Abend in der Marktstraße

Version 3

Novemberabendhimmel dunkelblau,
die Schaufenster, ein Leuchten, warmes Fluten;
als sei’s gemalt, so will es mich anmuten,
denk an Van Goghs Caféterrassen-Schau.

Zwar fehlen hier im Bild des Südens Sterne,
die Tische, Stühle, Menschen im Café;
doch oben führen Lampen als Laternen
den Blick zum Michelsberg in sanfter Höh‘.

Der Spielzeugladen, dessen Licht dort golden
im Vordergrund hell auf die Straße fällt,
lädt Käufer ein und hat in Warendolden,
ein Straßenangebot bereit gestellt.

Ich steh‘ gebannt, als sähe ich die Straße
zum ersten Mal in ihrem wahren Licht.
Beschaulichkeit, die wir so oft vergaßen,
zeigt mir wohltuend hier ihr Angesicht.

© Text u.Bild / Ingrid Herta Drewing,2017

Künstlerschicksal

Man rühmt sie heut’, die Toten,
die sich der Kunst ergeben;
einst war verkannt ihr Streben.
Obszön nun Angebote,
posthum vermarktet’ Leben.

Für ’nen Van Gogh Millionen,
das Scheckheft wird gezückt,
ein Ego sich beglückt.
So arm musst Vincent sterben;
Es hieß, er sei verrückt.

Sehr viele, die gelitten
und doch trotz ihrer Qualen
die Welt in Farben malend,
sind Künstler unbestritten,
berühmt in den Annalen.

Nur das, was überdauert,
sein Können trefflich zeigt,
die Schatten nicht verschweigt,
hat, wo Vergessen lauert,
sich hin zur Kunst geneigt.

© Ingrid Herta Drewing