An der Mosel

November, grauer Tag, doch an den Hängen
des Moseltales leuchtet Reben-Gold,
wo sich in Reih und Glied die Stöcke drängen,
und man der Lese jüngst erst Zeit gezollt.

Hier lässt der Herbst noch hell die Landschaft grüßen,
begleitet farbenfroh des Flusses Lauf,
der sanft um Umlaufberge dort darf fließen
und mäandrierend zeigt Prall-Gleithang auf.

Wo einst in Trier der Römer Kaiser residierten,
erfreut noch heute rege Stadtkultur,
und Dichter, Philosophen, sie brillierten,
Bernkastel-Kues zeigt des Cusanus Spur.

„Mosella“, von Ausonius schön bedichtet,
beglückt auch uns mit ihrem Zauber, Charme,
wenn anderswo schon Nebel trüb belichtet,
empfängt sie uns mit ihrem Bild noch warm.

© Ingrid Herta Drewing,
Foto: Ingmar Drewing

Novemberblues

An meinem Fenster rinnt der Regen,
im Nebelgrau die Landschaft liegt.
Die Bäume kahl, der Blätter-Segen
ruht welk und nass auf Wiesen, Wegen,
nachdem der Herbstwind ihn gewiegt.

Was noch vor Wochen durfte prangen
so farbenfroh in goldner Pracht,
lebt in erinnerndem Verlangen;
Novemberblues, ein Klang vergangen,
stimmt ein in viel zu frühe Nacht.

Nun hoffst du auf die hellen Tage,
wenn Sonnenwende Winter bringt
der Landschaft, die dann fern der Plage
den weißen, weichen Schnee-Pelz trage,
ihr sanftes Sternen-Lied uns singt.

© Fotos und Text: Ingrid Herta Drewing,

November 2023

Den Park, den Herbst so farbenfroh beschenkt’,
hält Nebelgrau fast bleiern nun gefangen.
Von dieser dichten Feuchte eingeschränkt
beginnt der Tag dort nicht mit goldnem Prangen.

Er fügt sich ein in jene Trauertage,
die im November finden ihre Zeit,
und passt zu Krieg, Tod, Not in stiller Klage
um Übel, das die Menschheit schier entzweit.

Du sehnst herbei wie Sonne jetzt den Frieden,
wünschst, dass kein Mensch mehr tragen muss dies Leid,
kein ferngelenkter Tod mehr sollt’ hienieden
zerstören Länder, Leben vor der Zeit.

Der Wahn, das blinde Hassen, sollte enden,
gemeinsam walten, sich zum Guten wenden.

© Ingrid Herta Drewing,
Foto Pixabay

Zeit der Sterne

Kürzlich wurde mein Buch ZEIT DER STERNE veröffentlicht, ein poetischer Begleiter durch die Adventszeit, die bald beginnt.

ISBN 978-3-758418-23-5 / 8.99 €

ZEIT DER STERNE lädt in Gedichten und Geschichten dazu ein, in die stimmungsvolle Advent-Weihnacht-und Winterzeit einzutauchen.
Beschauliche Texte für Erwachsene, aber auch Gedichte, die besonders Kinder ansprechen, lassen in vielen unterschiedlichen poetischen Formen die Facetten dieser besonderen Zeit anschaulich werden. Motive unsrer Tradition (Hirten, Krippe, Drei Weise aus dem Morgenland, Sankt Nikolaus etc.) dürfen da nicht fehlen.
Schwarzweiß-Fotos illustrieren die Texte.

Martin Luther

(Zum Reformationstag)

Bruder Martin, der du einst im Gottvertrauen
kämpftest gegen Papst und Kaiser für das Recht,
dass, wer glaubt, die Gnade Gottes darf erschauen,
Christi Liebe durch sein Wort erfährt, das echt.

Schenktest, unterstützt von einem Weisen,
uns die Bibel, hast sie übersetzt
und befreit von Fremdheit und so, leise,
unsre Muttersprache recht ins Licht gesetzt.

Hast in deinen schönen Liedern, vielen,
uns auf Deutsch gesagt, was Glauben heißt,
und die feste Burg der Evangelien
heut’ uns noch den Weg zu Christus weist.

