Kamm.

Am Abend, als schon alles tief

in der Bärenhöhle schlief,

weckte Bärli Brummel auf,

erzählte von dem Lagerfeuer

der Jäger und, dass er nun heuer

hingehn wolle unverhohlen,

um sich von dem Obst zu holen,

das man dort in Körben hätte.

Er sei mutig, und er wette,

Brummel traue sich das nie,

er bekomme weiche Knie.

Brummel sagte:“Sei nicht dummm!

Lass das!“,drehte sich dann um,

wollte endlich wieder ruhn,

aber unser Bärli nun,

wollte es tatsächlich tun.

Und eh Brummel sich versah,

war der Bärli nicht mehr da.

Doch das kümmert’ Brummel sehr,

er lief Bärli hinterher.


Und Bärli, wirklich ohne Bangen,

war zum Lager hingegangen.

Als ihn dort ein Jäger sah,

sagte der leis’:“Schaut mal da!

Dort das Bärenjunge klein

locken wir ins Lager rein,

fangen’s und verkaufen’s so

in der Stadt an einen Zoo.“

Sie stellten Äpfel, Honig hin

Und lockten so des Bärlis Sinn.

Und unser Bärli, noch so klein,

fiel auf diesen Trick herein.

Gesagt, getan mit einem Netz

wurde Bärli festgesetzt.

Er brummte, jammerte, dass bald

sein Klagen durch den Wald erschallt.

Dem Brummel war so nicht entgangen,

dass sein Bruder ward gefangen.

Er weckte Bärenmutter schnell,

sie rasten hin zu jener Stell,

wo sie hörten Bärli klagen,

um die Jäger zu verjagen.

Die rannten, ängstlich, aufgeschreckt,

ganz schnell und ohne Flinten weg.

Brummel und Mama konnten fein

ihr Bärli aus dem Netz befrein.

Als in der Höhle sie zurück,

war auch der Brummel voller Glück.

Und Bärli,der noch etwas matt,

war froh, dass er den Brummel hat

und dass der stärker ist als er,

das störte ihn nun gar nicht mehr.

Ein großer Bruder bei Gefahr

bedeutet Schutz, sieht er nun klar!