Gestörte Idylle

Den Sommerabend mag ich und den Morgen,
den Mittag, wenn im Schatten, Wind bewegt,
mich leicht, in einem Liegestuhl geborgen,
ein Lüftchen zärtlich beim Ermatten hegt.

Da ist es mir, als stünde still die Zeit,
gewähre lächelnd nun dem Frieden Räume
hier, wo der Garten grüßt im Hoffnungskleid,
das Leben träumt, die sommergrünen Bäume.

Doch dann wird die Beschaulichkeit gestört.
Ein Flugzeug donnert lärmend durch die Lüfte,
und eine Zeit lang wird sein Grummeln noch gehört;
es zeigen laut sich der Moderne Grüfte.

Bequemes Leben fordert den Tribut;
wir alle zahlen ihn, manchmal mit Wut.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Wiesbaden, Kurpark,“Flötenspieler“, 1965, Walter Wadephul

Der Gärtnerlehrling

Heut‘ spielt ER im Garten Meister
will befrei’n das Pflanzenleben
von der Schneckenplage, Kleister,
den sie überall verkleben.

Jan hat Goethes Text gelesen,
zaubert nun als Lehrling auch,
braucht dazu nicht Topf, noch Besen,
schnappt sich nur den langen Schlauch.

„Walle, walle, manche Strecke,
Wasser spritze in die Hecke,
auch dorthin, wo fern dem Rasen
im Salatbeet um die Ecke
Schnecken höchst gefräßig grasen!

Und die Wasser strömen, fließen,
will den Strahl mal senken, heben,
Tropfen glitzern auf den Wiesen,
wirbelnd in die Lüfte schweben.

Walle, walle, manche Strecke,
Wasser spritze in die Hecke,
auch dorthin, wo freche Nasen,
neugierig so manche Kecke
hier den Abstand gern vergaßen.“

„Ja, du bist ja wohl ein dreister
Bursche, übler Kerl und Flegel!“,
schimpft empört ein Mann, ein feister,
den knapp streift ein Wassersegel.

Auch ’ne Dame, die begeistert
ihren Hund will Gassi führen,
zeigt sich wütend und entgeistert,
mag solch Duschen gar nicht spüren.

„Junger Mann, das ist mitnichten
richtig, was sie da vollführen,
werd dem Meister dies berichten,
und die Folgen soll’n sie spüren!“

„Walle, walle, manche Strecke,
Wasser spritze in die Hecke
dorthin, wo so freche Nasen,
nun zu bösen Schimpfes Zwecke
hier den Abstand gar vergaßen.“

Heiß die Sonne scheint und munter
lässt er weiter Wasser fließen.
„Jan, halt ein, denn dies „Land unter“
kann uns alle nur verdrießen!“

Ernst des Meisters Worte klingen,
schnell muss er den Hahn zudrehen,
spricht von Schnecken und Bezwingen
und von kleinerem Versehen.

„Ach, Jan, Junge, lass dir’s sagen,
schreib’s fest hinters Ohr nun dir:
Gegen Schnecken, die hier plagen,
hilft nicht Wasser, sondern Bier!“

© Ingrid Herta Drewing,2018

Kommentar-Gedicht zu Hans-Dieters Ode auf den Grünkohl in seinem Garten

Es gilt Grünkohl im Gehege,
den im Garten er gepflanzt,
nun Hans-Dieters Sorge, Pflege,
wenn er um die Beete tanzt.

Auch um Kohl gab’s viel Gewese,
seinerzeit im Kabinett,
doch grün war der nie, man lese,
schwarz er sich entwickelt hätt‘.

Das Europa-Pflänzchen hüten,
war ihm damals auch Plaisir;
heut‘ gleicht’s oftmals Luft in Tüten,
denn es fehlen Gärtner hier.

Sollten von Hans-Dieter lernen,
wie man zarte Pflänzchen pflegt
und all Unbill dort entfernen,
wo man Recht beugt, Argwohn hegt!

© Ingrid Herta Drewing,2018

Frühlingsnacht

Flieder_o

Erwacht in linder Frühlingsnacht
will mir, noch halb im Traum,
ein Lied erklingen
und legt mir an den Zaum,
mit ihm zu singen,
zu folgen seinen Versen sacht.

Entfacht in lieblich zarter Macht,
wohl ahne ich es kaum,
mag mich umringen
ein feiner Blütenflaum,
betörend bringen
ins Dunkel seine Fracht in Pracht.

