Archive for the Category Klartext

 
 

Demokratie

Da schreiten sie zur Urne, folgen dem Gewissen.
Schön wäre es, doch der Fraktionen Zwang,
auch Sehnsucht, Sicherheit, ein Ruhekissen,
hilft hier wie dort beim Stimmenfang.

Wer kontrolliert noch? Die Gewaltenteilung
erscheint zwar wohl im Kern formal gewahrt,
jedoch das Parlament in seiner Peilung
folgt der Regierungsmehrheit hier im Staat.

Darum entscheidet, handelt, wer regiert.
Das mag im Großen Ganzen sinnvoll sein,
doch wenn Regierung da den Überblick verliert,
steht doch das Volk dann für den Schaden ein.

Zwar hat sich in der BRD erwiesen,
dass Repräsentative Wirkung zeigt,
jedoch bei Fakten wie der Schuldenkrise,
wo man zu faulen Kompromissen neigt,
wünsch‘ ich mir Volkes-Willens-Expertise,
weil wir die Folgen schließlich alle tragen
von dem, was man so  eilig wird beschließen.

Wir  haften für politisches Versagen.
Das wäre es wohl rechtens, uns zu fragen!

© Ingrid Herta Drewing

Virtuell leben

Wenn vieles  nur noch virtuell vorhanden,
wenn dort, wo einstmals Bücher standen,
die Leere gähnt, weil sämtliche Folianten
der E-Book- Nutzung doch zum Opfer fielen,
wenn wir gemeinsam nur noch online spielen
und körperlos von fern kommunizieren,
dann haben wir wohl, blind in unsrem Streben,
der Existenz den neuesten Kick zu geben,
in unsrem Leben wenig zu verlieren.

© Ingrid Herta Drewing

Untergangsszenario

Sie schüren Ängste und gefallen sich
in Panikmache, Furcht ist ihr Gewand.
Sie zerren Katastrophen auf den Tisch,
als seien Götter sie, die Heil verbannt‘.

Berufen sich auf Weissagung, sehr alte,
2012 sei Untergang der Welt,
beschwören Inkaworte, Truggestalten,
als hätten sie ’s im Katalog bestellt.

Schon folgen ihnen Menschen, arg beklommen,
und mauern sich in tiefen Bunkern ein.
Wer möchte, sollte Untergang denn kommen,
auf solche Weise noch am Leben sein?

Das frag’ ich mich und muss darüber staunen,
wie sich der Mensch im Wahn vergaloppiert.
2012 wird man, dann wissend, raunen,
dass dieser Untergang zu andrer Zeit passiert.

Ingrid Herta Drewing

Rettungsschirm

Ein Sonnenschirm? Ein Regenschirm?
Ein Gleitschirm soll’s wohl sein,
damit beim Absprung alles firm
im Gleitflug kommt herein.

Doch hängt man in der heißen Luft,
erschlafft vom Schuldentragen.
Die Rating-Brüder seh’n die Gruft,
sie schaufeln schon seit Tagen.

Vom Rettungsschirm wird viel gesprochen.
Die Steuerzahler sind es leid,
dass jene, die den Murks verbrochen,
ihr Schäfchen holten schnell zur Seit’.

Schon wieder basteln Spekulanten
in der Finanzwelt an der Krise.
Die Kuh, die sie zum Melken fanden,
steht ja noch brav auf ihrer Wiese.

Ein Kampfstier sollte dort wohl sein,
wie einstmals Zeus in der Gestalt,
nehm’ auf die Hörner jene fein.
Europa hätt’ dann sich’ren Halt.

Ingrid Herta Drewig

Superschlank

Warum muss Frau sich überwinden,
sich körperlich so reduzieren?
Mir scheint’s, als wolle ihr Verschwinden
man langsam modisch induzieren.

Zunächst wohl waren’s weiche Männer,
dem Knabenhaften zugetan;
sie prägten Mode, fanden Kenner,
Klein-Mädchen-Flair und Jugendwahn.

Und Frauen internalisieren
nun durch die Werbung dieses Bild,
„schlank zum Vergehen“; sie hofieren
die Schönheitsnorm und sind gewillt,

das, was natürlich vorgegeben,
dass etwas wächst und voll erblüht,
durch ’zig Diäten aufzuheben,
um ’s Standard-Schönheitsbild bemüht.

Als wollten Rosen Knospen bleiben,
Kakteen nur in Dornen stehen,
versucht sich Frau fast zu entleiben
und lässt ihr Leben so vergehen.

Ingrid Herta Drewing

Gedanken beim Einkauf

In diesem Kühlfach liegt eine Makrele,
starrt mich aus ihren toten Augen an
so vorwurfsvoll, als raubt’ ich ihr die Seele.
Ich weiß, dass ich den Fisch nicht essen kann.

Ach würden doch Gefahren hier auf Erden
begegnen warnend uns mit solchem Blick;
ganz sicher würde uns dann nicht gefährden
so vieles, was uns wird zum Missgeschick.

Jedoch erscheint so manches Böse gut,
wirkt harmlos, die Gefahr wird leicht verkannt.
So Kernkraft, unbezähmbar, nicht geruht
ein braver Flaschengeist zu sein, der stets gebannt.

Der Mensch verdrängt sehr gern auch die Gefahr.
Erst wenn der Tod ihm droht, sieht er es klar.

Ingrid Herta Drewing

Nachgefragt

Wie wichtig sind euch Wissen und Erkennen,
Verantwortung, Wahrhaftigkeit und Fleiß?
Wer pflegt der Macht nur hinterher zu rennen,
nach Art der Speichellecker nichts konkret benennend,
der fordert irgendwann zu hohen Preis.

Statt vollmundig in Worthülsen zu tönen,
ist Sachlichkeit, Bescheidenheit gefragt,
besonnen handeln, statt der Schau zu frönen,
sich klug verhalten, Feinde zu versöhnen,
dem Krieg abschwören, der mit Leid nur plagt.

Entscheiden, mit der Zukunft im Visier,
nicht nur den Tag erfolgreich, satt beenden.
Das Morgen unsrer Kinder haltet ihr,
wie alle, die hier leben, so auch wir,
doch heute schon, verfügend, in den Händen.

Gefragt sind Menschlichkeit und klarer Blick,
Wahrhaftigkeit gepaart mit viel Geschick.

Ingrid Herta Drewing

Verblendung

Wir leben so, als sei die ganze Erde
für uns alleine da, für uns gemacht,
als ob Ressourcen könnten sich vermehren
wie Schafe, zahlreich und in großen Herden.
Wir beuten alles aus, oft unbedacht.

Und nichts als Abfall lassen wir zurück,
verklappen Altöl rasch auf hoher See,
den Plastikmüll in Massen, Stück für Stück
im Meer versenkt, Elektrokram gezückt,
und Weltraumschrott umkreist uns in der Höh’.

Wir kommen schnell von einem Ort zum andern
und schicken Waren ständig auf die Reise.
Doch während wir so just-in-time salbandern
und sorglos rasend durch Regionen wandern,
zerstören wir das Erdenklima leise.

Vernichten so, was währte Jahrmillionen,
der Pflanzen, Tiere, Menschen Lebensraum,
als hätten wir ’ne zweite Welt zum Wohnen
und brauchten diese Erde nicht zu schonen.

Wann endet endlich dieses Wahnsinns Traum?

Ingrid Herta Drewing

Bienentod

Es stirbt die Biene; und wo bleiben
dann Honig und die Frucht der Blüten?
Warum darf weltweit man vertreiben
das Leben durch die Pestizide ?

Begreift man denn noch immer nicht,
die Wechselwirkung der Natur?
Wer ’s übersieht in dumpfer Sicht,
begibt sich auf des Todes Spur.

Wir machen vieles hier zunichte,
aus Hochmut und durch Unverstand
und sind dabei, uns selbst zu richten,
geh’n hilfreich eignem Tod zur Hand.

Ingrid Herta Drewing

Profitgier

Statt Maß und Qualität zählt nur die Masse,
und die Profitgier ist ’s, die stets bestimmt,
Gesundheitsfragen ignoriert, die Kasse
des Geiers muss gefüllt sein, wenn er nimmt.

Der Nimmersatt scheut nicht das Kriminelle.
Was schert ihn andrer Menschen Wohl und Weh,
ob Gift im Futterfett, wenn auf die Schnelle
er viel Gewinn abschöpft durch bösen Dreh

Der Staat wirkt achtlos, fehlende Kontrollen
verstärken der Betrüger Tatmotiv.
Die Bürger, machtlos, wenn sie essen wollen
Gesundes, werden selbst wohl produktiv.

Wohl dem, der sich im Garten Hühner hält
und nicht verseuchte Eier kriegt für ’s Geld.

Ingrid Herta Drewing