Archive for the Category Erzählgedichte

 
 

Die Sicherheit

Fritz Schnurz war einer von den Leuten,
die sehr auf Sicherheit bedacht,
sich nicht auf Reisen ’mal erfreuten.
Er hat sich nichts daraus gemacht.

Sehr gern blieb er zu Haus’ im Garten.
Da sei er sicher, sagte er.
Mit Flugzeugen zum Himmel starten,
mit Schiffen kreuzen auf dem Meer,
mit Auto, Bus und Bahn zu fahren,
kam nicht in Frage, dies‘ Malheur,
das lehnt’ er kategorisch ab.
Man höre ja so viel seit Jahren
von Unfall, Tod dort, nicht zu knapp.
Wer gebe ihm da Schutz, Gewähr?

Jedoch das Leben, das uns wichtig,
zeigt uns, man macht nie alles richtig.
Und eines Samstags um Halbzehn
sah man Fritz Schnurz im Garten steh’n.
Er schnitt dort liebevoll die Rosen,
ließ sich von ihrem Duft liebkosen;
da traf ihn plötzlich, sapperlot,
ein schweres Teil aus Weltraumschrott!
Es fiel ihm hart auf seinen Kopf,
zusammenbrach der arme Tropf.
Herr Schnurz, der nun in großer Not,
fiel in die Rosen und war tot.

„Ein schöner Tod“, meint’ Nachbar Schmitt.
Er mag ’s so seh’n, darf ja noch leben.
Ansonsten teilt uns dies wohl mit:
Die Sicherheit, die wird ’s nie geben.

© Ingrid Herta Drewing

Die Wasserfrau

Ein Angler, am Ufer alleine,
zog aus dem Rhein sich ’ne Kleine.
Sagt:“ Du weißt genau,
du wirst meine Frau,
obwohl du hast Flossen statt Beine“.

Er lehrte sie Anglerlatein
und nahm sie ganz für sich ein;
war er doch ihr Retter,
dazu noch ein netter,
da musst‘ er ein Märchenprinz sein.

Doch schmiert’ er ihr täglich auf ’s Brot,
dass er sie gerettet aus Not.
So ließ er sie schwören,
nur ihm zu gehören,
sonst sei ihr sicher der Tod.

Sie konnte bald nicht mehr ertragen,
sein ständiges Nörgeln und Klagen.
Als ein Seemann ihr pfiff,
schwamm sie zu seinem Schiff,
fuhr mit ihm davon voll Behagen.

Der Angler nun wieder allein,
ertränkte den Kummer in Wein
Er soff und ward krank.
Ja, das ist der Dank,
wenn Frauen man fischt aus dem Rhein.

Ingrid Herta Drewing

Familienausflug

Hundi

Als ich Kind war, gab es Ostern stets den Brauch
mit der Großfamilie zu spazieren,
festlich, fein gekleidet zu flanieren,
Sonntagskleidung hieß das für uns Kinder auch.

Fröhlich ging’s gemeinsam oft ins Grüne,
unser Dackel Axel liebte die Natur,
rannte hin und her, und wie ein Hüne
zog, im Maule Äste tragend, er die Spur.

Wenn er kam, so hieß es hurtig springen.
Lächelnd meinte Vater: “Ja, das hält uns fit!“
Doch mit Pumps wollt‘ dies nicht gut gelingen,
auch der Damen Nylons spielten da nicht mit.

Für uns Kinder war das Schauspiel herrlich,
wenn die Tanten sprangen hoch mit schrillem Schrei,
schimpften, was für Axel unerklärlich,
stand mit treuen Dackelaugen nur dabei.

Dann verließen wir das Waldgelände,
und im Gartenrestaurant „Zum Grauen Stein“
fand der Ausflug ein versöhnlich Ende,
Vater lud zum Schmause alle herzlich ein.

Ingrid Herta Drewing