Der Tatzelwurm auf dem Turm

Einst saß auf eines Turmes Spitze
im Alpenland ein Tatzelwurm,
der fraß dort bei Gewitter Blitze
zu nähren seinen Feuer-Sturm.

Man wollte nicht, dass er da sitze,
weil man ihn Furcht erregend fand,
und schickte hin mit Wasserspritze
die Feuerwehr, die dort im Land.

„ Hört auf zu kitzeln mich mit Wasser,
womit ihr mich so frech besprüht,
sonst pack ich euch, ihr Feuerhasser,
und sorg‘ dafür, dass ihr verglüht!“

Sie konnten ihn nicht Mores lehren
und flohen zügig von der Stell.
„Wer soll dem Tatzelwurm nun wehren,
vertreibt für immer ihn dort schnell?“

So fragten ratlos alle Räte
der Stadt, denn oben von der Zinn‘
sollt‘ Wächter warnen, der erspähte,
wenn Feindes Heer zur Burg zog hin.

Des Bürgermeisters Sohn, der hatte
da einen Einfall, trug ihn vor,
bat, dass man ihm den Gang gestatte
zum Tatzel an des Turmes Tor.

„Ich werde ihm sein Futter bringen,
denn wenn der Tatzelwurm ist satt,
wird er als Wächter sich verdingen,
von dort aus retten unsre Stadt.

Kein Feind wird es dann jemals wagen
uns und die Burg zu greifen an,
wenn Tatzel droht mit Feuerplagen,
gibt’s keinen Angriff hier sodann!“

Zur Not ließ man den Bub gewähren,
der sich mit Tieren gut verstand,
sie zähmte, konnt‘ auch Tatzel nähren;
der fraß ihm dann fast aus der Hand.

In Tatzelburg lebt‘ man dann heiter,
des Feinds Eroberung gebannt;
auch schätzte man als Blitzableiter
den Tatzelwurm im ganzen Land.

© Skizze u. Text: Ingrid Herta Drewing

Vorfrühling im Nerotal

Es webt das Licht an diesem kühlen Morgen
ein leuchtend Glänzen in der Wiese Grün.
Als sollten sie für Frühlings Kunde sorgen,
hier Krokus-Grüppchen farbenfroh erblüh’n.

Obwohl der Nachtfrost, Winters Kampfgenosse
die Eishaut auf dem Teich noch jüngst gestählt,
bestärkt der Schwarzbach, rauschend unverdrossen,
dass Winters Tage sind schon angezählt.

Die Amseln, Meisen proben hell ihr Singen,
sind Boten für des Frühlings Blüten-Fest,
wenn neu erwachtes Leben darf erklingen,
und Freude unbeschwert aufatmen lässt.

Du hoffst, dass nun wohl wird Corona-Spur
zur Randnotiz sich wandelnder Natur.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Nerotal

Fastnacht

Die Fastnachtszüge hier am Rhein
nun ziehen fröhlich durch die Städte.
Die Frohsinnsdrachen Gaben spei’n,
und Kinder schnell die Schätze retten.

Froh tummelt sich der Narr im Volke,
das kostümiert dem Jokus frönt.
Am Himmel nur Schönwetterwolken
und Sonnenglanz sie heut’ verwöhnt.

Als sei der Winter schon vergangen,
vertrieben frostige Dämonen,
tanzt hier ein fröhliches Verlangen,
kann kunterbunt den Tag belohnen.

Und mag ’s auch Morgen frieren, schneien,
das stört die Narren nicht.
Heut’ woll’n sie feiern und sich freuen;
ab Aschermittwoch heißt’ s Verzicht.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Collage meines kleinen Sohnes,1986

Die Kraniche kehren zurück

Dort hoch am Himmel Kraniche, aus Süden
sie kommen, kehr’n ins Brutgebiet zurück.
Ihr Siegeszeichen zeigt sich klar dem Blick,
verheißt uns, die wir noch im Nebelmüden,
des Winters Ferne, nahen Frühlings Glück.

Nun wird es hier auch nicht mehr lange währen,
dann findet sich des Zephirs Milde ein,
es lenzt im Land und warmer Sonnenschein
küsst Knospen, die uns schön bescheren
ihr Blütenbild, und Frühling lädt uns ein.

Der Amsel lieblich Lied darf hell ertönen;
dort auf dem Dachfirst seh ich thronen sie.
Früh morgens, abends ihre Melodie
erklingt und lässt erneut so froh versöhnen
Natur und Leben sanft in Harmonie.

©  Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing,

Valentins Brief

Mein duftend süßes Frühlingsveilchen,
mein allerliebstes Warteinweilchen,
mein zitterzartes Elfenlöckchen
und wohlig weiches Wollgrasflöckchen,
mein Zirbelchen, mein Zauselchen,
mein Zuckerschnütchen, Mauselchen,
mein Herzchen, Sternchen, Morgenlicht
mein Glühwürmchen und frecher Wicht,
mein Teufelchen und Freudefunken,
du siehst mich hier so feuertrunken,
dass ich schon fasel im Gedicht,
doch ist’s auch Liebe, die da spricht.

