Archive for the Category Natur

 
 

Verhüllter Sommer

Es fliegen die Schwalben und schweben;
noch weilt der Sommer im Land,
obwohl dichte Wolken verweben
das Licht mit grauweißer Hand.

Und dennoch die Milde der Lüfte,
ein Schauern, der Farben Rausch,
Lavendel, Petuniendüfte
Blauregen lieblich im Plausch.

Die Amsel singt hell dort im Garten,
und Sonnenblumen im Saft,
am Wege gelb blühend, erwarten
der strahlenden Sonne Kraft.

Ingrid Herta Drewing

Der Rosenbusch

Es gab da einen Rosenbusch im Garten,
der leuchtete im Sommer goldenrot;
und Blüte reihte sich an Blüte,
als könnte er ’s vor Freude kaum erwarten,
bis ihn ihr zartes Feuer hell umloht.

Und Blüte reihte sich an Blüte,
getragen sanft von dunkelgrünen Blättern.
Die Zweige wiegten sich im leichten Wind.
Er strahlte glänzend noch im Herbst in Güte
bei Sonnenschein und Regenwetter.

Die Zweige wiegten sich im leichten Wind,
nur selten zeigten sie die spitzen Dornen.
und ich erfreute mich am Blütenflor,
geborgen in des Sommers Glück, ein Kind,
nichts ahnend von der dunklen Macht der Nornen.

Ingrid Herta Drewing

Wetterkapriolen

Nun spielen hier verrückt die Jahreszeiten.
Der Frühling kam als Sommer jüngst daher,
und jetzt im Juli zeigt das Wetter Seiten,
als ob der Herbst schon angekündigt wär’.

Mich würde es nicht wundern, wenn der Winter
hier im September schritte eisig aus,
und im Dezember Frühling, gleich dahinter,
uns grünend zeigte hellen Blütenflaus.

Im Umbruch scheint das Weltenklima wohl;
vielleicht verschleiert Asche der Vulkane
(viel Wasser kondensiert am Aerosol)
auch momentan nur was am Wetterplane.

Wie auch das Wetter hier nun immer sei,
wir schauen, stehen machtlos nur dabei.

Ingrid Herta Drewing

Sommeradonisröschen

So zart und filigran wie deine Blätter,
blickst du nun blühend aus dem grünen Nest,
Adonisröschen, wächst im Sommerwetter,
in Wiesenwogen feierst du dein Fest.

Ich finde dich zu meiner Freude wieder
im Blumenkasten auf dem Fensterbrett.
Hier singst du deine zarten Blüten-Lieder;
der Wind hat dich herbei gebracht so nett.

Geschenke macht er und legt in die Erde
so heimlich manches Samenkorn hinein.
Ich wart’ geduldig, hoff’, dass daraus werde
ein Pflänzchen schön wie du, mein Röselein.

Ingrid Herta Drewing

Grauer Sommersonntag

Wie grau doch dieser Sonntagshimmel blickt,
da wirkt sogar der Amselhahn geknickt,
der dort hoch auf dem Dachfirst sitzt und schaut,
wohl seinem eignen Flöten heut’ misstraut.

Es ist fast still, nur einer Taube Gurren
klingt guttural aus weiter Ferne her,
und schläfrig ruft des schwarzen Katers Schnurren
Dornröschenstimmung, hundertjährig’, her.

Das mag man nicht als Sommer hier benennen,
obwohl der Pflanzen Grün dagegen hält.
Es fehlt das Lächeln; Leichtigkeit erkennen
wir heute kaum in unsrer kleinen Welt.

Jedoch wir wissen, auch dies’ wird wohl enden,
bald streifen Sonnenprinzen durch ’s Gelände.

Ingrid Herta Drewing

Am Bach im Sommer

An Baches Ranft des Hahnenfußes Leuchten,
ein Dottergelb, das hell ins Wasser strahlt,
als habe hier ein Maler in die Feuchte
sein schönstes Aquarell so licht gemalt.

Vergissmeinnicht, die blau daneben blicken,
sind zart und dennoch kraftvoller Kontrast,
darüber dunkelbraun, herab hier rückend,
der Erle alter, knorrig grober Ast.

Dort, wo der Bach wird eng, rasch strömend fließt,
bewegt sich in dem Wasser die Forelle,
die hier die klare Frische wohl genießt
auf ihrem Weg zur lieb gewohnten Stelle.

Ich halte gerne hier im Wandern inne,
erlebe froh den Ort mit allen Sinnen.

Ingrid Herta Drewing

Jagd

Die Mauersegler
schwirren durch der Straße Schlucht
auf Insektenjagd.

***

Ein Wanderfalke
kreist über der Schwalbenschar
beäugt sein Jagdfeld.

Ingrid Herta Drewing

Sommerbilder

Wolkenloses Blau
Ein Jet zeichnet am Himmel
flüchtige Streifen.

***

Nachtschattengewächs
Doch rote Früchte leuchten.
Tomatensommer

Ingrid Herta Drewing

In Wiesbadens Rabengrund

Der Sommerwind streift zärtlich durch die Wiese
und kämmt ihr sanft das grüne Blumenhaar.
Ich stehe, sehe, fühl’ im Paradiese
mich hier in dieser Luft, die sonnenklar.

Am Taunushang im lichten Rabengrund,
umgeben von Kastanien, hohen Buchen,
erleb’ ich die Natur im weiten Rund
und finde, was in Fernen andre suchen.

Die Rehe äsen hier zur Abendstunde,
sie finden vor der Dämmerung sich ein,
wenn weithin Stille herrscht, und keine Kunde
von Wanderern nun trübt ihr traulich’ Sein.

Ergriffen schaue ich auf dieses Bild,
und Freude, Glück und Demut mich erfüllt.

Ingrid Herta Drewing

Sommerfreude

Nun trägt der Sommer sie auf goldnen Armen,
die kleine Welt, vertrauensvoll sie blickt,
fühlt sich geborgen in den klaren, warmen
und blauen Tagen, hell ins Licht geschickt.

Die Felder wogen sanft im milden Winde,
und auf den Wiesen duftet würzig Heu.
Der sternenklaren Nächte Luft, so linde,
erweckt den Zauber alter Träume neu.

Im stillen Park die Lindenbäume blühen,
ein Honiglied summt in den Wipfeln, zart
die süßen Düfte durch die Lüfte ziehen,
umschmeicheln uns auf wunderbare Art.

Und lächelnd, dort im Hag der wilden Rosen,
erwartet uns des Sommers zärtlich Kosen.

Ingrid Herta Drewing