Der Gärtnerlehrling

Heut‘ spielt ER im Garten Meister
will befrei’n das Pflanzenleben
von der Schneckenplage, Kleister,
den sie überall verkleben.

Jan hat Goethes Text gelesen,
zaubert nun als Lehrling auch,
braucht dazu nicht Topf, noch Besen,
schnappt sich nur den langen Schlauch.

„Walle, walle, manche Strecke,
Wasser spritze in die Hecke,
auch dorthin, wo fern dem Rasen
im Salatbeet um die Ecke
Schnecken höchst gefräßig grasen!

Und die Wasser strömen, fließen,
will den Strahl mal senken, heben,
Tropfen glitzern auf den Wiesen,
wirbelnd in die Lüfte schweben.

Walle, walle, manche Strecke,
Wasser spritze in die Hecke,
auch dorthin, wo freche Nasen,
neugierig so manche Kecke
hier den Abstand gern vergaßen.“

„Ja, du bist ja wohl ein dreister
Bursche, übler Kerl und Flegel!“,
schimpft empört ein Mann, ein feister,
den knapp streift ein Wassersegel.

Auch ’ne Dame, die begeistert
ihren Hund will Gassi führen,
zeigt sich wütend und entgeistert,
mag solch Duschen gar nicht spüren.

„Junger Mann, das ist mitnichten
richtig, was sie da vollführen,
werd dem Meister dies berichten,
und die Folgen soll’n sie spüren!“

„Walle, walle, manche Strecke,
Wasser spritze in die Hecke
dorthin, wo so freche Nasen,
nun zu bösen Schimpfes Zwecke
hier den Abstand gar vergaßen.“

Heiß die Sonne scheint und munter
lässt er weiter Wasser fließen.
„Jan, halt ein, denn dies „Land unter“
kann uns alle nur verdrießen!“

Ernst des Meisters Worte klingen,
schnell muss er den Hahn zudrehen,
spricht von Schnecken und Bezwingen
und von kleinerem Versehen.

„Ach, Jan, Junge, lass dir’s sagen,
schreib’s fest hinters Ohr nun dir:
Gegen Schnecken, die hier plagen,
hilft nicht Wasser, sondern Bier!“

© Ingrid Herta Drewing,2018

Kröte Emmas Sonderweg

Im März, da kroch mit ihresgleichen
die Kröte Emma, wollte laichen
im Weiher bei der großen Wiese,
wo ’s sich auch herrlich schwimmen ließe.

Doch war die Tour dorthin beschwerlich
mit all den andern, einmal ehrlich,
es nervte sie dies’ Gruppenhüpfen,
das lahme Kriechen, müde Schlüpfen.

Darum, sie war wohl auch verdrossen,
versuchte sie nun, kurz entschlossen,
den langen Weg mal abzukürzen,
um sich ihr Leben selbst zu würzen.

Sie kroch zur Straße, die schön eben
und warm vom Sonnenschein, welch’ Leben!
Die musste sie kurz überqueren,
um schnell zum Weiher heimzukehren.

Die andern rieten ihr noch ab,
das sei ein Todespfad, ein schlimmer,
ein Weg des Grauens und Gewimmer.
Doch Emma lachte nur mal knapp.

Sie hüpfte auf das warme Pflaster.
Wie eben war’s! Kein Stein, kein Ast, der
dort garstig ihr im Wege stand!
Sie glaubte, hier sei frei das Land.

Auch war sie sich wohl nicht im Klaren,
dass auf der Straße Autos fahren,
die sich nicht scheren um die Kröten
und deren große Wandernöte.

Kaum war zwei Meter sie gekrochen,
war’s Unheil schon hereingebrochen.
Ein Auto kam schnell angerauscht,
der Fahrtwind hat sie angeplauscht,
warf Emma wirbelnd weit zurück.

Sie landete im Moos, zum Glück,
und wusste erst nicht, wie ihr war.
Jedoch dann ward ihr langsam klar,
dass sie grad so dem Tod entronnen,
weil sie was Falsches da begonnen.

Nicht immer ist der leichte Weg
für alle Fälle gut und richtig;
sehr oft erweist sich kurzer Steg
am Ende unverhofft als nichtig.

© Ingrid Herta Drewing

Sprichwörter-Gerangel

Not kennt keine Morgenstund’,
Dem Glücklichen Gebot.
Hochmut kommt,
hat Gold im Mund.
Vor dem Fall
sind viele Hunde.
Keine Stunde,
schlägt
des Hasen Tod.

Wer andern eine Grube gräbt,
ist noch kein Meister.
Lüge mit Weile,
vom Himmel gefallen,
Eile.
Der blinde Übermut
hat kurze Beine,
ist der einäugige König,
fällt selbst hinein,
tut es selten gut.

© Ingrid Herta Drewing