Archive for the Category Besinnliches

 
 

Tulpentopf

Ich seh’ dem Leben gern beim Wachsen zu,
und Tulpen mir erlauben dies seit Tagen.
Zur Rettung vor dem Frost ins Haus getragen,
sie keimten auf, nun wachsen sie im Nu.

Schon blicken aus dem grünen Blätterbette,
geschlossen noch, die Blütenkelche rot.
Es ist, als ob sie wer gerufen hätte
und sie sich reckten zart, vom Licht umloht.

Drei kleine Tulpen nur im Blumentopf,
jedoch sie können mir die Hoffnung geben,
das Glück und Freude selbst dem ärmsten Tropf
beschert sind durch die Kraft, die schenkt das Leben.

Nun warte ich noch einen Tag verhalten,
erlebe sie in leuchtendem Entfalten.

Ingrid Herta Drewing

Felix Krull

Warum nur fällt mir nun ein Felix Krull,
von dem der Dichter Mann anschaulich schrieb?
Manieren hatte er, der junge Mann,
auch war er angesehen und beliebt.

Ja, er verstand es, Märchen zu erfinden,
und viele glaubten, das sei alles wahr,
obwohl er doch bestrebt war, zu begründen,
den Weg nach oben auf der Leiter klar.

Man schätzte ihn und seine Umgangsformen,
verzieh ihm, sah ihm manches gnädig nach.
Er schuf sich, spielte lässig mit den Normen,
sah im Betrug nur kleine Fehler schwach.

Wie würde man ihn heutzutag’ erleben,
frag’ ich mich, sollte es ihn wirklich geben?

Ingrid Herta Drewing

Gefallen

Dezembermond schien fahl durch dürre Zweige,
die weißen Nebel stiegen auf am See.
Ein kalter Wintertag ging nun zur Neige,
und müde stapften sie durch tiefen Schnee.

So fern der blaue Himmel, Heimat, Sonne,
seit Jahren schon im Krieg, im fremden Land.
Kein Abenteuer war es, Leid, zerronnen
der Jugend schöne Tage, hier verbannt.

Sie wurden nicht gefragt, es ward befohlen,
verbrämt mit Worten, Vaterland und Pflicht.
Sie von der Schulbank einfach wegzuholen,
das, wahrlich, störte die Kriegstreiber nicht.

Und oftmals flossen heimlich nachts die Tränen,
obwohl ein“ Junge tapfer ist, nicht weint“.
Die Todesangst, das Heimweh und das Sehnen
verschloss man wie den Schmerz, hat’s nicht gezeigt.

Seit Wochen schon auf Nachschub wartend, Brot,
das Mündungsfeuer nah, des Feindes Licht,
der auch nur kannte Krieg und Blut, den Tod.
Warum nur liebt der Mensch den Menschen nicht?

Er sah den fahlen Mond, die dürren Zweige,
die Todesschleier ruhend auf dem See.
Sein Leben ging in dieser Nacht zur Neige,
ganz plötzlich lag, erschossen, er im Schnee.

Ingrid Herta Drewing

Resurrexit

Ein Engel, golden, schwebt am Kapitell
und hält ein Marmorspruchband in die Höhe,
drauf steht geschrieben „resurrexit“ ,hell;
der Herr ist auferstanden, ich verstehe.

Der Botschaft gilt nicht nur des Engels Freude,
mich, dies betrachtend, rührt der Glaube an,
obwohl ich doch in dem modernen Heute
die Engel kaum noch sehen, finden kann.

Und dennoch glaub’ ich an dies’ Auferstehen.
Ein „stirb und werde“ lehrte mich die Zeit,
so darf ich auch, von Gott geleitet, gehen
in Christi Liebe eine Ewigkeit.

Und kann an Ostern mit den Engeln singen;
dies’ „ resurrexit“ wird mir Hoffnung bringen.

Ingrid Herta Drewing

Verblendung

Wir leben so, als sei die ganze Erde
für uns alleine da, für uns gemacht,
als ob Ressourcen könnten sich vermehren
wie Schafe, zahlreich und in großen Herden.
Wir beuten alles aus, oft unbedacht.

Und nichts als Abfall lassen wir zurück,
verklappen Altöl rasch auf hoher See,
den Plastikmüll in Massen, Stück für Stück
im Meer versenkt, Elektrokram gezückt,
und Weltraumschrott umkreist uns in der Höh’.