Dies schreibt, so einsam aus Berlin,
nach dir sich sehnend, Valentin.
P.S.
Geliebte, meines Herzens Sonne,
du Rose meiner Liebeswonne,
mein Freudenquell und Blütenlicht,
ach bitte, komm, vergiss mich nicht!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Zum internationalen Verschenk- ein-Buch-Tag

„Verschenk ein Buch!“Es ist das Lesen
von Büchern immer ein Gewinn,
auch wenn am digitalen Tresen
so mancher meint, das sei gewesen,
nur ’s Internet noch „mache Sinn“!

An jedem Ort, der mich lässt sehen,
kann ich es lesen unbeschwert,
am Sandstrand und auf Berges Höhen;
kein Windrad muss sich dafür drehen,
es zeigt auch ohne Akku Wert.

Ich mag dies‘ haptische Vergnügen,
das mir ein schönes Buch gewährt,
wenn sich so Seit‘ um Seite fügen
und in des Lesens Pilgerzügen
die Welt sich neu erschließt, erklärt.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

Morgengebet

Wir danken, Vater, für das Tagen
nach langer Nacht und tiefer Schuld.
Verleih uns Mut, nicht zu verzagen,
beschütze uns vor Ungeduld,
hier vorschnell, schädlich, falsch zu handeln,
der Schöpfung Schönheit zu verschandeln!

Herr, der du uns in deiner Güte
dies irdisch‘ Paradies geschenkt,
der Pflanzen Grünen, ihre Blüte,
die hin zu Frucht und Reife lenkt,
gib uns auch Kraft, auf weisen Wegen
in deinem Sinn dies Gut zu hegen!

Wir bitten dich um wahren Frieden,
die Güte und den wachen Blick,
einander helfend zu behüten,
fern sei uns Hass und Kriegsgeschick!
Lass uns, was heilen hilft, erkennen
und Leben, Lieben nicht mehr trennen!

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

Schneeglöckchen

Der Frühling sein Geheimnis lupft,
schon spitzt es grünend aus dem Schnee.
Das Blüten-Röckchen glatt gezupft
und elfenhaft, zart hingetupft,
so sprießt Schneeglöckchen in die Höh’.

Und auch am Fuß der alten Eiche
zeigt es sich blühend in der Schar.
Das welke Blätterbild hier weiche
und Frühlings Kraft nun auch erreiche
ein neues Leben, hell und klar!

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Eurydices Antwort

Dein Lied, Orfeu, das in sanften Tönen
der Sonne Licht in meinen Morgen bringt,
erweckt die Freude, schenkt die wunderschönen,
erträumten Bilder, und die Seele singt.

Dem Vogel gleich erhebt sie ihre Schwingen,
erbebt und fliegt im Glück der Harmonie
in Sphären dieser Welt, die himmlisch klingen,
lebendig, eine Liebessinfonie.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Anmerkungen zum Gedicht:
In dem wundervollen Film ORFEU NEGRO von Marcel Camus
singt Orfeu auf einem Hügel über Rio de Janeiro
bei Sonnenaufgang ein wunderschönes Lied, das er sich ausgedacht hat, und gewinnt Eurydices Liebe.
In diesem Film, der zur Karnevalszeit spielt, wird das Motiv von Orpheus und Eurydike abgewandelt verarbeitet.Dieser
Film inspirierte mich zu diesem Gedicht

Geburtstagsgruß für Maike

Der siebte Tag im Februar
besonders mir gefällt,
denn da kamst Du, mein Maikelchen,
recht munter hier zur Welt.
Er war und ist stets, so auch heute,
für mich ein Anlass großer Freude.

Ich wünsche Dir auf Deinen Wegen
Gesundheit, Liebe, Frieden, Glück,
Humor, des Frohsinns heitren Blick,
Deine Leben schütze Gottes Segen!

Die Sieben, Symbol der Vollendung

Den Menschen ist Symbol die Sieben,
nicht nur weil biblisch sie beschrieben,
als Schöpfung da vollendet war,
auch jene Scheibe von Nebra
Goldpunkte sieben präsentiert,
zur Bronzezeit dicht appliziert,
mit bloßem Blick die Wandelsterne,
geheiligt in des Himmels Ferne.

Als Primzahl heilig gilt die Sieben,
und nicht nur in Astronomie
auch irdisch wird bevorzugt sie:
zählt‘ sieben Wunder auf der Welt,
die man großartig hergestellt.
Die Woche sieben Tage hat.

Im Bann von Zauber und Magie
liest man in vielen Märchen sie.
Verwandelt‘ Brüder, sieben Raben,
mit Siebenmeilenstiefels Gaben
gelangt ein Däumling durch die Welt,
derweil bei sieben Zwergen
dort hinter sieben Bergen
Schneewittchen sich aufhält.

Verflucht, verwandelt sieben Schwäne,
die dann erlöst durch Schwester Liebe.
Sie strickte stumm in Leid und Tränen
aus Brennnesseln ein Hemd für sie.

Das tapfre Schneiderlein im Reich
erwischte flugs auf einen Streich
auf seinem Mus-Brot sieben Fliegen,
näht ’s auf den Gürtel; listig gleich
konnt‘ Riesen er sogar besiegen.

Da wär noch vieles aufzuschreiben
vom „Sieben-Mythos und Magie“,
doch lasse ich das nun mal bleiben,
ich preis‘ am 07.02. sie!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing