Lindenblätter auf nassem Asphalt

Auf dem Asphalt ein Aquarell
aus goldnen Lindenherzen.
Der Regen, der als Herbsts Gesell
die Blätter raubte, war zur Stell,
bereit zu rauen Scherzen.

Doch du setzt sorgsam deinen Schritt,
willst nicht das Bild zerstören.
Als teile dir der Baum hier mit,
dass man sein Herzblatt nicht zertritt,
magst du’s als Bitte hören.

Vielleicht erinnert die Natur
dich an dein endlich‘ Wesen,
und du erhoffst, dass deine Spur
erhalten bleib‘ auch, sei es nur
als Bild, das wer wird lesen.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing,

Spätherbst

Nun, da die Tage sich im Grau verlieren,
der Nebel seine feuchten Schleier spinnt,
ersehnst du Licht, willst wohlig Wärme spüren
und hoffst, dass bald ein Tagen hell beginnt.

Da schätzt du dein gemütliches Zuhause,
beschaulich hörst du, wie Musik erklingt,
und mögen draußen auch die Stürme brausen,
erfreut dich eine Stimme, die schön singt.

Genießt die Poesie mit allen Sinnen,
und viele Bücher stehen dir bereit.
Das Abenteuer Lesen darf beginnen,
entführt dich aus der grauen Nebel Zeit.

Hörst still, was deine innre Stimme spricht,
hältst Glücksmomente fest, auch im Gedicht.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

 

Nebelgrau

So grau wie der Nebel sind meine Haare,
denn kahl wie die Bäume bin ich noch nicht.
Zwar kommen das Jahr und ich in die Jahre,
der Winter nimmt bald den Herbst in die Pflicht.

Doch bleibt mir das Lächeln, das Morgenrot,
das Blau des Himmels, die Sonne, das Licht.
Und wehen jetzt Blätter sanft in den Tod,
erfasst mich dies kalte Stürmen wohl nicht.

Ich trag’ auf dem Halse noch immer den Kopf,
den Weg geh ich grade, kenne mich aus;
ergreife die Glücksmomente beim Schopf
und berge sie alle im Seelenhaus.

Und naht hier der Winter, schickt Kälte ins Land,
dann wärmt mich Erinnern mit gütiger Hand.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Abschiedsgeschenk

Es malt der Herbst so farbentrunken
und wirkt dies opulente Bild
des Lebens, das nach grauem Unken
des Nebels, dessen Kraft gesunken,
im Sonnenlicht den Tag erfüllt.

Dies Spiel der Farben, Augenweide,
ein himmlisch‘ Blau blickt aus dem See,
und kräuselt Wind ihn, blinkt Geschmeide,
dort wo sonst übers Haar der Weide
den Schleier wirft die Nebelfee.

Ich schau beglückt, berauscht von Tönen
der Farben, deren warme Glut
Vergänglichkeit scheint zu verhöhnen,
hell leuchtend hier mit allem Schönen,
was die Natur verschenkt so gut.

Da liegt im Abschied schon Beginnen,
die Wiederkehr, und sei’s noch weit,
wird doch in Frühlings zartem Sinnen
erneut das Leben licht gewinnen,
und Winter weicht der neuen Zeit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Goldene Herbstzeit

Vorbei die Zeit der Schmetterlinge,
schon flattern Blätter bunt im Wind,
und statt der süßen Blütendüfte
würzt herb der Herbst-Rauch hier die Lüfte.
Kastanien sammelt nun das Kind,
und Drachen hoch am Himmel schwingen.

Die letzten Trauben fast gelesen;
bald schenkt man Federweißen ein.
Zu Erntedank bei frohem Feste
sind wir in Gottes Haus als Gäste
und bringen unsre Gaben fein,
demütig seiner Schöpfung Wesen.

Das Jahr beginnt den Kreis zu schließen;
oft hüllt der Nebel ein den Ort
und lässt uns karge Tage ahnen.

Doch mittags, wenn der Sonne Bahnen
verschenken ihren goldnen Hort,
darf man wohl noch den Herbst genießen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing
Wiesbaden, Am Warmen Damm

Gesang der Amsel

Mag singen auch die Nachtigall
ihr wunderschönes Lied;
zu selten ist das hier der Fall.
Doch Amselsang schallt überall,
weil sie die Stadt nicht flieht.