Wir kommen schnell von einem Ort zum andern
und schicken Waren ständig auf die Reise.
Doch während wir so just-in-time salbandern
und sorglos rasend durch Regionen wandern,
zerstören wir das Erdenklima leise.

Vernichten so, was währte Jahrmillionen,
der Pflanzen, Tiere, Menschen Lebensraum,
als hätten wir ’ne zweite Welt zum Wohnen
und brauchten diese Erde nicht zu schonen.

Wann endet endlich dieses Wahnsinns Traum?

Ingrid Herta Drewing

Beschaulicher Wintertag

Als habe sie der Nebel hingehaucht,
erscheinen Bäume schemenhaft im Schnee
Dort, wo die Enten unlängst noch getaucht,
da ruht erstarrt, verschlafen nun der See.

Ich drehe hier versonnen meine Runde.
Schnee rieselt sanft und hüllt mich zärtlich ein.
Am Vogelhäuschen zwitschern frohe Kunden.
Ihr Liebreiz lädt mich zum Verweilen ein.

Das sind des Winters Seiten, die ich mag,
wenn alles ist zur Einkehr still bereit;
auch wenn ein blauer Himmel schirmt den Tag,
und Sonne strahlend krönt die Jahreszeit.

Erscheint mir doch jetzt friedlich die Natur
und als Geschenk des Lebens helle Spur.

Ingrid Herta Drewing

Eschers Bilder

Und deine Bilder, die die Blicke streifen,
sie leiten gaukelnd zu verwirrter Sicht,
verzaubern, lassen uns in Räume schweifen,
die wir erschauen, aber fassen nicht.

Denn immer, wenn wir meinen, klar zu sehen,
erkennen wir, uns blendet nur der Schein,
und alles ernste, wissende Verstehen
entlässt uns fragend nach dem wahren Sein.

So ist ’s mit vielem, was wir kühn behaupten;
es löst sich plötzlich auf, ist Schall und Rauch.
Wir bleiben Suchende, selbst wenn wir glaubten
am Ziel zu sein, den Sinn zu wissen auch.
© Ingrid Herta Drewing

Symmetrie

Die Symmetrie in vielen Lebenswelten
beeinflusst wohl auch unsren zarten Blick.
Wir suchen unbewusst, wo sie mag gelten,
und finden sie auch in der Liebe Glück.

Sogar in unsrer Träume Phantasie
erwarten wir zwei Hälften, die sich gleichen,
um dann, ergänzend sich, in Harmonie
Vollkommenheit, ein Ganzes zu erreichen.

Was Schönheit ist, wird oft durch sie gewahr.
Wir merken ’s kaum, sie setzt uns auf die Spur,
beglückend wird das Wunder offenbar;
facettenreich zeigt ’s täglich die Natur.

Und auch dein Spiegelbild davon erzählt,
wenn es dich anblickt und recht kritisch quält.

Ingrid Herta Drewing

Labyrinth

Wir spielten im Labyrinth
verschlungener Buchsbaumhecken,
unbändig wie Kinder sind,
an Sommertagen Verstecken.

Die Hecken wuchsen zu Wänden,
schon hatten wir uns verirrt,
da nahmen wir uns bei den Händen,
von Angstgefühlen verwirrt.

Doch so konnten wir es ertragen,
dass uns verborgen der Pfad,
wir wollten mutig was wagen
und wussten uns dann auch Rat.

Gemeinsam denkend und hoffend,
gelang es, den den Weg zu finden.
Seitdem sind die Schranken offen,
die Richtung ist zu ergründen.

Ingrid Herta Drewing

Dankgebet

Herr, da sich neigen meine Erdentage –
ich fühle, der Zenit ist überschritten –
will ich, obwohl mein Herz gebiert noch Fragen,
dir danken für des Lebens lichte Mitte.

Auf dieser Erde hier als Mensch zu leben,
inmitten reicher Vielfalt der Natur,
als Teil davon, in Liebe sich verwebend,
in Freude auf des Lebens schöner Spur.

Da mag der Tag nun ruhig ins Dunkel gleiten;
auch ohne Mond und Sterne in der Nacht
wird mich mein Glaube leuchtend hell geleiten
auf deinem Gnadenweg, der Liebe Macht.

Geborgen ganz in deinen Vaterarmen,
getragen sanft von Güte und Erbarmen.