Novemberspaziergang

Nebel gefiedert
kauern des Herbstes Vögel
im kahlen Geäst.
Trübe fließt Laternen-Licht,
und Konturen verschwimmen.

Schweigende Schritte,
nasse Blätterteppiche.
Noch wärmt der Mantel.
Doch Kälte greift ins Gesicht
und schwingt hauchzarte Fähnchen.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Winters Zeichen

Die letzten Blätter pflückt er von den Bäumen,
Nordostwind kühlt November, hält ihn klar.
Des Nachts greift Frost harsch um sich, wehrt den Träumen
des goldnen Herbstes, der nur kurz hier war.

Die Rosen, lieblich‘, zarte Blühgeschöpfe,
hat nun der Raureif silberweiß verziert.
Sie neigen im Erstarren ihre Köpfe,
und Schönheit in Vergänglichkeit gefriert.

Dort, wo die Wasservögel jüngst noch schwammen,
trägt glasklar jetzt der Teich die Haut aus Eis.
Bald darf man Schlittschuh fahren, und zusammen
genießen wir den Winter hier in Weiß.

Auf kahlen Ästen, alles auszuloten,
nun thronen stumm die Krähen, Winters Boten.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,

Herbstvillanelle

Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
schon spiegelt sich der Herbst im blanken See,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Noch fährt der Wind hier durch die Wipfel leise,
und goldgelb glänzt, was vormals grün wie Klee,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Doch all zu bald reißt Sturm dort seine Schneise,
lässt Blätter wirbeln, tanzen leicht wie Schnee,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Die Kraniche beginnen ihre Reise,
sie ziehen südwärts nun in großer Höh‘,
nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise.

Die Krähe krächzt und bleibt, so auch die Meise.
Im Walde kämpfen Böcke, Hirsch wie Reh,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.

Vergänglich alles Leben, das ich preise,
so sagt auch mir der Herbst einmal: „ Nun geh‘!“
Nur eine sanfte Spur im ew’gen Kreise,
und Wehmut singt mir ihre Abschiedsweise.
Ach könnt ich zaubern, wäre gerne Fee!

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing, 2018

Am Warmen Damm im Winter

Wies,Warda, Eisloch Kopie

Es griff des Winters kalte Hand
der Landschaft ins Gesicht,
amphibisch Bach und Teich er fand.
Die Haut aus Eis noch nicht verschwand
trotz heller Sonne Licht.

Am Wasserloch die Vogelschar
Nilgänse,Krähen, Enten
sich sammeln, heischen Futter gar,
das hier manch kleines Kind,fürwahr
erfreut mag ihnen spenden.

Sogar die Möwen, die am Rhein
sind eigentlich zu Haus,
sich mischen munter da mit ein
und picken auch die Krumen fein,
nicht gehen leer so aus.

Das alles schwimmt und watschelt dort
Am Warmen Damm; Wiesbaden
wird hier zu vieler Vögel Hort,
die friedlich warten brav vor Ort
auf neue Futter-Gnaden.

© Fotos u. Text / Ingrid Herta Drewing,2018

Nasskalter Dezembermorgen

Kaminfeuer

Es will der Morgen mir heut fremd erscheinen,
das, was noch gestern ganz von Schnee verhüllt,
erwacht nun kaum im trüben Nebelbild,
mag sich mit Regen und dem Wolkengrau vereinen.

Wohl dem, der sich zu Hause weiß geborgen,
sich wärmen darf am Feuer im Kamin,
dieweil zum Müllberg hin die Krähen zieh’n,
sich dort im Abfall um ihr Futter sorgen.

Doch du genießt nun wohlig diese Stille,
dies Innehalten, das der Winter schreibt.
Wenn auch sein Wetter unbotmäßig bleibt,
wehrt jenem Trübsinn stets dein starker Wille.

Das Stövchen leuchtet, wärmt dir deinen Tee,
und draußen regnet’s, rieselt’s sanft wie Schnee.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

November im Park

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Spätherbstnachmittag,
Enten- Krähen- Versammlung,
Sondierungsgespräch.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing

Wiesbaden, Wilhelmstraße und Park

Spätherbstmorgen

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Nebel, Novembergesicht,
Schleier verhangen der See,
feuchtkalt der Morgen spricht
leise von Abschied und Weh.

Verstummt die Farbengesänge
des Herbstes im Sonnenlicht;
über die goldenen Hänge
wabert die milchgraue Schicht.

So, als sei Schweigen erkoren,
singt heut‘ kein Vogel zum Fest,
Krähen nur sitzen verloren
oben im kahlen Geäst.

Und dennoch nähr‘ ich dies Hoffen,
dass bald ich Klarheit erschau.
Es zeige der Himmel uns offen
die Wintersonne im Blau.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Vögel im winterlichen Park

Wiesbaden, Am Warmen Damm im Januar
Winter,warda,Bank, Vögel (3)

Drei Möwen, sonst am Rhein zuhaus‘,
verlegten munter ihr Quartier.
Am Warmen Damm, sie fanden’s raus,
gibt es noch Futter für und für.

Gemeinsam mit dem Nilgans-Clan
gehn sie sogar im Schnee spazieren.
Auch Enten, Tauben friedlich nah’n,
um Brotkrumen zu schnabulieren.

Und wenn ein Kinderwagen naht,
versammeln sie sich zum Gewinn,
denn schnell sind Krümchen dann parat,
ein Kinderhändchen wirft sie hin.

Umringt von einer Vogelschar,
verteilt das Kind erfreut das Brot
den Wartenden, die brav sogar,
geduldig sind trotz Winternot.

© Foto und Text / Ingrid Herta Drewing,2017

Wintermorgen im Nerotal

Nerowinter_o

Zart grüßt der Tag;die Morgenröte
im Osten mischt sich ins Türkis.
Als ob ein Aquarell er böte,
die Farbe in Pastell zerfließt.

Vom Reif die Landschaft angehaucht,
ein Silberweiß, nur sanft Kontrast.
Sich kräuselnd tanzt ein zarter Rauch,
der überm Dache Himmel fasst.

Im Frost ruht vieles noch erstarrt.
Auf der Kastanie kahlen Ästen,
da sitzen traulich und apart
zwei Krähen still als Wintergäste.

Wenn Sonne wärmend sie belebt,
erheben sie die schwarzen Schwingen;
und kurz ihr knarrend Krächzen schwebt
mit ihnen über allen Dingen.

© Foto u.Text / Ingrid Herta Drewing

Spätherbst im Kurpark

November nähert sich dem Ende,
und Spätherbst hüllt vernebelnd ein,
was unlängst glänzte im Gelände,
hell leuchtend schenkte Farbenbrände,
uns konnte Augenweide sein.

Als sei nun seine Welt verloren,
verlassen ich den Park heut‘ sah.
Die Bäume dunkel, kahl geschoren,
in Nebel, Kälte nass verschworen,
gespenstig in der Dichte da.

Verlassen, trübes Licht, es schweigen
die Vögel, auch die Papageien,
die sich sonst grün und munter zeigen,
hoch in die alten Wipfel steigen
und keck, laut in die Weite schreien.

Sogar das Krächzen jener Krähen,
die gestern noch gezankt, verstummt,
kein Elsterkeckern in der Nähe,
kein Flügelschlag, was ich erspähe,
verharrt in Stille, grau vermummt.

© Foto u. Text / Ingrid Herta Drewing