Hoch auf dem Dachfirst hell erklingt,
in Wipfeln hoher Bäume
ihr Solo, das sie lieblich singt,
bis dann der Abendstern aufblinkt.
Ihr Wohlgesang schenkt Träume.

Mir scheint es fast, als wolle sie
sich selbst am Klang berauschen,
vielfältig in der Melodie,
Tonfolgen reich an Harmonie,
Pausieren, um zu lauschen.

Da darf die Ringeltaube dann
den Brummbass dazu geben.
Sie kommt nur guttural voran,
und ihre Stimme, wenn sie kann,
wird rhythmisch, tief erbeben.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Erinnerung

Blauer Blick Provence,
Duft des Lavendels im Haar,
flirrende Sommer.

Ein vertrautes Bild,
das meine Träume durchwebt,
mich zärtlich entrückt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

ERSATZHANDLUNG

Wo lassen Sie denn denken?

Ach so, auch bei KI!
Man müsst’ sich nicht verrenken
hirnmäßig meinen Sie;
denn neuronale Netze,
dort seien weit gespannt,
gesammelt Sprachen, Schätze,
die je ein Mensch benannt.

Fast so, wie sonst beim Twittern
setzt’ man nur wenig ein;
mit Fragen sei zu füttern
das „digitale Schwein“,
und ohne viel zu wittern
in Algorithmen fein,
beginnt’s zu kombinieren,
was weltweit ist im Netz.
Man darf sich dekorieren
mit fremden Federn jetzt.

Doch stößt es mal auf Lücken,
verzichtet ’s auf den Fakt,
füllt kreativ die Lücken,
sei es auch abgeschmackt.
Da sollte man doch prüfen
die Quelle, die da denkt,
damit man nicht vom „schiefen
Ergebnis“ falsch gelenkt!

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

HERBST

H erbst hält Einzug wie ein König
E ifrig seine Boten sind,
R ötend färben sie nicht wenig
B aumes Blattwerk ganz geschwind,
S treichen letzte Ernte ein
T ragen sie zur Scheune heim.

©Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

33 Jahre Deutsche Einheit

In jener Nacht, als feste Mauern fielen,
die viele schreckten, manche stumm gemacht,
da durfte dieses Bild von Einheit zielen
auf alles, was gemeinsam war, hier spielen
mit Jubel, Freudentränen, neu erwacht.

Es lagen sich die Menschen in den Armen.
Man konnte wieder Bruder, Schwester sein,
und keiner klagte da in neuem Carmen;
denn Glück und Hoffnung schenkten ihren warmen,
wohligen Mantel, der uns hüllte ein.

Der Deutschen Einheit neu nach so viel Jahren,
sie kam uns vor, als sei‘ s ein schöner Traum,
und mancher war sich deshalb nicht im Klaren,
dass Änderungen folgen; ein Bewahren
von allem lieb Gewohnten gab es kaum.

Wo Planwirtschaft bestimmte einst das Sagen,
da sollte es nun rasch Kapitalismus sein.
Mit DM schwoll so manchem da der Kragen,
Konsum bestimmte, schnell ließ sich was wagen,
manch‘ Existenzen blühten, andre brachen ein.

Ins Land sind dreiunddreißig Jahr‘ gegangen,
seit Ost und West sich wieder zugesellt.
Die Wirtschaft wuchs, und man darf doch verlangen,
dass trotz der Krisen wir im Land erlangen
für gleiche Arbeit gleiches Lohn-Entgelt!

Politisch war man weiter fortgeschritten.
die Kanzlerin, im Westen reüssiert‘,
aus Hamburg und Meck-Pomm, wohl unbestritten,
ward weltweit anerkannt, recht gut gelitten,
und viele Jahre hatte sie regiert.

Doch droht erneut ein Wahn das Land zu spalten,
es wächst die Kluft, trennt hart hier arm und reich.
Und aus dem Riss da kriechen hoch die alten
von Fremdenhass vergrätzten Spukgestalten,
tun ’s Nationalisten andrer Länder gleich.

Mir scheint, die Macht der Neoliberalen,
die Bankenkrise, hat dazu geführt,
dass (zudem wegen hoher Flüchtlingszahlen)
sich viele EU-Bürger schwarz ausmalen,
man würd‘ auch falsch von Brüssel aus regiert.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay