Goldene Herbstzeit

Vorbei die Zeit der Schmetterlinge,
schon flattern Blätter bunt im Wind,
und statt der süßen Blütendüfte
würzt herb der Herbst-Rauch hier die Lüfte.
Kastanien sammelt nun das Kind,
und Drachen hoch am Himmel schwingen.

Die letzten Trauben fast gelesen;
bald schenkt man Federweißen ein.
Zu Erntedank bei frohem Feste
sind wir in Gottes Haus als Gäste
und bringen unsre Gaben fein,
demütig seiner Schöpfung Wesen.

Das Jahr beginnt den Kreis zu schließen;
oft hüllt der Nebel ein den Ort
und lässt uns karge Tage ahnen.

Doch mittags, wenn der Sonne Bahnen
verschenken ihren goldnen Hort,
darf man wohl noch den Herbst genießen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing
Wiesbaden, Am Warmen Damm

Gesang der Amsel

Mag singen auch die Nachtigall
ihr wunderschönes Lied;
zu selten ist das hier der Fall.
Doch Amselsang schallt überall,
weil sie die Stadt nicht flieht.

Hoch auf dem Dachfirst hell erklingt,
in Wipfeln hoher Bäume
ihr Solo, das sie lieblich singt,
bis dann der Abendstern aufblinkt.
Ihr Wohlgesang schenkt Träume.

Mir scheint es fast, als wolle sie
sich selbst am Klang berauschen,
vielfältig in der Melodie,
Tonfolgen reich an Harmonie,
Pausieren, um zu lauschen.

Da darf die Ringeltaube dann
den Brummbass dazu geben.
Sie kommt nur guttural voran,
und ihre Stimme, wenn sie kann,
wird rhythmisch, tief erbeben.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Erinnerung

Blauer Blick Provence,
Duft des Lavendels im Haar,
flirrende Sommer.

Ein vertrautes Bild,
das meine Träume durchwebt,
mich zärtlich entrückt.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

ERSATZHANDLUNG

Wo lassen Sie denn denken?

Ach so, auch bei KI!
Man müsst’ sich nicht verrenken
hirnmäßig meinen Sie;
denn neuronale Netze,
dort seien weit gespannt,
gesammelt Sprachen, Schätze,
die je ein Mensch benannt.

Fast so, wie sonst beim Twittern
setzt’ man nur wenig ein;
mit Fragen sei zu füttern
das „digitale Schwein“,
und ohne viel zu wittern
in Algorithmen fein,
beginnt’s zu kombinieren,
was weltweit ist im Netz.
Man darf sich dekorieren
mit fremden Federn jetzt.

Doch stößt es mal auf Lücken,
verzichtet ’s auf den Fakt,
füllt kreativ die Lücken,
sei es auch abgeschmackt.
Da sollte man doch prüfen
die Quelle, die da denkt,
damit man nicht vom „schiefen
Ergebnis“ falsch gelenkt!

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

HERBST

H erbst hält Einzug wie ein König
E ifrig seine Boten sind,
R ötend färben sie nicht wenig
B aumes Blattwerk ganz geschwind,
S treichen letzte Ernte ein
T ragen sie zur Scheune heim.

©Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

33 Jahre Deutsche Einheit

In jener Nacht, als feste Mauern fielen,
die viele schreckten, manche stumm gemacht,
da durfte dieses Bild von Einheit zielen
auf alles, was gemeinsam war, hier spielen
mit Jubel, Freudentränen, neu erwacht.

Es lagen sich die Menschen in den Armen.
Man konnte wieder Bruder, Schwester sein,
und keiner klagte da in neuem Carmen;
denn Glück und Hoffnung schenkten ihren warmen,
wohligen Mantel, der uns hüllte ein.

Der Deutschen Einheit neu nach so viel Jahren,
sie kam uns vor, als sei‘ s ein schöner Traum,
und mancher war sich deshalb nicht im Klaren,
dass Änderungen folgen; ein Bewahren
von allem lieb Gewohnten gab es kaum.

Wo Planwirtschaft bestimmte einst das Sagen,
da sollte es nun rasch Kapitalismus sein.
Mit DM schwoll so manchem da der Kragen,
Konsum bestimmte, schnell ließ sich was wagen,
manch‘ Existenzen blühten, andre brachen ein.

