Sommerbild

Hoch in den Lüften tanzen Cirrusweben,
als habe sie der Wind bizarr gemalt,
dort hingetuscht, vom Sonnenschein bestrahlt,
dass sie in weißen, zarten Schleiern schweben.

Die Federwolken leuchten da im Klaren,
wo sonst die Mauersegler Zeichen setzten,
sie, die auch munter durch die Straßen wetzten,
bevor sie südwärts zogen fort in Scharen.

Des Sommers helle Choreografie
erglänzt noch hier auf blauer Himmelsbühne,
erleb‘ es als Pendant zu Grau und Grüne,
und mich beglückt ein Bild der Harmonie.

Es zeigt sich uns in Vielfalt die Natur,
und gern verfolg‘ ich ihre sanfte Spur.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Wunschtraum

Reimerei zu folgenden Wörtern:
Obstsalat, Mausefalle, Straßenkreuzer, Sommerwind, Vertreter

Schon lang träumt Karlchen Schnäuzer
von einem Straßenkreuzer,
mit dem er dann im Sommerwind
mit Hilde, diesem süßen Kind,
ins Blaue führe, ganz privat.

Der Picknickkorb mit Obstsalat
und auch sein Fotoapparat,
die dürften bei der Tour nicht fehlen,
wenn beide als verliebte Seelen
sich fänden auf geheimem Pfad.

Jedoch, was er in Träumen, prallen,
schon sieht als Auto-Fan, Anbeter,
bleibt Illusion, wird nirgends wallen,
denn kaum verkauft er Mausefallen,
hat wenig Geld nur als Vertreter.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Fragen eines (W)Ortsfremden

Fressen Löwenmäulchen Fleisch?
Sind in Blümchen wirklich Gänse?
Wieso sind die Steine reich?
Wie macht man aus Kaffee Kränze?

Wie fängt man die Autoschlange?
Wer trinkt aus dem Blütenkelch?
Wieso wird ’s der Büchse bange?
Gibt es ihn, den Schwarzwald-Elch?

Fängt ein Nagel an zu schreien,
wenn man ihn schlägt auf den Kopf?
Wird es hier auch kräftig schneien,
falls ich wild die Betten klopf’?

Treibt der Winter gerne Sport?
Hilft ihm da der Frostschutz auch?
Gibt ’s zum Vor – den Hinterort?
Wieso hat das Bier ’nen Bauch?

Trocknet ’s Handtuch nur die Hand?
Kehrt der Besen auf Befehl?
Gibt die Flasche dir ein Pfand?
Siebt ein Mehlsieb denn nur Mehl?

Sitzt da eine Königin
mittendrin in der Pastete?
Und wer kriegt das so gut hin,
dass er kann die Kinder kneten?

Fragen, Fragen, ohne Ende!
Ja, da rauche jetzt der Kopf,
sagst du. Doch woher die Brände?
Ist ’s das Brett vor meinem Kopf?

© Text: Ingrid Herta Drewing,

Foto: Pixabay

Glückwunsch zum Hochzeitstag

für Andreas und Ruscha

Es jährt sich heut der Hochzeits-Tag
schon 28 mal.
Ein Traumpaar seid Ihr, ohne Frag’,
nicht nur weil hoch die Zahl.

Ich wünsche Euch, dass Freude, Licht
Euch geben gut Geleit,
viel Glücksmomente, Zuversicht
halt’ alle Zeit bereit!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Sommer-Morgen

Am Himmel Schäfchen-Wolken ziehen,
wie weiße Watte, zart, gezupft,
ins Blau des Himmels hoch gelupft,
wo sie im Sonnenlicht erblühen.

Ich schau‘, genieß‘ den Duft der Rosen,
die hier auf dem Balkon erblüht,
trink meinen Tee, das Stövchen glüht,
lass mich von seiner Wärme kosen.

So grüßt ein heller Sommermorgen,
und Mauersegler schwirren wild,
doch auf dem Dach thront ruhig, mild
die Ringeltaube, dort geborgen.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

Ende Juli

Da geht der Juli hin, dies graue Wunder,
das uns hier endlich Regen hat gebracht.
Doch hoffen wir, dass der August nun munter
sich sonnig uns mag zeigen, warm und sacht.

Die Hitze bleib’ uns fern im Sommer-Leben,
von Juni schon zu deutlich vorgeführt;
auch Hagel, Wolkenbruch, Gewitterbeben
sind für uns obsolet, weil nicht gekürt.

Wohl temperiert, so seien sie die Tage,
da mag auch kurz ein kühler Regen sein,
damit die Pflanzen keine Dürre plage,
in Garten, Park und Wald lad’ Grün uns ein!

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing,

Gesang der Amsel

Mag singen auch die Nachtigall
ihr wunderschönes Lied;
zu selten ist das hier der Fall.
Doch Amselsang schallt überall,
weil sie die Stadt nicht flieht.

Hoch auf dem Dachfirst hell erklingt,
in Wipfeln hoher Bäume
ihr Solo, das sie lieblich singt,
bis dann der Abendstern aufblinkt.
Ihr Wohlgesang schenkt Träume.

Mir scheint es fast, als wolle sie
sich selbst am Klang berauschen,
vielfältig in der Melodie,
Tonfolgen reich an Harmonie,
Pausieren, um zu lauschen.

Da darf die Ringeltaube dann
den Brummbass dazu geben.
Sie kommt nur guttural voran,
und ihre Stimme, wenn sie kann,
wird rhythmisch, tief erbeben.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Sommerregen

Nun netzt ein Sommerregen
das sonnverbrannte Land,
spült Staub von allen Wegen;
die Pflanzen sanft zu hegen,
putzt er ihr grün Gewand.

Der Bach darf wieder fließen,
wo nur noch Rinnsal war,
Sumpfdotterblumen sprießen,
und in dem Teich genießen
die Enten Wasser klar.

Die Vögel wieder singen
und fliegen flugs herbei.
Im Park hör ich’s erklingen,
seh’ sich in Wipfeln schwingen
den grünen Papagei.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Märchenfrage

Leben,
versteckt,
verwünscht,
verwandelt.

Wer kennt
das erlösende Wort,
trägt den Tau
der Tränen
zum Glasberg?

Helden?
Helden weinen
doch nicht!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Kindheit im Nachkriegssommer

Freies Leben, die heißen Sommer
im Schatten der Felsengruppe,
dort nah jener Höhle,
wo sich einst Wilddieb Leichtweiß
vor des Herzogs Büttel versteckte.

Unterm Dach der Blauhimmeltage
spielten wir am klaren Schwarzbach
und stauten sein Wasser;
beschirmt vom schattigen Grün
der Buchen und uralten Eichen.

Uns beflügelte die Phantasie,
wähnten Tipis auf der Wiese,
die wir verteidigten
gegen die Eindringlinge,
bewaffnete Cowboys und Trapper.

Mit kleinen Papierschiffchen, Kanus,
die wir in den „Stausee“ setzten
zur erfolgreichen Flucht,
halfen wir unsren Freunden
in die rettenden Wälder am Fluss.

Fern von digitalen Kunstwelten
erkundeten wir die Natur
im Wald unsrer Heimat
und vergaßen beim Spielen
die Entbehrungen der Nachkriegs-Zeit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing