Herbst

Es schenkt der Herbst den Bäumen bunte Kleider,
lädt ein zum Tanze mit dem wilden Wind,
braucht dazu weder Zwirn, noch einen Schneider
hier, wo Natur ihm Silberfäden spinnt.

Die Blätter, die sich seidig glänzend wiegen,
sie ahnen nichts von ihrem stummen Fall,
wenn er sie wirbelnd lässt in Lüften fliegen,
zum Welken,Todestanz führt an den Ball.

Noch leuchten sie und sind uns Augenweide.
Es mag der Blick sich wohl nicht trinken satt,
wenn nach dem Nebelgrau des Mittags Freude
rotgoldne Feuer aufzubieten hat.

Dann hilft uns dieser Farbenkrafts Versengen,
des Welkens Zeit, den Tod hier zu verdrängen.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Sommers Neige

Des späten Sommers Feuer schwelen;
sein Abschiedslied wirkt traulich mild,
stimmt ein ins goldne Ernte-Bild.
Es lässt sich nun nicht mehr verhehlen,
dass diese Zeit ist bald erfüllt.

Im Park verrät uns Flüstern leise,
dass hier die Nuss gereift nun fällt
aus ihrer grünen Schalen-Welt.
Es endet ihre Raschel-Reise,
wo flugs das Eichhorn sie behält.

Schon setzt der Frühherbst seine Zeichen,
Zugvögel ziehen übern Rhein;
am Haus grüßt rot der Wilde Wein,
und Blattgold ziert die Birken, Eichen,
lädt uns zum„indian summer“ ein.

© Ingrid Herta Drewing,2014

Spätherbst

Oktober, der in herbstlichem Bemühen
die Landschaft schönt, erweckt zu goldner Pracht,
lässt feurig noch der Bäume Blätter glühen,
bevor der Tanz des Wirbelwinds erwacht.

Bald ziehen nun die Kraniche nach Süden;
der Blüten Traum mit ihnen auch verfliegt.
Die grauen Tage nahen, regenmüde,
wenn Nebels Dichte Farbenspiel besiegt.

Die kahlen Bäume, eine stumme Klage,
nur Krähen krächzen, der Vergänglichkeit
entbieten lebhaft sie die Kampfansage,
zu siegen trotz kühl-nasser Jahreszeit.

Wir lassen Kerzen, Kürbisköpfe strahlen
und Licht ins Dunkel der Dämonen malen.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Herbsttag

Oktobermorgen,
die Konturen der Bäume
im dichten Nebel.

Endlich,die Sonne!
Sie taucht mit warmen Strahlen
die Landschaft in Licht.

Herbstfeuer lodern,
tanzen in goldenem Laub
vor blauem Himmel.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Herbst-Licht

September, die goldenen Horden,
ein Leuchten in Garten und Wald.
Noch schlafen die Stürme im Norden,
und mittags schenkt Sonne Gestalt.

Da stehen die sonnigen Blumen
hier hell vor dem Hause Spalier,
im Lichte der wärmenden Muhme
dies‘ Lächeln der blühenden Zier.

Das Blattgold, geherzt in den Linden
und Birken,ein seidener Hauch,
sich lösend nach sanftem Entbinden
darf schweben von Bäumen und Strauch.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Herbst-Gold

Der Sommer ist gegangen,
und Frühherbst hält das Land
in feuerrotem Prangen
und golden in der Hand.

Die Ernte eingefahren,
in Körben Früchte, reich;
zur Mittagszeit,im Klaren,
spielt Luft noch mild und weich.

Da liegt im Traum das Leben,
es schwelt der Sonne Glut,
und sanft die Blätter schweben
dorthin, wo alles ruht.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Herbstblicke

Noch scheint das Land im Sonnenschein zu träumen,
obwohl der Herbst schon seine Fäden zieht:
Altweibersommer, Blattgold in den Bäumen,
der Kranichzug, der nun nach Süden flieht.

Es leuchtet Weinlaub auf in Purpurröte,
verleiht der Hausfassade neuen Glanz,
die sich, befreit aus Morgens Nebelnöten,
im Mittagslicht darf präsentieren ganz.

Der Herbst lädt ein zu opulentem Fest,
das Farbenspiel der Blätter inszenierend,
bevor er sie im Winde tanzen lässt,
ein letztes Mal in Lüften hier brillierend.

Ermattet sie alsdann zu Boden schweben,
um welkend sich im Erdreich zu verweben.

© Ingrid Herta Drewing,2013

Auf der Autobahn im Spätherbst

Der Birken Blattgold, seidige Standarten,
dort leuchtend hell am Rande, Perlenschnur,
sanft führend in der Dämmerung auf Fahrten
den Blick entlang der Autobahn als Spur.

Noch kündet hier ihr warmes Licht vom Leben
und hebt sich aus dem Dunkel klar heraus;
ein Sonnenlied darf sich im Herbst verweben
und klingt nach Norden hin allmählich aus.

Bevor bald Reif und Schnee das Winterkleid
bereiten hier in ihrer weißen Stille,
schenkt die Natur im Spätherbst noch zur Zeit
dem Auge das Gefühl von Farbenfülle.

Begleitet rhythmisch auch auf langer Fahrt,
weckt Wachsamkeit auf eine schöne Art.

© Ingrid Herta Drewing

Oktobergold

Verhüllt von Nebel die Konturen,
in stummem Schlaf die Landschaft liegt,
wo, flüsternd über feuchten Fluren,
das Licht diffus im Grau verfliegt.

Die Sonne kann nur kraftlos scheinen.
Jedoch am Mittag gilt Gewinn,
wenn sich die Strahlen hell vereinen
und raffen Nebels Macht dahin.

Dann schimmert Blattgold in den Zweigen,
es leuchtet rot der Amberbaum,
und zärtlich tanzt im Blätterreigen
der Herbst, entführt in sanften Traum.

© Ingrid Herta Drewing