Fern der Märchenweisheit

Da mögt ihr rufen
und hoffen,
es werde gehört
dort jenseits
des dunklen Flusses,
wo der Fährmann,
des Ruderns müde,
auf Ablösung wartet.

Märchenweisheiten,
bleiben unbeachtet
wie die Erwartung,
es werde wer sagen,
der Kaiser sei nackt.

Zu viele Angstblinde
huldigen der Eitelkeit.
Wo sind die Kinder
mit unverdorbenem Blick?

Nur, wenn der Wolf
vergisst,
Kreide zu fressen,
merken sie
einmal kurz auf.

© Ingrid Herta Drewing

Illusion

Wer folgte der falschen Fährte,
führte die Hoffenden
in den Morast der Sümpfe?

Noch immer
irrlichtert hier
sorglos die Maßlosigkeit,
und das feiste Lachen des Vollmonds
verspricht versilbernd
die Rettung.

Doch die Retter,
getarnte Räuber,
lauern.
Idyllisch der Hinterhalt.

Am Rande des Waldes
träumende Schafe,
bereit für die Schur.

© Ingrid Herta Drewing

Götterdämmerung

Ratlos die Raben.
Wer sprach da von Weisheit?
Verbranntes Leben,
und kein Phönix
steigt auf aus der Asche.

Lichtwörter,
in den Wind geschrieben,
gesungen, gerufen.
Begreift doch,
hier endet der Weg!

Zwecklos,
sich golden zu gürten,
in Zobel zu hüllen!
Nichts wird helfen,
die blinden Tage
im Dickicht des Waldes
zu überstehen.

Und allmählich
rostet die Hoffnung
am Horizont
über der Eiswüste.

© Ingrid Herta Drewing

Nebelfee II

Grauweiß verschleiert
tanzt am See die Nebelfee
sanft über Wiesen.

Wenn Sonnenstrahlen
kraftvoll im Mittag fließen,
flieht sie zum Moorsee.

Singt in den Erlen
geheimnisvolle Lieder
von Nöck und Nixen.

© Ingrid Herta Drewing

Hoffnungstage

Und Tage gibt es, da wachsen dir Flügel,
die Freude trägt dich auf Schwingen ins Licht.
Vergessen ist jeder Schreckensbericht,
verlässt dunkle Felder und Sorgenhügel.

Du hörst frohe Lieder, von Hoffnung erfüllt,
dass auch auf Erden der Friede einkehre,
ein jeder den andern, die Schöpfung ehre,
und allen werde der Hunger gestillt.

Du glaubst, dass Menschen die Zukunft gestalten,
dass Einsicht zu Vorsicht und Rücksicht dann führt,
das Leiden des einen den anderen rührt.

Und sich kein Mensch mehr im Hassen verliert,
weil er nun empathisch fühlt und auch spürt,
wie Menschen, sich menschlich, liebend verhalten.

© Ingrid Herta Drewing

Teestunde

Nasskalter  Herbsttag
dümpelt im Nebel dahin,
Krähenruf erstirbt.

Milchgraue Dichte
wabert um das kleine Haus,
löscht alle Farben.

Aber im Stövchen
glüht leuchtend warm das Teelicht,
schenkt Geborgenheit.

© Ingrid Herta Drewing

Herbstimpressionen

Das Sonnengesicht
schaut blass aus des Himmels Blau,
Licht, das kaum noch wärmt.

Es singt kein Vogel;
nur ab und zu im Garten
der Elster Keckern.

Aber die Bäume,
im flammenden Blätterkleid,
feiern Herbsts Abschied.

© Ingrid Herta Drewing

Kochschau

In diesem Land ist manches matt,
brauchst nichts zu essen, siehst dich satt;
denn im Fernseh’n, ohne Ende,
streifen Köche durch ’s Gelände,
kochen hier in einer Tour.
Das Gerät anschaltest nur,
und schon isst du superschnell
mit den Augen virtuell.

Frühstücks-Fernseh’n in der Runde,
ARD-Buffet, der Kunde
auch goutiert des Zweiten Brauch
jenen Lafer- Lichter- Schmauch,
und es brutzeln noch ganz nette
Hobbyköche um die Wette.
Dann als Krönung für Gourmets
freitags, nachts beim Defilee,
werkeln Sterneköche munter
in Lanz’ Kochschau rauf und runter.

Hat man das vielleicht versäumt,
man nicht gar vor Hunger schäumt.
Alles ist nur halb so schlimm;
samstags kocht doch Mälzers Tim!
Sonntags musst du auch nicht fasten,
Frau Poletto wirkt im Kasten.

Und so wird dir stets serviert,
was die Kochkunst so gebiert.
Wer sag’ da noch unbeschwert,
eigner Herd sei Goldes wert?

© Ingrid Herta Drewing

Sprache

Ich mag die Sprache, wenn sie deutlich, schlicht
Gegebenheiten wahr und klar uns nennt,
anschaulich schön in Klängen, Bildern spricht,
und nicht versteift, nur das Abstrakte kennt.

Wer gern mit Aufwertwörtern Verse spickt
und glaubt, dies sei poetisches Gestalten,
wird, wenn die Poesie die Blüten pflückt,
Sprachhülsensträuße in den Händen halten.

Nicht dies geschraubte Stelzen schenkt den Sieg.
Was lyrisch ist, beglückt uns auch als Lied.
Die Melodie in ihren Bann uns zieht,
wir sehen fühlend, hören die Musik.

Denn Sprache lebt im Licht der Poesie,
wenn Bild, Gedanke, Klang in Harmonie.

© Ingrid Herta Drewing

Feststellung

Kapitalismus

zeigt seine dunkle Seite.

Pecunia olet.

© Ingrid Herta Drewing