Wolltest nie der Christen Kirche spalten,
reformieren, recht zu glauben, war dein Sinn.
Doch die Macht, der Hochmut konnte walten,
reichte blind noch zu den Kriegen hin.

Wir, die nun nach Hunderten von Jahren
sehen, was du glaubend, mutig einst vollbracht,
dürfen, Gott sei Dank, auch froh erfahren,
was ein reiner Glaube Gutes möglich macht.

© Ingrid Herta Drewing,
Foto Pixabay

Friedens-Appell

Schalom, Salam, Pax, Friede, Mir!
Lasst endlich Waffen schweigen!
Verhelft der Menschlichkeit zum Sieg
durch Frieden, nicht durch Morden, Krieg,
den Hass im Todes-Reigen!

Es gibt nur eine Welt, die hier
uns als Geschenk gegeben.
Gemeinsamkeit sollt’ sich bewähren,
einander helfen, statt zerstören,
zu schützen alles Leben!

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

 

Lindenblätter auf nassem Asphalt

Auf dem Asphalt ein Aquarell
aus goldnen Lindenherzen.
Der Regen, der als Herbsts Gesell
die Blätter raubte, war zur Stell,
bereit zu rauen Scherzen.

Doch du setzt sorgsam deinen Schritt,
willst nicht das Bild zerstören.
Als teile dir der Baum hier mit,
dass man sein Herzblatt nicht zertritt,
magst du’s als Bitte hören.

Vielleicht erinnert die Natur
dich an dein endlich‘ Wesen,
und du erhoffst, dass deine Spur
erhalten bleib‘ auch, sei es nur
als Bild, das wer wird lesen.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing,

Spätherbst

Nun, da die Tage sich im Grau verlieren,
der Nebel seine feuchten Schleier spinnt,
ersehnst du Licht, willst wohlig Wärme spüren
und hoffst, dass bald ein Tagen hell beginnt.

Da schätzt du dein gemütliches Zuhause,
beschaulich hörst du, wie Musik erklingt,
und mögen draußen auch die Stürme brausen,
erfreut dich eine Stimme, die schön singt.

Genießt die Poesie mit allen Sinnen,
und viele Bücher stehen dir bereit.
Das Abenteuer Lesen darf beginnen,
entführt dich aus der grauen Nebel Zeit.

Hörst still, was deine innre Stimme spricht,
hältst Glücksmomente fest, auch im Gedicht.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

 

Nebelgrau

So grau wie der Nebel sind meine Haare,
denn kahl wie die Bäume bin ich noch nicht.
Zwar kommen das Jahr und ich in die Jahre,
der Winter nimmt bald den Herbst in die Pflicht.

Doch bleibt mir das Lächeln, das Morgenrot,
das Blau des Himmels, die Sonne, das Licht.
Und wehen jetzt Blätter sanft in den Tod,
erfasst mich dies kalte Stürmen wohl nicht.

Ich trag’ auf dem Halse noch immer den Kopf,
den Weg geh ich grade, kenne mich aus;
ergreife die Glücksmomente beim Schopf
und berge sie alle im Seelenhaus.

Und naht hier der Winter, schickt Kälte ins Land,
dann wärmt mich Erinnern mit gütiger Hand.

© Foto und Text: Ingrid Herta Drewing

Abschiedsgeschenk

Es malt der Herbst so farbentrunken
und wirkt dies opulente Bild
des Lebens, das nach grauem Unken
des Nebels, dessen Kraft gesunken,
im Sonnenlicht den Tag erfüllt.

Dies Spiel der Farben, Augenweide,
ein himmlisch‘ Blau blickt aus dem See,
und kräuselt Wind ihn, blinkt Geschmeide,
dort wo sonst übers Haar der Weide
den Schleier wirft die Nebelfee.

Ich schau beglückt, berauscht von Tönen
der Farben, deren warme Glut
Vergänglichkeit scheint zu verhöhnen,
hell leuchtend hier mit allem Schönen,
was die Natur verschenkt so gut.

Da liegt im Abschied schon Beginnen,
die Wiederkehr, und sei’s noch weit,
wird doch in Frühlings zartem Sinnen
erneut das Leben licht gewinnen,
und Winter weicht der neuen Zeit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing