Archive for November 2022

 
 

Herbstsonntag

Ich gehe durch die sonntagsstillen Straßen,
wo Herbst den Morgen kühl und klar bestimmt.
Ein Blätterteppich ziert den grünen Rasen,
und durch die Wipfel schon die Sonne glimmt.

Ein zartes Blau darf da den Tag erhellen,
und Farbenfülle, opulente Pracht
zeigt sich im Blattwerk schön an vielen Stellen,
wo Wind und Regen nicht ihr Werk vollbracht‘.

Ich nehm‘ dies‘ Herbstbild auf mit allen Sinnen;
mein Weg führt durch den Park zur Kirche hin.
Beschaulich darf ich hier den Tag beginnen
und fühle, dass ich heute glücklich bin.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Am Warmen Damm

Herbstmorgen

Es sagt die Nacht dem Mond Adieu,
begrüßt den Dämmermorgen,
der noch verschleiert überm See
im Nebel ruht verborgen.

Still liegt das Land, als ob es träume
von Herbstes farbenfrohem Licht,
das dieser zaubert in die Bäume,
wenn Sonne zeigt ihr hell Gesicht.

Und bald erwacht der junge Tag,
neigt frisch und klar zu Scherzen,
pflückt mit dem Wind in der Allee
der Linden goldne Herzen.

Er lässt sie tanzen, wirbeln wild,
dann sanft zu Boden schweben.
Und Herbst malt so sein Abschiedsbild
von Lust und Leid im Leben.

© Foto u. Text Ingrid Herta Drewing,

Spätherbst

Es rauscht der Nordwind durch die Räume,
nachdem der Tag im Nebelfahl
als Spukgestalten zeigte Bäume,
nass, schwarz mit Ästen, die nun kahl;
vor Reif und Frost zum Schutz geschoren,
doch Farbenvielfalt ging verloren.

Der Spätherbst macht es mir verständlich,
dass hier auf diesem Erdenrund,
so vieles, was schön lebt, ist endlich,
verblasst, was vormals laut und bunt.
Doch darf aus Sternenstaub sich heben,
ergrünen wieder neues Leben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Herbstflirt

Ich könnte mich in diesen Herbst verlieben,
in seine Farbenpracht, der Blätter Bunt,
die warmen Strahlen, die den Tag durchsieben,
wenn hoch im Blau der Sonne golden Rund.

Jedoch ist dieser Bursche recht durchtrieben,
wirft Nebelkerzen, hüllt hier ein die Stadt.
Bald wird die Malkunst in den Wind geschrieben,
nach kurzer Vernissage welkt Blattwerk matt.

Da muss, was jetzt so schön erscheint, zerstieben.
Er gibt sich dann meist frostig, feucht und kalt,
wird kahle Bäume barsch ins Blickfeld schieben,
verleiht Vergänglichkeit erneut Gestalt.

Obwohl er auch mit Frost noch nach Belieben
aus Nebelschleiern Silber-Raureif wirkt,
wär‘ ein Verlieben maßlos übertrieben.
Ein kurzer Flirt nur, mehr scheint nicht verbürgt!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Am Warmen Damm

Herbst-Hoffnung

In grauen Schleiern liegt das Tal verborgen,
Novemberblues sich eingefunden hat;
kein Flügelschlag, die Krähen ruhen matt.
Es döst der Tag benebelt in den Morgen.

Da mag man sehnend Sonnenlicht erwarten,
damit,was trüb und traurig, sich bald klärt,
des Herbstes helles Leuchten wiederkehrt,
sein golden rotes Farbenspiel im Garten.

Zum Abschied schenke er die Augenweide,
den Mittag, der sich zeigt so Licht erfüllt,
erglänzen lässt das Laub schön als Geschmeide.

Auf dass die Hoffnung als Versprechen gilt,
und die Natur uns dann im Frühlings-Kleide
beglückt mit neuem lebensfrohen Bild!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Märchen

Die Märchen, die wir lieben,
das Leben nimmt sie fort;
und alles, was geblieben,
ist der Erinnerung Hort.

Doch auch das stille Hoffen,
es werde eines wahr;
die Pforte ist noch offen,
das Kind in uns sieht’s klar.

Noch immer wacht es schauend,
beglückt, wenn Zauber winkt
und uns, dem Guten trauend,
ein Märchenschluss gelingt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbst-Leuchten

Als sei Vergänglichkeit ein Truggebilde,
das uns zuweilen nur im Traum befällt,
lässt Herbst den Tag erstrahlen, goldne Welt
erglänzen Wälder, Gärten und Gefilde.

Die Blätter fliegen, tanzen lind im Winde,
da Sonne trieb den Nebel aus dem Tal;
November trifft hier heute recht die Wahl,
dass alles Trübe, Traurige verschwinde.

Ich weil‘ im Park, dort wo die Blätter schweben,
und blick‘ hinauf, als führ‘ ich himmelwärts
in diesem zarten, sanften Ginkgo-Regen.

Es rüsten sich die Bäume für ein Leben,
das neu ergrünen, blühen wird im März,
wenn die Natur erwacht im Frühlings-Segen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Morgenröte im November

Als schwebten Engel in der Morgenröte,
ein Wolkenhauch in Herbstes Himmelblau!
Es ist, als ob der junge Tag hier böte
den früh Erwachten eine lichte Schau.

Noch liegt die Stadt im Schlaf, fast herrscht hier Stille;
doch bald weckt Sonne alle Schläfer auf.
Die Fenster blinken in der goldnen Fülle,
und Leben nimmt allmählich seinen Lauf.

Ich steh auf dem Balkon, blick‘ in die Runde,
genieße froh gestimmt den Augenblick,
der mir hier nun zu früher Morgenstunde
beschert beschaulich dieses kleine Glück.

Es schenkt Natur uns Schönes auch zur Zeit,
wenn wir es sehen, halten uns bereit.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Spätherbst-Idylle

Jetzt kommt die Zeit, da schätz‘ ich warme Puschen
und heißen Tee, mit Kandis gut gesüßt,
wenn abends schon vermummte Schatten huschen,
und auf den Straßen man nur flüchtig grüßt.

Das warme Nest behaglicher Gefühle
erwartend, eil‘ ich rasch nach Haus,
zieh mit dem dicken Mantel, Schalgewühle,
auch alle Tagessorgen hurtig aus.

Im lauschig warmen Zimmer sitzen, lesen,
leise Musik  erklingt, umspielt mein Ohr,
und du in meinem Arm, geliebtes Wesen,
liest mir beglückt aus schöner Dichtung vor.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,

Zu Allerheiligen und Allerseelen

Und nichts ist von Dauer, was wir erkiesen,
alles nimmt hin ohne Mitleid die Zeit,
die Wasser, die tosend zum Meere fließen,
die Pflanzen, die blühend und welkend sprießen.
Uns steht hier vieles nur sehr kurz bereit.

Sogar die Sterne, die himmlisch erglänzen,
sterben von Anbeginn in ihrem Licht.
tragen es dennoch so weit und kredenzen,
weiten uns Menschen die irdischen Grenzen,
ein Himmel voll Hoffnung und Zuversicht.

Zuversicht wächst in vertrauendem Glauben,
dass gütig uns, wenn das Leben einst fällt,
der Herrgott in seiner Gnade erlaube,
die Seinen zu sein, wenn, fern allem Staube,
geborgen in seiner Hand er uns hält.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,