Archive for the Category Gesellschaftskritisches

 
 

Kein Wintergedicht

Der Schneekanonen
teure Winterkosmetik
auf grünender Alm.

In Dubais Hitze
die Skipiste hinter Glas,
Wüste Schneespiele.

Tourismusgeschäft,
Millionen für den Kunstschnee,
Retortenwinter.

© Ingrid Herta Drewing

Schattenwelt

Sie hören
das Gras wachsen
und sehen
die Wiese nicht.

Sie kaufen
Plastikblumen,
reinigen sie
regelmäßig.

Sie platzieren
Porzellanpuppen
artig
auf dem Sofa
und bemerken nicht,
dass sie bereits
tot sind.

© Ingrid Herta Drewing

Adventstage

Jetzt schmücken sie schon emsig Markt und Straßen
mit Tannen, Sternen, Kerzen, hellem Licht;
das Dunkel zu verdrängen, nicht vergaßen
erwartungsfroh sie des Advents Gesicht.

Besonders der Kommerz wirkt da beflügelt;
des Lichtes Flut der City dies bekennt.
Jedoch, was hier so lautstark, ungezügelt
erstrahlt, sich wohl vom Sinn der Weihnacht trennt.

In Andacht Christi Ankunft zu erwarten,
gelingt sehr vielen nicht im Festtagsstress,
als zögen wild die Bagger durch den Garten,
man es nicht wachsen, schön erblühen lässt.

Lernt innehalten, nicht um Ware laufen,
denn was Bestand hat, kann kein Mensch sich kaufen!

© Ingrid Herta Drewing

Maßlos

Kein Tier, auch keine Pflanze hier auf Erden
verbraucht vermessen das, was sie nicht hat;
allein der Mensch mag töricht sich gebärden,
ist maßlos, stellt sich dar als Nimmersatt.

Der Erde Schätze werden ausgeraubt,
und Menschen, Tiere, Pflanzen müssen leiden.
Ein Wesen, das nicht mehr an Zukunft glaubt,
scheint dennoch seinen Kindern sie zu neiden.

Es gilt die Schöpfung sorgsam zu bewahren;
nur diese Erde schenkt uns Lebensraum!
Des Wachstumswahnes nichtiges Gebaren
beachtet diesen Tatbestand wohl kaum.

Wir müssen endlich die Balance finden,
harmonisch uns ins Leben einzubinden.

© Ingrid Herta Drewing

Feststellung

Kapitalismus

zeigt seine dunkle Seite.

Pecunia olet.

© Ingrid Herta Drewing

Berühmt

„Berühmt“, bekannt, doch  irgendwie befremdend.
Es liegt etwas Beschlossenes darin,
als sei ein Leben dadurch abgestempelt,
sei festgelegt hier die Person, ihr Sinn.

Oft ist ’s auch wirklich so bei VIPs im Leben.
Sie werden von den Medien malträtiert.
Was sie so tun, wie sie sich täglich geben,
das wird belauscht, erdacht und publiziert.

Sie sind die Quelle der modernen Märchen,
die Regenbogenpresse sich erdacht,
erfunden Liebe, Trennung vieler Pärchen.
Das Sandmännchen sich hell ins Fäustchen lacht.

Da gibt es Leser, und in deren Augen
streut man beharrlich hier den feinen Sand.
Oft sind es Menschen, die an sich nicht glauben
und träumen von Berühmten hier im Land.

Sei froh, dass du nicht Prinz, Prinzessin bist,
dass man dich hier als Millionär nicht nennt!
Denn du kannst frei sein, dieses Glück doch ist
viel besser, als wenn dich ein jeder kennt!

© Ingrid Herta Drewing

Tausend und ein Rettungsschirm

Wer schenkt uns einen Rettungsschirm?
Wer schützt uns vor dem Regen,
den mancher Spekulanten Hirn
sich noch erträumt als Segen?

Zu mehren stolz ihr Kapital,
das viele kleine Leute,
als deren fette Beute,
nun zahlen ohne Steuerwahl!

Da lebt die halbe Welt auf Pump,
auch unsre Schulden wachsen.
Die Zukunft wird verkauft, und plump
tritt man uns auf die Hachsen.

Wer rettet wen hier? frag’ ich mich
Die Wissenschaft zerstritten,
Europas schönes Angesicht
zeigt auch schon arge Schnitte.

Wie soll denn eine Währung bleiben
in ihrem Wert stabil,
wenn kontrovers das Wirtschaftstreiben,
das Ganze wirkt labil.

Wo Lug und Trug die Listen führen,
da glaubt man auch nicht der Bilanz.
Vertrauen könnt’ zusammenführen;
jedoch das ward verscherzt fast ganz.

© Ingrid Herta Drewing

Virtuell leben

Wenn vieles  nur noch virtuell vorhanden,
wenn dort, wo einstmals Bücher standen,
die Leere gähnt, weil sämtliche Folianten
der E-Book- Nutzung doch zum Opfer fielen,
wenn wir gemeinsam nur noch online spielen
und körperlos von fern kommunizieren,
dann haben wir wohl, blind in unsrem Streben,
der Existenz den neuesten Kick zu geben,
in unsrem Leben wenig zu verlieren.

© Ingrid Herta Drewing

Warnung

Weh’ euch, wenn der Kassandra Ruf verhallt
und ihr das Ungeheuer holt ins Land!
Da zeigt sich bald verheerend, was verkannt;
nicht zähmbar, unbeherrschbar, die Gewalt
ergreift, zerstört euch mit der kalten Hand.

Ihr fasst sie nicht, die unsichtbaren Strahlen,
der Tod kriecht schleichend, fahl in euer Haus,
und löscht in euren Körpern Zellen aus,
erzeugend Krebs mit allen seinen Qualen.
Dann wird euch deutlich spürbar dieser Graus.

Ingrid Herta Drewing

Unbehaust

Der Abend schlummert schon in den Zypressen,
die schattig grün wie Wachsoldaten stehen,
als habe man sie und das Haus vergessen,
in dem sich selten nur ein Mensch lässt sehen.

Nur hin und wieder öffnet sich die Tür.
Verwalter prüft, ob alles ist im Stand,
damit der Eigentümer sommers hier
sich wohl fühlt in dem ihm sonst fremden Land.

Der Dörfler Sorgen kümmern ihn dort kaum.
Er wird wohl hier nicht wirklich Wurzeln schlagen.
Das Haus ist für ihn nur Besitz, ein Raum.
Die Immobilie dient als Geldanlage.

Er ist trotz vieler Häuser unbehaust,
weil ihn das Kapital lockt stets hinaus.

Ingrid Herta Drewing