Archive for the Category Sonette

 
 

Erster Juni

Der Juni bringt den lang ersehnten Regen.
Frühsommer schenkt der Landschaft Wärme, Licht;
es sprießt und wächst und grünt, ein Blumensegen
erblüht in Park und Garten, ein Gedicht.

Als sei ’s ein Wunder, das hier über Nacht
die kleine Welt trägt in ein neues Leben;
was vormals welk erschien, ist hell erwacht,
darf mannigfaltig sich in grünem Glanz erheben.

Auch du vernimmst die Lebensmelodie,
die zärtlich dir in Herz und Seele klingt,
der Hoffnung Zauber, Zuversicht-Magie
lässt dich erwarten, was der Tag noch bringt.

Was dich bewegt, beginnst du froh zu tun,
vorbei sind Missmut, tatenloses Ruh’n.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Viola

Hier steht ihr so, als schautet ihr mich an,
mit euren kleinen, zarten Blüh-Gesichtern.
Stiefmütterchen, wer hat euch so benannt?
Den Namen gab euch ganz bestimmt kein Dichter!

Viola, dieser Name ist Musik
und passt zu euren farbenfrohen Blüten,
wenn ihr im Frühling, Sommer, Herbst euch wiegt
bei Wind und Wetter in der Schönheit Güte.

Beglückt bin ich, wenn ich euch wachsen sehe.
Seid ihr mir doch seit Jahren sehr vertraut,
in Blumenbeeten dort im Park erschaut,
wo ich versonnen oft spazieren gehe.

Ihr zeigt mir artig Hoffnung, Zuversicht
wie dort an Baches Ranft Vergissmeinnicht.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Ewiges Licht

Noch immer leuchtet hell aus dunklen Fernen
das Licht von Sternen, die schon lang verglüht,
wie eine Blume, deren Bild schön blüht,
erinnernd an die Rose, liebend’ Lernen.

Im Wechselspiel von Tag und Nacht schenkt Leben
uns vieles, das sich wandelnd offenbart
auf liebliche, auch bittersüße Art,
lässt uns als Gäste irdisch hier verweben.

Als sei der Tod kein Ende, und das Sein
es dauere und sei vergessen nicht
in einem immer währenden Verzicht.

Ein Hoffen auch, dass der Gestirne Schein
uns gebe die Gewissheit, Zuversicht,
die Kraft der Liebe durch das ew’ge Licht.

© Text: Ingrid Herta Drewing

Foto: Pixabay

Mauersegler

Sie sind zurück und bringen aus dem Süden
die Wärme mit, die Milde hier im Mai,
wenn sie in schnellen Flügen, nimmermüden,
verkünden, dass Frühsommer nahe sei.

Ich sehe, wie sie hoch am Himmel gleiten,
ein Bild, das mir seit Kindheit schon vertraut,
mich hier im Norden nun auch darf begleiten,
Erinnerungen, die ich schön erschaut’.

Als trügen sie den Sommer auf den Schwingen,
ist’s mir, die ich ihr Rufen hab’ gehört,
Kontraste zu der Amseln lieblich’ Singen,
das mich im Lenz so zärtlich, sanft betört.

Die Sommervögel, die im Blauen schweben,
beglücken jetzt auch hier mein neues Leben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Blick aus dem Fenster

Ein kühler Tag, auf dessen blauer Bühne
der Wind verwegen mit dem Rauche spielt,
der zart gekräuselt quillt aus den Kaminen
und weiß in Tanzfiguren Sonne fühlt.

Sie steigen, neigen, wirbeln sich im Kreise
und schrauben hoch und höher Pirouetten,
um bald darauf in wundersamer Weise
sich leicht zu lösen von den Wirkungsstätten.

Verlieren sanft sich in des Himmels Höhen,
ein Wölkchen schwebt noch hell im Mittagslicht,
das schließlich auch entwächst des Blickes Spähen,
wenn Wind es trägt aus der begrenzten Sicht.

Was immer auch verlässt der Bühne Ort,
es wirkt gewiss an andrer Stelle fort.

