Kühler Frühlingstag

Ein kalter Nordwind bläst, doch Sonne strahlt
und macht den Tag so hell, den Himmel blau.
Der Frühling leuchtend sich ins Land nun malt.
Ich atme auf, erblick’ die Blumenschau,
die in den Gärten und im Park erblüht.
Beschwingt geh’ ich, so leicht ist mein Gemüt.

Und mault auch wer und schimpft auf Kälte, Staat,
heut’ lass’ ich mir die Laune nicht vergrätzen,
genieße kleine Freuden, die, parat,
mir hier das große Glück recht gut ersetzen.
Lass’ zart mich leiten von des Frühlings Spur,
dem Blütenlächeln hier in Wald und Flur.

Ingrid Herta Drewing

Maskenball

Getarnt durch Masken, glänzend in Kostümen,
bewegt man froh sich auf dem Maskenball;
darf flirten, tanzen, falscher Tat sich rühmen,
bis Mitternacht, manch Glück im freien Fall.

Doch dann, die Masken, Schleier sind gefallen.
Es zeigt sich alles nun in klarem Licht.
Was vormals schön noch in der Träume Hallen,
erscheint vielleicht als graues Mausgesicht.

Jedoch es kann auch eine Freude werden,
wenn Hexenlarve gibt die Schönheit frei.
Die Überraschungen auf dieser Erde
verändern schnell vertrautes Konterfei.

Zum Glück vergisst man schnell dies’ närrisch’ Spiel
und kehrt zurück zu seinem wahren Ziel.

Ingrid Herta Drewing

Frühlingstag

Es blickt ein heller Tag dir ins Gesicht
und spricht von Freude, lässt die Sonne strahlen.
Mir ist, als habe Lenz jetzt ein Gedicht
geschrieben,  sanft es  in die Wiesen malend.

Da leuchten lila, gelb und weiß im Grünen
die Krokusgrüppchen und die Winterlinge,
und über mir dort hoch am Himmel ziehen
die Kraniche, ich hör’ den Frühling singen.

Er singt betörend seine zarte Weise
von neuem Werden, Liebe, Blütenduft,
und auch die Bächlein murmeln, flüstern leise,
vom Eis befreit, da nun das Meer sie ruft.

Das große Meer des Lebens, dessen Schäume
uns tragen und der Sehnsucht Hoffnungsträume.

Ingrid Herta Drewing

Tulpentopf

Ich seh’ dem Leben gern beim Wachsen zu,
und Tulpen mir erlauben dies seit Tagen.
Zur Rettung vor dem Frost ins Haus getragen,
sie keimten auf, nun wachsen sie im Nu.

Schon blicken aus dem grünen Blätterbette,
geschlossen noch, die Blütenkelche rot.
Es ist, als ob sie wer gerufen hätte
und sie sich reckten zart, vom Licht umloht.

Drei kleine Tulpen nur im Blumentopf,
jedoch sie können mir die Hoffnung geben,
das Glück und Freude selbst dem ärmsten Tropf
beschert sind durch die Kraft, die schenkt das Leben.

Nun warte ich noch einen Tag verhalten,
erlebe sie in leuchtendem Entfalten.

Ingrid Herta Drewing

Zaubernuss

Schon reckt die Zaubernuss die Blütenköpfchen,
noch Schnee bestäubt, ins klare Himmelsblau,
für die Insekten goldne Nektartöpfchen,
für unser Auge Frühlings-Hoffnungs-Schau.

Nun naht sie bald, die Zeit der milden Lüfte,
die uns beflügelt, bringt erneut in Schwung,
wenn Vogelsang und süße Blütendüfte
uns zeigen, dass das Leben ist noch jung.

Dann mag man nicht zu Hause nur verweilen,
so lieblich lockt der Frühling uns ins Freie,
die sanfte Schönheit der Natur zu teilen
und uns an diesem Neubeginn zu freuen.

Jedoch einstweilen schenkt die Zaubernuss
uns diesen ersten, zarten Frühlingskuss.

Ingrid Herta Drewing

Winternebel

Kühl sind die Tage, und die Nebel halten
die Stadt gefangen und den Atem an.
Ich möcht’ den Vorhang weit aufreißen, walten
dass endlich Sonne man erblicken kann.

Zwar können wir die Räume schön erhellen,
wir schaffen künstlich unser eignes Licht,
jedoch der Sonne warme Strahlenquelle
ersetzt uns dieses Scheinen dennoch nicht.

Wer sehnt sich nicht nach blauem Himmel, Weite,
nach Wärme und der hellen Sonnenglut?
Denn fern von Smog frei atmen, das bereitet
uns Wohlgefühl, tut Körper, Seele gut.

Auch ich ersehne Wetterbesserung,
damit das Sonnenlicht mich bringt in Schwung.

Ingrid Herta Drewing

Klarer Wintertag

Ja, endlich ist des Nebels Flaus gewichen,
befreit ist alles von dem Einheitsgrau.
Wie müd’ war ich, bin jüngst nur noch geschlichen
und sehe nun erlöst des Himmels Blau.

Der klare Tag schenkt mir so frohe Stunden.
Zwar ist es kalt, doch Sonne hell erstrahlt.
Ein Wintertag zum Wandern, wie gefunden,
der glänzend sich jetzt in die Landschaft malt.

So lob ich mir die vierte Jahreszeit.
Schon in der Frühe bin ich froh und munter,
voll Tatendrang, zum Ausgehn auch bereit
und laufe singend flugs die Treppen runter.

Im Freien zu genießen frische Luft,
warm eingemummt in meiner Winterkluft.

Ingrid Herta Drewing

Der Kuss

Ich fühl’ ihn noch, es bebten unsre Lippen,
in deinen Armen liegend, ward mir heiß,
der ersten Liebe Kuss, ein zärtlich Nippen,
und langsam schmolz des Winters starres Eis.

Wir spürten eine Sonne, die uns strahlte,
und waren lieb geborgen in dem Traum,
der Glanz und Glück in unsre Augen malte,
und leise fiel der Schnee, wir merkten ’s kaum.

Seitdem ist sehr viel Zeit ins Land gegangen;
sie trennte uns, wir haben uns verloren,
gereift ein neues Leben angefangen
und liebend andre Partner auserkoren.

Jedoch an diesen Wintertag, den Kuss
muss ich noch heute manchmal lächelnd denken;
mir wurde damals schön und zart bewusst,
was Liebe ist, was sie vermag zu schenken.

Ingrid Herta Drewing

Bärli und der Sport

Bärensportfest soll bald sein,
da will Bärli auch recht fein
Bälle werfen und schnell laufen.
Aber oft muss er verschnaufen,
denn das strengt ihn doch sehr an.

Er wundert sich, was mancher kann.
Bruder Brummel springt fünf Meter,
und sein Freund, der Tatzi Peter
rennt, wirft Bälle richtig weit.
Bärli hat nun keine Freud,
glaubt, dass er ein Versager ist,
der besser nun den Sport vergisst.
Er setzt sich hinter eine Hecke
und schaut ganz traurig um die Ecke.

Als sein Freund kommt dort vorbei,
fragt er Bärli, was denn sei.
Bärli sagt:“ Ein Garnichts-Könner
so wie ich, das ist kein Renner.
Deshalb troll ich mich nach Haus,
denn mit Sport ist’s für mich aus.“

Doch sein Freund, der macht ihm Mut:
„Früher war auch ich nicht gut,
musste immerzu verlieren,
glaubt’, man will mich schikanieren.
Doch durch Üben, nicht zu knapp,
hat es irgendwann geklappt.
Die Sieger, die du kennst hier, alle,
sind nicht vom Himmel so gefallen,
die haben lange auch trainiert,
bevor sie den Erfolg gespürt.

Drum, Bärli, gib den Mut nicht auf,
komm mit mir doch zum Dauerlauf.
Sport ist auch ohne Sieg wohl schön,
kannst fit dann durch die Gegend geh’n!“

Der Bärli fasst nun neuen Mut,
den Freund zu haben, das ist gut,
und außerdem, jetzt weiß er:
Übung macht den Meister.

Ingrid Herta Drewing

Efeublüte

Jetzt, spät im Jahr, der Efeu blüht,
ist der Insekten wahre Wonne,
die tausendfach hier sind bemüht,
zu nähren sich in Herbstessonne.

Da wuselt, schwirrt es, auch das Summen
der Bienchen lässt sich sehr gut hören,
die dort ganz fleißig mit den Hummeln
den letzten Honigtraum beschwören.

Wie gut ist alles eingerichtet,
die Blütenfolge der Natur!
Auch Schmetterlinge hier im Lichte
sind auf des Nektars süßer Spur.

Noch darf in diesen Abschiedstagen
das Leben sich im Glanze zeigen,
bevor des Spätherbsts Nebelklagen
dann lassen Tanz und Geigen schweigen.

Ingrid Herta Drewing