Albtraum

Als mir die Silben aus den Worten fielen,
stand ich, fast starr, still, stumm und staunend da,
verstrickt im Wirrwarr allerlei Gefühle,
empfindend, dieses Unheil kam mir nah.

Es halfen keine honigsüßen Phrasen.
Die Wahrheit unverborgen, nackt und bloß,
nun zeigte sich in allen ihren Phasen.
Das Böse kroch da aus des Drachen Schoß.

Nach Drachentöter Georg riefen sie.
Doch der, gefeiert, war nicht bei dem Tross.
Und als das Untier Schwefel, Feuer spie,
war er schon fern, ritt arglos hoch zu Ross.

Die Erde bebte, und ein Ascheregen
fiel aus der Wolke, die die Sonne fraß.
Im Grau erstickten Menschen, Stadt und Wege.
Der Feuertod die Beute nicht vergaß.

Ich konnt‘ zu Schiff dem Wüten dort entgehen
und wachte auf aus diesem dunklen Traum,
in dem ich mich so hilflos hab‘ gesehen,
verloren fast an des Vulkanes Saum.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Verhextes Wetter

Nun lässt der Mai uns aber heftig schwitzen.
Mit schwülen Tagen gibt er sich recht sommerlich;
war ’s jüngst noch kalt, so plagt uns nun die Hitze.
Man schaut auf den Kalender, und man wundert sich.

Gewitter toben so, als sei August,
und manche Tropennacht verweigert dir den Schlaf.
Man denkt an Klimawandel, und bewusst
wird jetzt ersetzt der Rasenmäher durch das Schaf.

Doch dann bricht aus ein ruhender Vulkan,
und dessen Asche dicht verhüllt der Sonne Schein.
Es kühlt sich merklich ab; ein Kältewahn
zieht ein, obgleich es eigentlich sollt’ Sommer sein.

Da mag das Wetter hier erscheinen wie verhext,
doch du erkennst genau: Das Klima ist komplex.

© Ingrid Herta Drewing