© Fotos und Text: Ingrid Herta Drewing,

Sonntag im Februar

In klarem Himmelblau ein Wintermorgen
begrüßt den Sonntag, der im Sonnengold
erstrahlt, nachdem der Nebel hielt verborgen
das warme Licht, das uns die Helle zollt.

So lob ich mir den Winter, geh’ spazieren;
und freue mich an dieser kleinen Welt,
wo nun schon zwitschernd Vögel jubilieren,
als habe sich hier Frühling eingestellt.

Schneeglöckchen sprießen, blühen dort im Garten,
obwohl noch Nachtfrost herrscht in der Allee.
Sie dürfen weiß im Glockenröckchen starten,
auch wenn demnächst hier rieselt sanft der Schnee.

Es hält so auch die vierte Jahreszeit
so manchen schönen Tag für uns bereit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Münster, Kinderhaus

Sterntaler

Die Sterne fallen nicht aus allen Himmeln
und regnen, dich bereichernd, sanft herab.
Ein Rappen wird nicht über Nacht zum Schimmel,
weil eine Fee ihm ihren Zauber gab.

Auch wenn du teilst dein Brot, die letzte Habe,
den Dankes-Lohn, den streichen andre ein.
Das Märchen zeigt im Bild wohl goldne Gabe,
doch Erdenreichtum bringt es dir nicht ein.

Das was dir wird, in Gold nicht zu ermessen.
Es ist das Glück, das deine Seel’ ergreift,
die alles gebend, selbstvergessen,
wird von dem Hauch des Ewigen gestreift.

Dies Märchen wird wohl manchmal wirklich wahr,
und wer’s erlebt, erkennt ein Wunder klar.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Leben

Es ist das Leben etwas Wunderbares,
wie es fast aus dem Nichts erscheint, erglüht;
im dunklen All sich zeigt als Schönes, Rares,
das uns auf dieser Erde hell erblüht.

Aus kleinsten Zellen, Wellen, dies Erbeben,
ein Schwingen, das sich abstimmt, ständig übt,
organisch sich vereint, ein schön Verweben,
doch beim Erneuern auch durch Tod getrübt.

Wir nennen’s Schöpfung, als Geschenk gegeben,
sind dennoch auch ein Teil davon wohl nur,
wir, die in Hybris unbedacht oft streben
nach Herrschaft hier im Kreislauf der Natur.

Doch zogen wir nicht auf die große Uhr,
sind hier im Spiel nur eine zarte Spur.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Nachdenkliches

Es quälen mich schon lange bange Fragen,
warum wir immer Kriege führ’n, die Welt,
die uns in üppiger Natur gefällt,
dennoch zerstören, Mensch und Tiere plagen?

Warum fehlt oft ein friedliches Betragen?
Nur Beute jagend, wie ein Raubtier schnellt
mit Fortschritts Kraft man nur nach Macht und Geld?
Das Leid, die schwache Unschuld hat ’s zu tragen.

Was nutzen Intellekt, alles Erfinden,
wenn Empathie sich nicht dazu gesellt,
der Wahn, des Bösen Gier, Stadt, Land befällt,
man dieser Erde Leben nicht erhält,
nichts hier durch sinnvoll Walten sicherstellt,
anstatt sich gütlich, friedlich zu verbinden?

© Text: Ingrid Herta Drewing,

Skizze: Ingmar Drewing

Loslassen

In jedem Herbst, dies Üben, Abschiednehmen,
wenn nach dem letzten Leuchten wilder Tanz,
Wind, Regen rauben Bäumen goldnen Glanz,
und Asphalt zeigt der Linden Herz-Probleme.

Da schleicht sich Wehmut ein, in den Poemen
Memento-Mori-Lied, Vergänglichkeit;
obwohl bekannt, entführt die Nebelzeit
nun wieder hin zu dunkleren Emblemen.

Und dennoch meiden wir wohl das Extreme;
Erfahrung lehrt uns Hoffen, unser Sinn
weiß um Natur und Kreislauf, Neubeginn
auch unsres Lebens nennen uns die Meme.

Nichts Schönes dauert ewig, lässt sich fassen,
wir Menschen müssen lernen loszulassen!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing