Flamenco

Was wir einander sind, das weiß die Liebe,
die zärtlich uns in ihren Armen hält,
ihr Lächeln schenkt, als ob ein Engel übe
ein Harfenlied, das Gott für uns bestellt.

Jedoch als dionysisches Verlangen
erwacht in uns Flamenco-Leidenschaft,
der Kastagnetten Rhythmen sind im Schwange,
verzaubert von Gitarren, Sängers Kraft.

Und wir verfolgen, finden uns im Tanz;
mein Blick gilt deinem, und vereint wir führen
die Suada unsrer Schritte, spür’n uns ganz,
bevor wir aneinander uns verlieren.

Um uns sodann in stillerem Erwachen
als Liebespaar ganz herzlich anzulachen.

Ingrid Herta Drewing

Abschied

Auf einen Sprung, nur eine Stippvisite,
wir hatten uns so lange nicht gesehen,
Doch treuer Liebe sehnsuchtsvolle Bitte
gewährte ein paar Wochen Glücksgeschehen.

Der Abschied schmeckte bitter, noch ein Wort,
ein letzter Kuss, du musstest zügig gehen.
Schon trugen dich Gedanken von mir fort,
jedoch dein Blick versprach das Wiedersehen.

Wir wissen ’s nicht; das Leben wird es weisen,
ob dein Beruf in jenem fernen Land
dich zwingt auch weiterhin zu langen Reisen.
Ich lege dies Geschick in Gottes Hand.

Er möge schützen dich, dein Leben hüten,
auf ihn vertraue ich und seine Güte.

Ingrid Herta Drewing

Dein Leben

Du, Mensch, bist dir der Endlichkeit bewusst,
glaubst ins Unendliche zu schauen, Sterne,
die leuchtend dich erreichen hier im Frust,
verklären dir ein Leben in der Ferne.

Jedoch dein Glück liegt hier auf dieser Erde,
die reich an Leben, Schönheit dich umgibt
und täglich neu erblüht in ihrem Werden,
das tausendfach verspricht: Du wirst geliebt.

So nimm es an als ein Geschenk, dein Leben,
das dir von Gott hier für die Zeit geliehen,
bis du dereinst wirst gänzlich zu ihm ziehen,
um ihm dies kostbar Gut zurückzugeben.

Er möge dann in seiner Gnade, Güte
Dein selig Ich in Ewigkeit behüten.

Ingrid Herta Drewing

Erntedank-Gebet II

Wir bringen, Herr, die Gaben;
demütig danken wir
für alles, was wir haben.
Des Lebens volle Waben
sind uns geschenkt von dir.

Gib uns die Kraft, zu hüten,
was du uns anvertraut
in deiner Gnade, Güte,
die Erde in der Blüte,
die wir so schön erschaut.

Dass wir das Maß erkennen,
das hier gewährt den Schutz,
die Fehler klar benennen,
von Habgier uns nun trennen
und eitlem Eigennutz.

Damit die Erde bleibe
dies’ blaue Paradies,
soll uns Vernunft verschreiben
ein lebenstüchtig’ Treiben,
das aus der Liebe fließt!

Ingrid Herta Drewing

Auf der Schaukel ( zu Renoirs Gemälde)

Im Park, dort auf der Schaukel hält sich jene Schöne,

die hier Renoir in ihrem Liebreiz  eingefangen;

ein zarter Frühlingstraum in schillernd hellen Tönen,

ihr Kleid mit Schmetterlingen, Schleifen, blau behangen

Zu ihrer Rechten wir zwei junge Männer sehen.

Der eine scheint ganz fasziniert von ihrem Blick,

kann ihrem Zauber wohl nur zögernd widerstehen,

der andere, am Baum, lehnt lässig sich zurück.

Am Rande dieser Gruppe steht das Kind, ein Mädchen.

Es schaut abwartend, brav den Großen zu,

bemerkt noch nicht, wie fein gesponnen sind die Fädchen,

die hier so glühend schweben in des Sonntags Ruh.

Ingrid Herta Drewing