Kohlweißling

Auf deinem leichten Wege dich zu sehen
du zarter Schmetterling, dass dies’ gelang,
da du, der Blüte gleich, in Windes Wehen
dich zärtlich hier in meinen Morgen schwangst!

Ich wollte gerne dich im Bild behalten,
im Foto, dass dein Dasein nie entflieh’,
beschloss recht töricht digital zu schalten,
da streikte des Gerätes Batterie.

Und dennoch bleibt mir, was wohl besser ist,
dies Bild von dir, das ich im Herzen trage,
ein Lichtschein, der den Sommer nicht vergisst
und  durch den Nebel hilft an trüben Tagen.

So führt ein lieber Gruß aus der Natur
uns manchmal auf des Lebens lichte Spur.

© Ingrid Herta Drewing

Sommers Rückkehr

Der Sommer stimmt die Saiten
und lädt zum Tanze ein,
um spielend zu begleiten
der Sonne hellen Schein.

Der Regen ging auf Reisen,
nur noch ein Wölkchen lacht
und schwebt so zart und leise
in blauen Himmels Pracht.

Es zogen zwar nach Süden
die Schwalben unlängst fort.
Sie flohen, regenmüde,
doch Amseln sind vor Ort.

Beglücken uns noch immer
mit ihrem Flötenlied,
bis dann im Sternenschimmer
die Nacht den Vorhang zieht.

© Ingrid Herta Drewing

Verspäteter Sommer

So himmelblau grüßt heut’ der Tag,
die helle Freude schon am Morgen!
Wie weggewischt sind alle Sorgen,
der Wolken Grau, die müde Plag’.

Da strahlt dir Sonne in dein Herz,
und alles, was du tief verschlossen,
wirkt jetzt, befreit, auf Sommers Sprossen
geht ’s Leiter aufwärts, Terz für Terz.

Jetzt endlich bringt August das Leuchten,
und Frohsinn, Ernte sind beschert,
das lange Bitten ward erhört,
vorbei die kühle, graue Feuchte !

© Ingrid Herta Drewing

Frühherbstansage

Der Herbst klopft schon ans Fenster,
jedoch ich mag noch nicht
die nebligen Gespenster,
verhüllend Ort und Licht.

Noch soll der Sommer flirren
im blauen Himmelskleid
und zärtlich uns verwirren
in Lebenslust und Freud.

© Ingrid Herta Drewing

Sommermorgen VI

Es schimmert zwischen Farnen, zart betaut,
ein Spinnennetz im Glanz der Sonnenstrahlen.
Die Wassertröpfchen, kunstvoll eingebaut,
wie Diamanten ihre Farben malen.

Hier, wo des Morgennebels kühler Hauch
in sanftem Licht den Sommertag begonnen,
erschaue ich entzückt, andächtig auch,
das Schöne, das Natur so fein gesponnen.

Und in des Waldes grüner Kathedrale,
wo Sonne ihre hellen Wege findet,
in Licht gewirkten Bahnen luftig malend,
in Büschen, Gräsern, Farnen zärtlich schwindet.

Dort in der Stille fühl’ ich mich geborgen,
erfreue mich an diesem Sommermorgen.

© Ingrid Herta Drewing

Sommermorgen

Hellblauer Himmel,
ein Sommermorgen erwacht,
schenkt uns sein Lächeln.

Süßer Duft entströmt
den zarten Rosenblüten,
dringt in mein Zimmer.

Und auf dem Dachfirst
sitzt eine Ringeltaube,
gurrt in die Sonne.

© Ingrid Herta Drewing

Wunsch

Wie diese Taube hoch auf der Antenne
im Sonnenlicht des Morgens sich genügt,
so möchte ich von Lärm und Hast mich trennen
und bleiben doch ins Leben eingefügt.

Ja, es bewusst im Wesen auch erfassen,
bevor mein Tag den Abend kommen sieht,
und seine Schönheit auf mich wirken lassen,
das Feuer fühlen, das in allem glüht.

In diesem grünen Land der Wälder, Wiesen,
der Städte, die an Parks und Gärten reich,
wo klare Flüsse hin zum Meere fließen,
Libellen , Silberreiher noch am Teich.

Hier darf ich, bar des Grauens der Natur,
erleben ihre schöne Seite nur.

© Ingrid Herta Drewing

Sommertag

Ein Hoch; die Sonne herrscht in heller Runde,
und blauer Himmel schirmt die kleine Welt .
Ein Lichtfest nun erglüht zur Mittagstunde,
dazu hat leichter Wind sich eingestellt.

So zeigt der Sommer sich erfrischend klar.
Der Tag, er strahlt jetzt ohne Hitze, Schwüle.
Im Straßencafé sitzt manch trautes Paar,
auch auf der Parkbank lächeln die Gefühle.

Die Kinder, die ihr Eis genüsslich schlecken,
sie hält jetzt kein Computerspiel im Haus.
Im Freien wollen sie die Welt entdecken
und toben sich im Spiel so richtig aus.

Und mancher Rentner weilt auf dem Balkon,
genießt beschaulich seiner Arbeit Lohn.

© Ingrid Herta Drewing

Liebesmacht

Wo Liebe sich in Schönheit offenbart,
da werden Engel helle Lieder singen.
Ein Zauber schwingt darin, und lieblich, zart
lässt er sein süßes Blütenlied erklingen.

Wir schauen, fühlen, wie das Wunderbare
nun unser Leben führt mit milder Hand.
Bewusst wird uns, dass das sonst all zu rare
und flücht’ge Glück sich nicht erweist als Tand.

Und Freude uns durchdringt, erquickt die Seele,
die traurig ihre Tage sah entfliehen.
Beschwingt darf sie sich aus dem Dunkel stehlen,
da ihren Flügeln neue Kraft verliehen.

Die Liebe ist es, die uns Leben schenkt,
es blühen lässt, von guter Macht gelenkt.

© Ingrid Herta Drewing

Der Rosenbusch

Es gab da einen Rosenbusch im Garten,
der leuchtete im Sommer goldenrot;
und Blüte reihte sich an Blüte,
als könnte er ’s vor Freude kaum erwarten,
bis ihn ihr zartes Feuer hell umloht.

Und Blüte reihte sich an Blüte,
getragen sanft von dunkelgrünen Blättern.
Die Zweige wiegten sich im leichten Wind.
Er strahlte glänzend noch im Herbst in Güte
bei Sonnenschein und Regenwetter.

Die Zweige wiegten sich im leichten Wind,
nur selten zeigten sie die spitzen Dornen.
und ich erfreute mich am Blütenflor,
geborgen in des Sommers Glück, ein Kind,
nichts ahnend von der dunklen Macht der Nornen.

Ingrid Herta Drewing