Ins Land sind dreiunddreißig Jahr‘ gegangen,
seit Ost und West sich wieder zugesellt.
Die Wirtschaft wuchs, und man darf doch verlangen,
dass trotz der Krisen wir im Land erlangen
für gleiche Arbeit gleiches Lohn-Entgelt!

Politisch war man weiter fortgeschritten.
die Kanzlerin, im Westen reüssiert‘,
aus Hamburg und Meck-Pomm, wohl unbestritten,
ward weltweit anerkannt, recht gut gelitten,
und viele Jahre hatte sie regiert.

Doch droht erneut ein Wahn das Land zu spalten,
es wächst die Kluft, trennt hart hier arm und reich.
Und aus dem Riss da kriechen hoch die alten
von Fremdenhass vergrätzten Spukgestalten,
tun ’s Nationalisten andrer Länder gleich.

Mir scheint, die Macht der Neoliberalen,
die Bankenkrise, hat dazu geführt,
dass (zudem wegen hoher Flüchtlingszahlen)
sich viele EU-Bürger schwarz ausmalen,
man würd‘ auch falsch von Brüssel aus regiert.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Herbstvillanelle

Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
schon spiegelt sich der Herbst im blanken See,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Noch fährt der Wind hier durch die Wipfel leise,
und goldgelb glänzt, was vormals grün wie Klee,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Doch all zu bald reißt Sturm dort seine Schneise,
lässt Blätter wirbeln, tanzen leicht wie Schnee,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Die Kraniche beginnen ihre Reise,
sie ziehen südwärts nun in großer Höh‘,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Die Krähe krächzt, sie bleibt, so auch die Meise.
Im Walde kämpfen Böcke, Hirsch wie Reh,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Vergänglich alles Leben, das ich preise,
so sagt auch mir der Herbst einmal: „ Nun geh‘!“
Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

© Foto u.Text: Ingrid Herta Drewing

HERBSTMITTAG

Der junge Herbst, gestimmt am Mittag milde,
da jetzt die Nebelschleier aufgelöst,
gefällt sich in rotgoldnem Blätterbilde;
versonnen lehnt er an der Parkbank, döst.

Schaut lächelnd auf des Sommers letzte Spur,
der roten Rosen tränenfeucht’ Gesicht,
die dort im Beete bei der Sonnenuhr
erglänzen nun in Mittags warmem Licht.

Fast feierlich und still die kleine Welt,
nur hin und wieder raschelt ’s in den Bäumen.
Die reife Frucht, die von den Zweigen fällt,
erfüllt Eichhörnchens Nüsse-Sammler-Träume.

Hier, wo bald Abschied naht im Blätterregen,
beginnt Natur die Lese, Erntesegen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden,  Kurpark

Herbstmorgen in Wiesbaden

Der Morgen kühl und Nebelschleier steigen
dort auf, wo heißer Quellen zarter Hauch
in Pirouetten schwingt und tanzt im Reigen,
umspielt der Blätter Bunt in Baum und Strauch,

Und so, als male Herbst hier Aquarelle,
lässt Sonne Licht dies feuchte Bild ergänzen,
hoch auf dem Berg die Kuppeln der Kapelle,
Wiesbadens „Taj Mahal“im Golde glänzen.

Adolph von Nassau trauernd ließ erbauen
die Grabeskirche dort für Frau und Kind,
um liebend ihrer Religion zu trauen,
dass russisch-orthodox zu Gott sie find’t.

Wenn auch die Zeit, Jahrhunderte vergehen,
bleibt doch der Liebe Denkmal schön bestehen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Trauma

So manches mag sich ins Gedächtnis schreiben,
obwohl wir ihm verwehrten gern den Raum.
Wenn Leid uns überfällt, soll es nicht bleiben
und dennoch sucht es uns oft heim im Traum.

Das lässt uns hilflos sein, denn kein Verdrängen
gewehrt der Seele, die verletzt, ein Heil.
Betäubt sieht sie sich ausgesetzt den Zwängen,
die sie bedrücken, schmerzen Zeil um Zeil.

Gut, wenn ein Profi Hilfe kann gewähren,
behutsam führen hin zum Selbst-Befrei’n,
damit Erlittenes nicht mag beschweren
die Zukunft eines Lebens, menschlich Sein.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay