Monokultur

Ich würd‘ gern zurückdrehen alle Uhren,
als auf dem Land schöne Landschaft noch war,
vielfältig Felder, fern Monokulturen,
das Wachsen noch frei von Giften geschah!

Da schwirrten die Falter, summten die Bienen,
und Singvögel sangen tagein und tagaus.
Doch man ließ sich Pestizide andienen,
zerstört’s Biotop nah dem eigenen Haus.

Den großen Konzernen, Monsanto,Chemie,
hilft’s, rücksichtslos ihre Pfründen zu mehren.
Manch‘ kleinen Landwirt zwingt man in die Knie,
er wird zum Werkzeug, macht mit beim Zerstören.

So schön auch der Rapsfelder Farbe erglänzt,
hier ging ein Lebens-Orchester verloren,
dass uns die Natur einst in Fülle kredenzt‘.
Hat man sich Wohlstand so wirklich erkoren?

© Ingrid Herta Drewing,2016

Stängelenzian im Supermarkt

Der blaue Stängelenzian
hat Sehnsucht nach den Bergen.
Aus seinem Topf sieht er mich an,
als könnt’ er ’s nicht verbergen,

dass ihm die Art zuwider läuft,
wie er ward hier verpflanzt,
wo man im Wasser ihn ersäuft,
das da im Topfe tanzt.

Er fühlt sich sehr exotisch hier,
will heim in seine Höhe,
ins Alpenland, der Berge Zier.
Dort mag er blau bestehen.

© Ingrid Herta Drewing

Gleichgewicht

Dicht überm Wasser fliegt Libelle,
die sich zu ihrer Schöngestalt
entpuppt hat; und die Lachsforelle
schwimmt mit dem Flüsschen aus dem Wald.

Sie will das große Meer erreichen,
das ihre Mutter einst verließ,
um in der Flussheimat zu laichen,
ein Ziel, das ihr Instinkt verhieß.

Das Leben findet viele Formen,
ob hier im Wasser, ob an Land,
und sprengt des Menschen enge Normen
der nur nach Beute streckt die Hand.

Sehr oft vergisst er, zu bedenken,
dass jedes Glied in der Natur
ein andres stützt; ein großes Lenken
weit ab von seiner schmalen Spur.

Das Gleichgewicht im Biotop
gilt es zu sehen, zu bewahren.
Wer sich versteht als Philanthrop,
der folg’ auch dem Prinzip, dem wahren.

© Ingrid Herta Drewing

Im Grünen

Der Blauregen wirft
schwungvoll Pflanzenseile aus,
sucht den Kletterhalt.

Grüne Efeuwand,
Zuhause vieler Vögel,
mir Augenweide.

Und vor den Häusern
grüßen blühende Gärten,
schönes Straßenbild.

Ingrid Herta Drewing