Warnung

Weh’ euch, wenn der Kassandra Ruf verhallt
und ihr das Ungeheuer holt ins Land!
Da zeigt sich bald verheerend, was verkannt;
nicht zähmbar, unbeherrschbar, die Gewalt
ergreift, zerstört euch mit der kalten Hand.

Ihr fasst sie nicht, die unsichtbaren Strahlen,
der Tod kriecht schleichend, fahl in euer Haus,
und löscht in euren Körpern Zellen aus,
erzeugend Krebs mit allen seinen Qualen.
Dann wird euch deutlich spürbar dieser Graus.

Ingrid Herta Drewing

Glaubensfrage (An G.B.)

Glaubst du ernsthaft, dass es nur die Leere gibt
und das Ich, gezeichnet, nur sein Leben schreibt,
dass uns wirklich niemand außer uns auch liebt
dass von uns einmal nur graue Asche bleibt?

So wie alle Sterne, die verglühen,
noch nach Jahren Licht ins All aussenden,
mögen wir in unserem Bemühen
unsre Tage leben und verschwenden?

Ist dies alles wirklich nur ein kurzes Spiel:
Leben, Liebe, Leiden, Nehmen, Geben,
wir unkundig, ohne Wissen, Weg und Ziel
tausendfach uns in der Welt verwebend?

Nein, ich glaube, dass uns Gottes Gnade, Geist
seinen Weg in Jesus Christus liebend weist.

Ingrid Herta Drewing

Japans Leid

Wird dieses Leid denn wirklich niemals enden?
Wann kommen Erde und der Mensch zur Ruh?
Wann darf man wieder mit den eignen Händen
das halten, was jetzt ward zerstört im Nu?

Ach endeten doch bald auch Furcht und Not,
all dieses unheilvolle, dunkle Drängen,
das stets begleitet wird von nahem Tod,
die Strahlgefahr des Gaus mit ihren Zwängen!

Ja, Nippon weint. Die vielen stummen Tränen,
sie rinnen tief hinein ins stolze Herz;
und dennoch wahrt man Haltung, manche wähnen,
dass man zerbrechen müsst’ an solchem Schmerz.

Herr, Gott, wir bitten, sorge für die Rettung
und halte dort der Erde Beben an
damit auch die verheerende Verkettung
Tsunami, Gau nicht noch mehr schaden kann!

Ingrid Herta Drewing

Gedanken beim Einkauf

In diesem Kühlfach liegt eine Makrele,
starrt mich aus ihren toten Augen an
so vorwurfsvoll, als raubt’ ich ihr die Seele.
Ich weiß, dass ich den Fisch nicht essen kann.

Ach würden doch Gefahren hier auf Erden
begegnen warnend uns mit solchem Blick;
ganz sicher würde uns dann nicht gefährden
so vieles, was uns wird zum Missgeschick.

Jedoch erscheint so manches Böse gut,
wirkt harmlos, die Gefahr wird leicht verkannt.
So Kernkraft, unbezähmbar, nicht geruht
ein braver Flaschengeist zu sein, der stets gebannt.

Der Mensch verdrängt sehr gern auch die Gefahr.
Erst wenn der Tod ihm droht, sieht er es klar.

Ingrid Herta Drewing

Getrübte Frühlingsfreude

Als gäbe es ihn nicht, den Tod auf Erden,
so blüht sich nun der Frühling in mein Herz.
Ich fühl’ beglückt erglüh’n dies’ neue Werden,
vergesse kurze Zeit das Leid, den Schmerz.

Doch unbeschwert, wie sonst, kann ich nicht sehen
den Blütenrausch, der hier ziert meine Welt;
weiß ich doch, dass in Japan, Libyen gehen
die Menschen in den Tod, der viele fällt.

Ich wünscht’, ich hätte einen Zauberstab,
mit dem ich könnt’ das Unheil hier auf Erden
verbannen in ein fernes Sternengrab,
damit die Menschen alle glücklich werden.

Doch leider bin ich nur ein kleiner Wicht,
so bitt’ ich Gott, dass er verlass’ uns nicht.

Ingrid Herta Drewing

Hochmut kommt vor dem Knall

Ein Fahrradreifen, alt, doch rund,
der hatte einen Platten;
er stand in der Garage und
bedauert‘ sein Ermatten.

Der Autoreifen neben ihm,
der schaut auf ihn verächtlich,
sagt’ so was würd’ ihm nie passier’n,
dafür sei er zu mächtig.

Für ihn gäb’ es kein Risiko,
nichts könnt’ Gefahr ihm bringen,
da er stabil sei, sowieso
stünd’ über allen Dingen.

Jedoch am gleichen Tage noch,
dort auf der Autobahn,
ist er, der unverwüstlich, doch
in Nägel rein gefahr’n.

Der Reifen platzte schließlich laut,
das Auto kam in Not.
Der Fahrer, der erstaunt geschaut,
entging nur knapp dem Tod.

Den Reifenrest entsorgte man
(er hatte kaum Profil).
Ja, wer sich gar zu sicher ist,
gerät ins falsche Spiel.

Ingrid Herta Drewing

Schneefall

Es fällt der Schnee, er fällt
und deckt, als kühles Leichentuch,
dies’ arg zerstörte Land nun zu.
Getötet, wütend, hat im Nu
des grässlichen Tsunamis Fluch,
und noch bebt Japans Welt.

Erneut schnürt Tod den Schuh.
Fukushiama stellt
ins Licht der Kernkraftwerke Ruch.
Es hat die Menschen heimgesucht
des Todes strahlender Bijou.
Jod, Cäsium, Strontium hält
in Atem, unsichtbar, die Welt.

Und Schnee, unschuldig weiß,
er fällt und fällt.

Ingrid Herta Drewing

Erdbeben und Tsunami

Verlierst den Boden unter deinen Füßen,
die Erde bebt und reißt, es bersten Mauern.
Dich überfällt die Angst, ein tiefes Schauern,
so todesstarr kann keine Träne fließen,
und die Gefahren wachsend auf dich lauern.

Die Flammen lodern, schwarzer Qualm, die Brände,
sie breiten sich in Windeseile aus.
Du fliehst verzweifelt aus dem trauten Haus,
und krachend stürzen schon herab die Wände.
Es wütet heiß und wild der Feuersgraus.

Willst hin zum Strand dich retten, siehst im Laufen,
dass hoch sich türmt die Welle dort am Meer.
Sie wächst, wird Wucht und Tod, eilt rasend her,
und was sie greift, muss jämmerlich ersaufen,
denn der Tsunami fegt die Küste leer.

Du hattest Glück, erreichtest noch den Berg,
der hilft so manchem nun zu überleben.
Man teilt in Not, das was noch ist gegeben,
und fühlt sich dennoch hilflos wie ein Zwerg,
als Mensch, der oft so kühn in seinem Streben.

Ingrid Herta Drewing

Gefallen

Dezembermond schien fahl durch dürre Zweige,
die weißen Nebel stiegen auf am See.
Ein kalter Wintertag ging nun zur Neige,
und müde stapften sie durch tiefen Schnee.

So fern der blaue Himmel, Heimat, Sonne,
seit Jahren schon im Krieg, im fremden Land.
Kein Abenteuer war es, Leid, zerronnen
der Jugend schöne Tage, hier verbannt.

Sie wurden nicht gefragt, es ward befohlen,
verbrämt mit Worten, Vaterland und Pflicht.
Sie von der Schulbank einfach wegzuholen,
das, wahrlich, störte die Kriegstreiber nicht.

Und oftmals flossen heimlich nachts die Tränen,
obwohl ein“ Junge tapfer ist, nicht weint“.
Die Todesangst, das Heimweh und das Sehnen
verschloss man wie den Schmerz, hat’s nicht gezeigt.

Seit Wochen schon auf Nachschub wartend, Brot,
das Mündungsfeuer nah, des Feindes Licht,
der auch nur kannte Krieg und Blut, den Tod.
Warum nur liebt der Mensch den Menschen nicht?

Er sah den fahlen Mond, die dürren Zweige,
die Todesschleier ruhend auf dem See.
Sein Leben ging in dieser Nacht zur Neige,
ganz plötzlich lag, erschossen, er im Schnee.

Ingrid Herta Drewing

Auf dem Waldweg

Am Wegesrand, gestapelt, liegen Bäume,
im Sturm zerbrochen unter nasser Last,
im Schnee verloren, grüne Träume,
nach denen Frühling, Sommer nicht mehr fasst.

So hoffnungsvoll im Sommerwind gewiegt,
noch jüngst den goldnen Herbst gegrüßt verwegen,
des Lebens bar, im Winter nun besiegt,
ist ihrer Schönheit Kraft dem Tod erlegen.

Sind dies auch Katastrophen der Natur,
die nur im Kleinen wirken, unbeachtet,
so zeigt mir machtvoll der Zerstörung Spur,
wie schnell der kalte Tod das Leben nachtet.

Da tröstet mich auch die Vermutung kaum,
dass dieses Holz verschönt den Wohnungsraum.

Ingrid Herta Drewing