Verkannte Liebe

Ein Frosch an eines Teiches Rand
saß dort ganz selbst verloren.
Er hoffte auf ein Liebespfand,
das er sich auserkoren.

Denn jeden Tag um zwölf Uhr zehn
sah er sie hier vorüber geh’n
und glaubte, dass sie ’s wüsste,
dass was geschehen müsste.

Im Märchen war es schön zu lesen,
von einem Frosch, der Prinz gewesen,
das sollte sie doch wissen
und ihn jetzt endlich küssen.

Das Mädchen sah den Frosch nicht an,
traf sich mit einem andern Mann,
den sie verliebt nun küsste.
Ach wenn sie es nur wüsste!

Was ihr da alles nun entging:
Ein Prinz, der sie gar lieb umfing,
vom Schlösschen ganz zu schweigen,
das ihr wohl wäre eigen!

Wer glaubt denn heut noch solche Märchen?
Verliebt ging aus dem Park das Pärchen
und ließ den Frosch allein,
der sah es traurig ein:

Wer auf der Welt will reüssieren,
muss richtig auch kommunizieren.
Ein Blick allein sagt meist zu wenig,
wenn du noch Frosch bist und kein König.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Vampirphobie

Einst war ein Mädchen sehr traurig
und starrte stumm vor sich hin.
Es hatten Vampire schaurig
getrübt ihr Seele und Sinn.

Sie kamen aus Filmen gekrochen
und schauten aus Büchern heraus.
Obwohl’s stark nach Knoblauch gerochen,
bevölkerten sie ihr Zuhaus‘.

Wohin sie auch ging und schaute,
sah sie nur Zähne und Blut,
sodass sie keinem mehr traute,
sei er ihr auch noch so gut.

Was später aus ihr geworden,
das weiß man leider nicht mehr.
Mag sein, dass in frommem Orden
sie fand unterm Kreuz Ruh‘, Gewähr.

© Ingrid Herta Drewing,2017

Verregnete Sommerferien

Vorbei das Spiel der Sonnenuhren!
Es meldet sich der Tag in Grau
zu einer dichten Wolkenschau.
Des Regens nasse, kalte Spuren,
sie rinnen hin in Stadt und Au.

Zu früh scheint Sommer zu verblassen.
Wir spüren schon des Herbstes Hauch;
aus den Kaminen steigt der Rauch.
Wer will die Seinen frieren lassen?
Das wäre gegen jeden Brauch.

Der Kinder Ferien? Beschaulich,
für’s Freibad ist es viel zu kalt.
Im Regenmantel durch den Wald,
mag sein für Ältere erbaulich,
da googeln Jungen, Mädchen halt.

Auch greift nun mancher gern zum Buche.
Es zeigt ihm Phantasie die Welt,
das Abenteuer, das erhellt,
beglückt so, trotz der Sonnensuche,
den Menschen, wenn der Regen fällt.

© Ingrid Herta Drewing,2014