Hier im Garten der Syringen
schenkt mir mein Fliederbaum
die süßen Düfte,
erfüllend mild den Raum,
und Frühlingslüfte
in ihrem sanften Zauber schwingen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Frühlingsnah

Version 2

Das Jahr entwächst den ersten Kinderschuhen
und findet festen Halt bei jedem Schritt,
verschlossen hier des Winters Kältetruhen,
und unlängst nahm er sie zum Nordpol mit.

Mit hellen Augen eilt ’s dem Lenz entgegen.
Die jungen Tage nahen, Blütenrausch,
ein Wachsen, Grünen lächelt auf den Wegen,
wo Erde, Sonne, Regen zart im Plausch.

Wir gehen mit und nähren dies Erwarten,
dass Frühling auch uns Menschen neu beschwingt.
Der Krokus leuchtend glänzt in Park und Garten,
und auf dem Dache thront die Amsel, singt.

So lieblich lockt mit Klängen die Natur,
führt zärtlich auf des Lebens lichte Spur.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Sommerzeit

DSCN6162Vergangen die Blüte der Linden,
der frühe Sommer, er flieht,
zuletzt um Regen bemüht.
Und Mauersegler sich finden;
in Scharen nach Süden ’s sie zieht.

Die Meteorologen berichten,
August bringe Hitze ins Land,
Gewitter dabei, jener Tand,
auf den wir sehr gerne verzichten,
nebst Hagel und Hochwasserstand.

Da heißt’s, eine Weile noch warten
und träumen vom Spätsommer-Glück,
wenn Wärme kommt wieder zurück,
genießen die Milde im Garten,
das Reifen, die Ernte im Blick.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Vorfrühling in Wiesbaden

DSCN6778Nomen est Omen; Sonntag hat
die Sonne heute eingeladen.
Die Stadt, noch jüngst im Nebel matt,
darf nun in hellem Lichte baden.

Zwar ist die Luft hier noch recht kühl,
doch blauer Himmel hilft bewahren
den Hauch von Vorfrühlingsgefühl,
jetzt, da die Landschaft liegt im Klaren.

Und dort, wo Eis und Schnee geblitzt,
in Weiß bedeckten Park und Garten,
keck schon ein zartes Grünen spitzt,
den Frühlingsblütentanz zu starten.

Bald wird erwachen die Natur
und folgen Frühlings sanfter Spur.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Verregneter Urlaub

Es fegt der Regen über Land,
nässt Wiese, Wald und Garten.
Die Regentonne gluckernd fand
sich übervoll, ihr Wasserstand
vergass es abzuwarten.

Nun sprudelt es, der kleine Teich
ist fast zum See geworden.
Der Goldfisch schwimmt im Blumenreich,
und die Gladiolen fallen bleich
bei Wassers Überborden.

So war mein Urlaub nicht geplant,
wollt die Natur genießen.
Jedoch wie es mir deutlich schwant,
fällt das ins Wasser, ungeahnt
will alles weg nun fließen.

Noch bleibt mir hier die Flucht ins Buch.
Die Phantasie darf schwingen,
besiegen jenen nassen Fluch.
Gehüllt in wohlig warmes Tuch,
mag sanft mein Glück mir singen.

© Ingrid Herta Drewing,2016

Atempause

So lass ich mir den Sommertag gefallen,
ein himmlisch Blau, hell, klar und unverstellt.
Vergesse aller Ängste, Sorgen Lallen,
was sonst zur Zeit uns will ins Leben wallen,
erfreu‘ mich nun am Schönen dieser Welt.

Es braucht die Seele eine Atempause,
kein böses Bild nun dringe in sie ein!
Drum seien mir in meiner kleinen Klause
Natur und Friede ein geborgenes Zuhause,
ein Blumenhort, erfüllt von Sonnenschein!

© Ingrid Herta Drewing,2016

Frühlingsstimmung

Der Himmel blau,die Sonne strahlt
auf Park und Garten, die erfüllt
von Frühlings schönem Blütenbild,
das er in seiner Milde malt.

Zart streichelt Südwind Kinn und Wange
und leicht beschwingt ist mir zu Mut.
So vieles, was zuvor macht‘ bange,
mit Winter im Vergessen ruht.

Ich freue mich, die Vögel singen,
verzaubern morgens schon den Tag.
Des Frühlings Melodien klingen,
die ich nun lächelnd in mir trag‘.

© Ingrid Herta Drewing,2016