Frühlingshoffnung

Nun dürfen wir die milden Lüfte spüren
und freuen uns an Frühlings Blütenlicht,
das strahlend hell in allen Farben spricht,
uns weit auch öffnend viele Hoffnungstüren.

Und es ermuntert uns in Wald und Flur,
auch in den engen Winkeln kleiner Gassen,
dass wir zum Neubeginn uns leiten lassen,
gleich jedem Pflanzenspross in der Natur.

Denn immer wieder ruft das junge Leben,
reicht uns die Hand, wenn zögerlich wir sind,
wie einem kleinen, furchtsam’ Kind,
das zärtlich tröstend auf den Arm wir heben.

So tut uns allen doch der Frühling gut,
Gottes Geschenk, erweckend Lebensmut.

Ingrid Herta Drewing

Hoffnung

Wer kann, der mag dies’ Lied wohl singen,
auch wenn der Morgen stumm die Saiten rührt,
und bleiern mit gelähmten Schwingen
der Phönix sich kann kaum verdingen,
da er sich zögerlich im Grau gebiert.

Solange noch ein Mensch auf Erden
die Stimme hebt und hoffend nicht verzagt,
gesellen sich zu ihm Gefährten
und wagen sich in neues Werden,
erreichen mutig wieder Klang und Tag.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingserwachen

In jedem Sonnenstrahl, der nun erglüht,
regt sich ein Pflänzchen und erblüht.
Die kleine Welt erwacht im Frühlingssehnen.
Auch du, verwundert, wie dir nun geschieht,
singst wieder mit des Lebens Lied,
befreit von alten Stützen, Winterlehnen.

Hinaus lockt dich die Luft, die nun so mild,
der frische Duft, das Blütenbild,
die Vögel, die im Garten lieblich singen.
Fühlst dich beschwingt wie sie, so froh erfüllt.
Dies’ Lied, das deinen Kummer stillt,
dringt tief dir in die Seele, zärtlich klingend.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingshoffnung

Als habe es nicht Sommer, Herbst gegeben,
so winterbleich, erstarrt liegt noch das Land.
Verwunschen, fast in Stille schweigt das Leben
und zeigt dem Himmel seine leere Hand.

Verhalten schaut die Sonne in den Wald
und nistet im Geäst der kahlen Bäume;
doch zärtlich flüstern Knospen, dass wohl bald
erfüllen sich die lang gehegten Träume.

Es wird, wo jetzt nur Braun und Grau regieren,
des Frühlings Grünen alles Leben wecken.
In Wald und Wiese, Feldern, Gartenhecken
erklingt ein Zwitschern, helles Jubilieren.
Kein Vogel mag sein Können dann verstecken.

Im zarten Hoffnungskleid zeigt sich die Erde
und singt ihr blühend Lied vom neuen Werden.

Ingrid Herta Drewing

Glücksklee

Als Kinder waren wir bestrebt,
doch möglichst dieses Blatt zu finden,
das uns vierblättrig, hell im Klee
dann sollte unser Glück verkünden.

Du fandest nie dies Glückskleeblatt,
hast deine Hoffnung leicht gelupft
und dann das fünfte, grüne Blatt
still, Schicksal spielend, ausgerupft.

So ist es wohl im Leben oft,
wir fördern selbst, was uns beglückt.
Wer sich ergibt und gar nicht hofft,
den weist Fortuna gleich zurück.

Und wenn sie dir auch prophezeien,
dein Stern, der stünd’ im falschen Haus,
dann weißt du, sie sind alle Laien.
Dein Stern, er leuchtet, lacht sie aus.

Ingrid Herta Drewing

Zum Jahresende

Des Jahres Tage sind gezählt.
Der Blick zurück lässt Wünsche offen,
gebiert zugleich das stille Hoffen,
dass Glück im neuen Jahr uns wähl‘.

Prognosen gibt es, im Orakel,
da findet mancher seine Sicht.
Noch ahnt er nichts von dem Debakel,
das ihn alsbald nimmt in die Pflicht.

Sylvesterträume in den Lüften;
der Lärm den Dämon dräng’ zurück!
Jedoch in unsren engen Klüften,
dort knüpfen wir uns selbst den Strick.

So vieles, was wir tun, entscheiden,
ist wichtig, zeigt des Lebens Weg.
Die Gier, den Hass gilt ’s zu vermeiden,
die Liebe sei uns Brücke, Steg!

Dann wird vielleicht das nächste Jahr
am Ende für uns wunderbar.

Ingrid Herta Drewing

Hoffnung

Das sanfte Lächeln einer Rosenblüte
erstrahlt dir zart im grauen Morgenlicht.
Du schaust sie an, erfährst im Blick die Güte,
die leise dir von neuer Hoffnung spricht.

Solange es noch Schönes, Blühen gibt,
verbannst du besser traurige Gedanken,
denn deine Seele lebt und liebt
die Rose trotz der spitzen Dornenranken.

Ingrid Herta Drewing