Gone with the Wind

Das Leben schreibt die seltsamsten Geschichten,
und dennoch oft profan, folgt man Berichten.

Es habe sich in Schottland zugetragen,
als man beim Whiskey Bechern saß zusammen,
im Übermut gewettet sozusagen,
wem es gelänge, seines Windes Flamme
selbst zu entzünden, so den Sieg zu wagen.

Man ging in Ian’s Scheun‘, so war ’s beschlossen,
der sich vor allen schon als Sieger sah ,
zumal zuvor viel Bohnen er genossen,
da sei ja wohl auch Gasentwicklung da,
die wollte er entflammen, fest entschlossen.

Den Freunden wollt‘ das Spielchen nicht gelingen.
Doch Ian prahlte lachend: „ Nicht so kurz
wie eure Lüftchen, die hier harmlos singen,
werd ich vorführen meinen Feuerfurz
und dann damit gewiss den Sieg erringen!“

Stand vor dem Stroh, tat blank sich präsentieren,
nahm’s brennend Streichholz und mit einem Hurz
ließ er den Darmwind raus, und im Flambieren
schoss feurig hell heraus aus ihm sein Furz,
der schnell im Stroh ein Feuer konnte schüren.

Und eh man sich versah, konnt‘ hilfreich rühren,
man rettete sich schnell für Frau und Kind,
das Feuer loderte, war heiß zu spüren,
die Scheun‘ verlor’n „ Gone with the Wind!“
und zeigt‘, wohin solch falsche Siege führen.

© Text: Ingrid Herta Drewing,
Foto: Pixabay

Im Wind

Himmlische Tänze
an der Schnur, Wind getrieben,
Herbstes Drachenspiel.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Pixabay

Gebirgsbach

Ein klarer Tag, des Wildbachs Wasser fließen
gemächlich hin und spiegeln Himmels Blau,
umsäumt von Waldes grüner Sommerschau,
bemoosten Steinen, die am Ufer grüßen.

Beschaulich scheint der Bach im Bett zu liegen;
jedoch die Kalkstein-Blöcke, groß und grau,
am Rande und inmitten hier als Stau,
sie lassen ahnen , wie die Wasser siegen.

Schon ein Gewitterregen lässt sie brausen,
als Sturzbach tosend, gurgelnd talwärts sausen,
ein Spielen mit Geschiebe und Gestein.

Und mancher Baum, der sich zuvor konnt‘ halten,
fällt durch die reißend strömenden Gewalten
hinab ins Nass, verliert sein grünes Sein.

© Text: Ingrid Herta Drewing
Foto: Eric Hildebrandt( mein ältester Sohn)
Schweiz / Jura

Septembermilde

Nun gibt es doch dies’ Licht, dies’ himmlisch’ Blau;
September schenkt uns milde Sommertage,
weist ab die müde Regenwolkenschau
und wehrt auch dichter, grauer Nebelplage.

Da darf das leichte Seidenkleid noch punkten,
bevor es tief sodann im Schrank verschwindet.
Und allen die von kühlen Zeiten unkten,
wird jetzt der Wärme Wohlgefühl verkündet.

Zwar ist’s ein Aufschub nur, denn auf den Wiesen
hält Herbstzeitlose sich schon zart bereit,
auch Astern in den Gärten hier begrüßen
mit Sternenblick die dritte Jahreszeit.

Wir sehn das Spiel gelassen und genießen
das Glück der hellen Stunden, die verfließen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Wiesbaden, Nerotal

Herbstfrühling

Abschied des Sommers,
doch mein schöner Rosenstock
beginnt zu blühen.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Herbstglück

Mein Rosenstock erwacht in neuer Blüte,
als ob statt Herbstbeginn nun Frühling wär‘.
Er schenkt dies Leuchten, Düfte süßer Güte
auf dem Balkon im hellen Lichte her.

Jetzt, da schon viele Vögel südwärts zogen
und Nebel morgens grau das Tal erfüllt,
folgt Flora strebend noch dem Sonnenbogen,
der hier den Wunsch nach Wärme mittags stillt.

Es ist, als schenke Herbst ein neues Leben,
das Laub in Büschen, Bäumen golden glüht;
da darf mein Blick sich freudig hier verweben,
von Farben trunken klingt dies Abschiedslied.

Des Phönix Sang folgt feurig die Natur;
wir ahnen schon im Welken Frühlings Spur.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Abend am Meer

Der Abend naht, die Sonne sinkt,
schenkt Horizont und Himmel Röte.
Ein Glutball, der im Meer ertrinkt,
dies‘ Feuerlied, das leuchtend klingt,
zum Abschied sich noch schenkend böte.

Des Mondes Spiel mit den Gezeiten,
die Ebbe geht, es kommt die Flut;
das Meer, es tanzt, Schaumkronen gleiten,
und silbern, weiß darf sich ausbreiten
das weite Wasser vor der Glut.

