Welke Blätter

Keine Blätter schweben, fallen,
Raureif deckt die Bäume, kahl,
die in Nebels dichtem Wallen
zeigen kaum Konturen fahl.

Laub, das sie jüngst golden schmückte,
säumt nun welkend Stamm und Weg,
was im Frühherbst hier beglückte,
treibt im Bache, liegt am Steg.

Ach, dies Bild mahnt, wie vergänglich
irdisch‘ Lebens Schönheit ist,
was der Mensch, weil unzulänglich
meist im Alltagstrott vergisst.

Statt des Grams um Nichtigkeiten
weite Liebe unsren Blick,
Freude möge uns geleiten,
schätzend auch das kleine Glück!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,November 2018