Immobil

Home-Office hilfreich wohl zur Zeit,
weil ’s hindert Viren flugs zu wandern,
die in Büros sich machen breit,
erreichen einen nach dem andern.

Jedoch sollt‘ man nicht unterschätzen,
dass andrerseits bei diesem „Spiel“
man schnell viel Kilos kann ansetzen,
da man so lang schon immobil.

Von Fast Food lass‘ man sich nicht blenden,
mach‘ nicht die Couch zur warmen Gruft!
Willst nicht als Nest-Potatoe enden?
Iss richtig und geh‘ an die Luft!

© Text: Ingrid Herta Drewing

© Zeichnung: Ingmar Drewing

Positionsvorteil

Gewichtig, auf dem Zweig von Nutz
mag sich der Starke hilfreich zeigen,
gewährt dem Kleinen, Schwachen Schutz
mit allem, was ihm so zu eigen;
nimmt hin die Nässe unbesehen
und lässt ihn nicht im Regen stehen.

Doch war ’s vielleicht des Kleinen List,
sich untertänig zu bescheiden?
Sein Zweiglein dort noch trocken ist;
er hat’s gemütlich, muss nicht leiden.
Nicht immer hat ’s gut, wer hoch oben,
besonders wenn die Wetter toben.

© Text :Ingrid Herta Drewing

©  Zeichnung: Ingmar Drewing

Im Park

In Fülle Szillasterne sprießen,
umsäumen dicht die kahlen Bäume.
Der Maler Lenz hat auf den Wiesen
sie hingetupft als blaue Träume.

Und der Magnolien Knospen schwellen.
Schon mag manch zartes Blüh-Gesicht
vorwitzig sich der Sonne stellen,
lugt aus dem dunklen Pelz ins Licht.

Forsythien in den Frühling strahlen.
Ihr leuchtend Gelb den Tag erhellt,
mag noch für uns ein Lächeln malen,
wenn Wolken grauen, Regen fällt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing
Wiesbaden, Am Warmen Damm

Rücknahme einer angeordneten Maßnahme


(„Wer A gesagt hat, der muss nicht auch B sagen, wenn er erkannt hat,
dass A falsch war.“ Bert Brecht )

Einen Fehler zu beheben,
den man müd zur Nacht gemacht,
das gehört wohl auch zum Leben,
wenn ’s Entscheiden schlecht bedacht.

Solche nächtlichen Beschlüsse
lasse man in Zukunft sein,
denn zu häufig treffen Schüsse
’s Allgemeinwohl tief ins Bein!

© Text: Ingrid Herta Drewing.

Grafik: Ingmar Drewing

Forsythienflüstern

Schon schimmert ’s golden im Forsythienstrauch,
wo erste Blüten sich zum Lichte recken,
und bald wird sattes, gelbes Leuchten auch
die letzten Zweige gänzlich hier bedecken.

Wie kleine Sonnen werden sie erhellen
die Stadt, die sanft im Frühling aufgeblüht.
Sogar an grauen Tagen strahlen sie, bestellen,
dass trüber Wolken-Schmand vorüberzieht.

Und tief geborgen feiern dort im Nest
die Amselpaare ihre Hochzeit wieder.
Nun stimmen sie uns ein auf ’s Frühlingsfest
mit ihren Melodien. Liebeslieder.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Wilhelmstraße

Lob der Lyrik

( Zum Welttag der Poesie)

Oh doch, du solltest singen, Kind!
Prosaisch graut zu oft das Leben,
in das wir hier gegeben sind.
Drum singe fröhlich, laut und lind,
lass glockenhell die Klänge schweben!

Fatal, zu glauben, Formen hätten
ihr klares Spiel in unsrer Zeit
verwirkt, weil sie des Menschen Stätten
in heile Bilder fälschlich retten,
wozu real sei nichts bereit.

Lass uns doch auch das Schöne sehen!
Dies’ Leben, Lobgesang im Licht,
lehrt die Natur uns zu verstehen;
sie liebt ’s gestaltend aufzugehen;
vielfältig schreibt sie ihr Gedicht.

Sie kennt der Rhythmen Macht, die Klänge,
verleiht dem Chaos noch Struktur.
Mit Phantasie sprengt sie die Enge,
erfindet Formen, löst die Zwänge
und folgt des Lebens lichter Spur.

So schenk’ dein Lied in Sinn und Sagen,
in Bildern, Versen, Melodien,
das Schöne auch, nicht nur die Fragen,
das Suchen, Streiten oder Klagen!
Ein Fundament sei ’s, uns zu tragen
auch in ein Reich der Harmonien!

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Frühlingsanfang

Heut‘ sollte Frühling auch bei uns beginnen,
so steht es im Kalender klar geschrieben.
Den Winter jedoch zieht es nicht von hinnen,
er ist mit Kälte, Regennass noch hier geblieben.

Zwar blüh’n Schneeglöckchen, Krokus, Winterlinge,
und eisfrei rauscht der Bach durch Wiese, Tal.
Der Ringeltaube Sehnsuchtsrufe schwingen
herab vom Dachfirst früh im Morgen-Fahl.

Mir fehlen Südwind, seine milden Lüfte
und Sonnenschein, der in die Seele dringt,
Mimosen, ihre lieblich feinen Düfte,
der Vögel Singen, das beglückend klingt.

Dann weiß ich trotz Corona, Lenz zieht ein,
und neues Leben lässt uns fröhlich sein.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Sehnsucht nach dem Frühling

Forsythien-Gold und Szilla-Sterne
nun frühlingshell im Park erblühen.
Spazieren möchte ich so gerne
bei Vogelsang und Sonn-Erglühen.

Doch epidemisch wirkt das Virus,
drum halt ich Quarantäne ein,
bleib brav zu Haus, weil es jetzt sein muss
und träum‘ von Frühlings hellem Schein.

Die Fotos aus den letzten Jahren,
entschädigen den Sehnsuchtsblick,
darf hoffentlich noch Lenz erfahren
und bau auf Zukunft, Lebensglück.

© Foto u. Text : Ingrid Herta Drewing,
Wiesbaden, Am Warmen Damm

Gender-Sprach-Umtriebe

Beim Schreiben, Sprechen Sprache ändern,
verlangt es manche hier im Land.
Mit Sternchen hin zum Schluckauf-Gendern,
das Sagen auch in Fernseh-Sendern,
den Redefluss bremst aus wie Sand.

So murkst man rum am Plural-Nomen,
das stets doch Ganzes mitgedacht:
Bei „Einwohnern“ sind kaum Ikonen,
doch alle, die am Ort dort wohnen,
im Sprachgebrauch auch in Betracht.

Das treibt bizarre Wörterblüten
und macht uns unsre Sprache fremd.
Anstatt die Schönheit zu behüten,
verschandelt das und lässt ausbrüten,
was Denken, Sprechen dann nur hemmt.

© Foto u. Text: Ingrid Herta Drewing

Dazwischen

Ein Mensch, ein Mensch,
ein Gegenstand,
ein andrer hält ihn
in der Hand.

Ein Mensch hält Menschen
an der Hand;
die Hand hält
einen Gegenstand.

Es stöhnt in einer Hand,
verbannt,
ein Mensch
nach Luft und Licht
und Raum.

Es lächelt, weint
ein Mensch
im Zaum.

© Bild u. Text: Ingrid Herta Drewing