An der Nordsee / Sylt

© Text: Ingrid Herta Drewing
© Foto: Eric Hildebrandt

Indian Summer

Es schenkt jetzt dieses späten Sommers Morgen
der Landschaft jenen zarten, lichten Glanz,
in dessen Milde ich mich wähn‘ geborgen,
fernab von Mühe, Leid, Corona- Sorgen
inmitten Indian Summers hellem Kranz.

Im Park die Birke grüßt in goldner Seide,
und feuerrot erstrahlt der Ahorn-Baum;
wo eine kleine Brücke schön ziert beide,
den Teich, den Schwarzbach, eine Augenweide,
fast märchenhaft ein farbenfroher Traum.

Da fühl‘ ich dieses Glück, ein Innehalten
lehrt mich zum Sommer-Abschied die Natur.
In ihrer Schönheit, ihrem Wandel, Walten
darf hier auch ich mir meinen Tag gestalten,
andächtig folgen ihrer sanften Spur.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Sommerversprechen

Im klaren Bergsee
das Versprechen des Himmels,
die Sonnentage.

Schmetterlingsworte,
zart in die Lüfte gehaucht;
der Rosen Träume,
wehen im Winde dir zu,
duftende Sehnsuchtslieder.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Zeitreise

Zeitreisen sind, das stellt‘ man fest,
doch überaus gefährlich.
Wenn man sich darauf mal einlässt,
wird vieles unentbehrlich.

Denn manches wird so sehr vermisst,
weil man daran gewöhnt,
dass die Natur uns Labsal ist,
uns hier den Tag verschönt.

Der Wünsche drei, gewährt im Traum
von einer guten Fee,
die wurden wahr, sie glaubt es kaum,
fand wieder sich am See.

Die Schotten sprechen ja von Loch,
dort sollte Nessi sein.
Ein Saurier aus dem Wasser kroch,
und sie war ganz allein.

Das riesengroße, wilde Tier,
viel höher als ein Haus,
stand tatsächlich ganz nah vor ihr,
da nahm sie schnell Reißaus .

Sie rief die Fee und wünscht‘ sich weg,
sagt‘: „ Bitte, hol mich raus!
Bring mich zurück zum Heimatfleck,
2090 steig ich aus!“

Das war wohl mit Bedacht gewählt,
denn im realen Leben
war’n ihre Tage schon gezählt,
sie würd ’s da nicht mehr geben.

Sie fand sich im Museum wieder,
sah Schüler vor Vitrinen,
in welchen man Modelle sah
von Bäumen Sonn‘ beschienen.

Sie fragten, was das Grüne sei,
das hinterm Glas zu sehen.
Ihr Lehrer, der dort stand dabei,
gab ihnen zu verstehen:

„ Das nennt man Wald“, erklärte er,
„den hat es früher mal gegeben,
bevor der Klimawandel sehr
veränderte hier alles Leben.

Man wohnte damals nicht wie heut
in Höhlen tief verborgen.
Das Sonnenlicht ward nicht gescheut;
es gab kaum Hitze-Sorgen.

Mein Großvater hat mir erzählt,
wie er als Kind dort spielte,
die hohen Bäume ausgewählt,
sich wohl im Schatten fühlte.

Die Luft sei dort so mild und rein
und wohltuend gewesen,
man konnte dort so glücklich sein,
von Sorgen, Gram genesen.“

„Warum gibt es den Wald nicht mehr,
wer hat ihn denn zerstört?“
fragte ein Schüler, atmend schwer,
es schien, er war empört.

„Die Menschen haben das getan,
zu sorglos war ihr Ruh’n,
obwohl sie Wälder brennen sah’n,
war nachlässig ihr Tun.

Die Temp’ratur stieg weltweit an,
die Trockenheit nahm zu,
Unwetter traten auf den Plan,
das Klima kippt‘ im Nu.“

„Ist das der Grund, warum wir nun
in tiefen Höhlen leben?
Kann man denn wirklich gar nichts tun,
den Wald zurückzugeben?“

Sie sah den Lehrer ratlos dort,
drum bat sie schnell die Fee,
dass sie sie bringe heim sofort,
zu ihrer Zeit sie steh‘.

Sie traf dort froh auf Wald und Feld
und war sich sehr bewusst,
jetzt konnt‘ man retten noch die Welt,
verhindern den Verlust.

Sie könnte sich zusammentun
mit Menschen gleich gesinnt,
kein Klimamuffel sollte ruh’n,
sich ändern ganz geschwind.

Damit auch noch in ferner Zeit
es Wälder, Pflanzen, Tiere gebe,
und die Natur noch halt‘ bereit
den Menschen hier ein gutes Leben.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing