Trauma

So manches mag sich ins Gedächtnis schreiben,
obwohl wir ihm verwehrten gern den Raum.
Wenn Leid uns überfällt, soll es nicht bleiben
und dennoch sucht es uns oft heim im Traum.

Das lässt uns hilflos sein, denn kein Verdrängen
gewehrt der Seele, die verletzt, ein Heil.
Betäubt sieht sie sich ausgesetzt den Zwängen,
die sie bedrücken, schmerzen Zeil um Zeil.

Gut, wenn ein Profi Hilfe kann gewähren,
behutsam führen hin zum Selbst-Befrei’n,
damit Erlittenes nicht mag beschweren
die Zukunft eines Lebens, menschlich Sein.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Herz-Schmerz-Reimerei

Der Schlager bringt
oft ätherwärts,
wenn einer singt,
sehr gern die Terz.

In F-Dur kürt
er meist das „ Herz“,
meint, dass es rührt
im Liebesschmerz.

Glaubt, dass man’s spürt
von Mai bis März.
Jedoch der Reim führt
schlechten Scherz.

Es mach‘ das Wortgelumpe,
das schleimend da gereimt,
Gewese um die Pumpe,
die als Organ uns bleibt.

Das sagen, ungelogen,
auch jene ganz beflissen,
nämlich die Kardiologen,
die es ja wissen müssen.

© Foto u.Text :Ingrid Herta Drewing,

An Maria

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Oh, Maria, Mutter aller Mütter,
Gott gab dir und nahm dir deinen Sohn;
doch dein Glaube, auch im Leide unerschüttert,
sah ihn liebend auf dem Gottesthron.

Musstest ihn im Stalle einst gebären,
zwischen Esel dort und Rind.
Wusstest schon, er würd‘ dir nie gehören,
sprach doch Engel Gabriel vom Gotteskind.

Josef aber stand dir treu zur Seite,
und die Könige aus fernem Land
kamen zu dem Kinde, sterngeleitet,
brachten Weihrauch, Myrrhe, Herrschers Unterpfand.

Konntest wohl kaum fassen, dass das kleine Wesen,
dir am Herzen wachsend, Weltenretter sei,
dass er die, die an ihn glauben, sollt‘ erlösen,
dass er trotze Tod und Teufel selbst dabei.

Später, als die Welt begann, dein Kind zu hassen,
qualvoll tötete, es schien von Gott verlassen,
da Maria, war’s dein stummer Schrei,
der für alle Mütter in der Welt erklungen,
denen man ein Kind entrissen hat.
Auch wenn Liebe dann den Tod bezwungen,
blicken doch die Augen tränenmatt,
denn sein irdisch Leben ist vorbei.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Wiesbaden,Ausschnitt, Krippe auf dem Weihnachtsmark

Klage einer Mutter

Zur Erinnerung an die Todesopfer an der Berliner Mauer
( Peter Fechter, achtzehn Jahre alt, wurde im August 1962 beim Fluchtversuch über die Mauer in Berlin-Mitte,Zimmerstraße,in der Nähe des Checkpoint Charlie von DDR-Grenzern angeschossen und verblutete auf dem Todesstreifen vor den Augen vieler Menschen.)

Nimm hin die Blüten und den Schnee!
Sie zeigen mir das Weiß der Trauer,
und selbst die Schwäne auf dem See
erinnern mich an jene Mauer,
die tausend Tode für ihn barg.

Die Hoffnung, Freiheit zu gewinnen,
verlockte ihn zu seiner seiner Flucht.
Er war so jung und wollt‘ entrinnen
aus jenes engen Zwanges Schlucht,
um neu sein Leben zu beginnen.

Mein müdes Herz, erstarrt im Weh;
noch hör‘ ich die geliebte Stimme:
„Wir sehn uns wieder, tschüss, ich geh‘,
denk du nur nicht an alles Schlimme,
es wird nicht kommen gar so arg!“

Nimm hin die Blüten und den Schnee!
Sie zeigen nur das Weiß der Trauer,
es singen Schwäne auf dem See
das Lied von jener Todesmauer,
dort wo mit ihm mein Leben starb.

© Ingrid Herta Drewing,2014