Im Vorgarten

Ein filigranes Weihnachtsherz
hängt golden dort noch in den Zweigen

der kleinen Tanne; sie verschmerzt
der Christtagsfreude hellen Reigen.

Ich mag den Schmuck noch nicht entfernen,
glänzt er doch gar zu schön.
sonst ist’s hier grau, denn auch die Sterne
kann man jetzt nachts nicht sehn.

Ein Weilchen werd‘ ich es belassen
und mich daran erfreun;
dann schütze ich ’s vor dem Verblassen
in der Erinnerung Schrein.

Ingrid Drewing

Sehnsuchtsmalerei

Im blauen Schnee geboren,
gewiegt im Wintertraum,
schien alles dir verloren,
was fern der Berge Raum.

Doch konntest du dein Sehnen,
so farbig wie den Sinn,
an Jugendträume lehnen,
maltest dein Schauen hin.

Die Heimat, die verlassen,
vertrieben du im Krieg ,
sie musste nie verblassen.
Gemalt hat sie gesiegt.

Ingrid Drewing

Tierisches

Muscheln

Im Meere lagen mies die Muscheln.
Sie hatten wieder fies zu tuscheln
über Austern ,deren Kerle,
die seien aus nur auf die Perle.
Doch weil Muscheln meistens nuscheln,
hört ja niemand , was sie tuscheln.

Fliegen

Zwei Fliegen saßen ganz verdutzt
auf einem Tisch, der frisch geputzt.
War er doch grade noch verschmutzt
mit Mus, das sie so gern verputzt.

Warum heißen Fliegen Fliegen,
da sie doch auch sitzen, liegen ?
Wäre es nicht auch spitze,
man nennt die Fliege „Sitze“?

Ingrid Drewing

Frühlingsgewissheit

Die Erde traurig , blassgesichtig,
im Nebelschleier blickt nur matt;
den Schneepelz hat der Tauwind,flüchtig,
ihr kühn geraubt, des Winters satt.

Und ihre goldne Herbstesrobe,
verwirkt, schwarzbraun sie welk umweht.
Es fehlt ihr wirklich an Garderobe,
im Bettelkleid sie vor uns steht.

Jedoch , sie gibt sich nicht geschlagen.
Schon regt sich ihre Knospenkraft.
Wird sie doch bald an klaren Tagen
uns zeigen , was sie wirkend schafft.

Dort, wo jetzt Gräser stumm vergehen,
die Bäume schwarz ins Graue greifen ,
wird sie in lindem Grün erstehen
und strahlend in den Himmel sehen
im Frühlingskleid mit Blütenschleifen.

Ingrid Drewing

Obamamanie

Verständlich, doch vermessen ist dies Hoffen,
ein Mensch mit gutem Willen und Verstand ,
der löse alle Fragen , die noch offen,
und heile alle Wunden in dem Land,
das angetreten,in der Welt zu lenken.

Man sollte ganz vernünftig doch bedenken,
auch er ist nur ein Mensch, Obama,
mit Charisma; auch Dalai Lama
zeigt dies.Doch konnt er mit Bedacht
nicht Tibet retten vor der Chinamacht.

Drum achte man auf Maß auch im Erwarten,
gewähr‘ ihm Hilfe jetzt noch nach dem Starten.
Steh‘ stützend wahrhaft hinter diesem Mann,
wenn er besonnen herrscht;vielleicht sodann
erfrischt sozial sich weltweit, nicht zu spät,
auch international die Solidarität.

Ingrid Drewing

Winterjammer

Ach,dieser regennasse Tag
hat nichts vom Winter,den wir lieben;
grau , garstig,kalt,was niemand mag,
sich Wolken vor die Sonne schieben.

Der Regen leckt den letzten Schnee
vom Dache,fleckig noch bedeckt,
und Nebel wabert übern See,
hält Büsche, Bäume gut versteckt.

Nur wer zur Arbeit muss,geht raus,
auch noch zu dringenden Terminen,
ansonsten bleibt man gern zu Haus
nach einem Blick aus den Gardinen.

Manch einer, ausgesucht von Viren,
liegt krank mit Grippe nun im Bett,
keucht hustend,geht auf allen Vieren,
anstatt mit Schatz ins Kabarett.

Dies öde Winterinterim,
kurz vor der Frühjahrsmüdigkeit,
empfindet mancher halb so schlimm,
vertreibt er lesend sich die Zeit.

Ingrid Drewing

Frühlingstraum am Bach

In meine Stille raunt mir zu
dein sanftes, leises Rauschen,
wir werden bald des Winters Ruh‘
im Frühjahrssturm vertauschen.

Und morgens mit der Vögel Lieder
empfangen einen hellen Tag,
Forsythien , Glöckchen, weißen Flieder
und lindes Grün, ganz wie ich’s mag.

So wächst die Freude im Erwarten,
und neu erfüllt sich unser Traum,
erblühen wird ein Frühlingsgarten,
und Hoffnung schenkt dem Leben Raum.

Ingrid Drewing

P h ö n i x

p-hoenix-kopieOh Feuervogel Leben!

Nun, da der Sommer endet

und, einem Maler gleich,

an Künsten reich

in Farben sich verschwendet,

wirst du, vom Licht gesendet,

für eine lange Zeit

in kühlen Höhen schweben,

bis du, zum Frühlingsflug bereit,

in strahlend neuem Flammenkleid

die Erde lässt erbeben.


Ingrid Drewing

A r k t i s – DVD

D i e R o b b e

Die Robbe, rücklings hingegossen,
streckt schlafend von sich ihre Flossen.

Wie kann sie nur so unverdrossen
im Kalten liegen wie erschossen?

Vielleicht ,ja,lebt sie gar nicht mehr?
denk‘ ich mir da ; von ungefähr
naht auf dem Eise nun ein Bär.

Und eh‘ ich mitleidvoll schnell stoppe,
stürzt sich ins Wasser ,schwups, die Robbe.


E i s b e r g e

Sie treiben mächtig groß wie weiße
Segelschiffe auf dem Meer,
die Abgesandten aus dem Eise,
von dem wir sagen,
dass es ewig wär‘.

Als Gletscherkälber
gehen sie auf Reisen
und machen es der Schifffahrt schwer.

Mit ihrem Wankelmut und Schein,
nur wenig zeigen, Rest verstecken ,
kann man sie meist erst spät entdecken.
Sie rauben Mensch und Schiff das Sein.

Ingrid Drewing

Winters Abschied

Die Sonne streichelt

das kahle Haupt des Winters.

Eiszapfen weinen.

* * *

Erste Schneeglöckchen,

dort im Vorgarten, läuten

zart den Frühling ein.

Ingrid Drewing