Liebeslied

Über den Wassern zu singen,
dies’ Lied, das aus Feuer geboren,
als Phönix erglühend, verloren,
neu werdend in allen Dingen.

Erhoben mit flammenden Schwingen,
hoch kreisend in himmlischem Blau,
lässt brausende Orgeln erklingen,
sprengt Fesseln, löst Trosse und Tau.

Doch zärtlich vermag seine Weise
in Herz dir und Seele zu dringen.
Du lächelst sanft und fühlst leise,
es wird dir Glückseligkeit bringen.

Ingrid Herta Drewing

Gut und schön

Das Schöne, das verborgen blüht,
beflügelt manchen Liebestraum
der sehnend in die Seele zieht,
den Alltag und die Sorgen flieht,
zur Hoffnung werdend, füllt den Raum.

Doch wirklich schön ist nur, was gut
und altruistisch sich erweist,
erglühen lässt, was dunkel ruht,
und helfend nackten Fuß beschuht,
den Weg erwählt, der Lieben heißt.

Das, was dem Auge bleibt verschlossen,
erkennt ein sehend, liebend Herz,
nicht aufgehübschten Scheins Genosse,
erspürt es immer, unverdrossen,
das wahre Schöne auch im Schmerz.

Ingrid Herta Drewing

Abschied

Es griff die Nacht dir in dein goldnes Haar,
kein Silbermond ließ glänzend es erstrahlen,
und dein Gesicht so blass, wie ich ’s nie sah,
der Schmerz sich traurig in den Blicken malend.

Auch ich stand stumm, mir zitterte die Hand,
die ich dir reichte; meine Lippen bebten,
als sie dein Kuss noch einmal zärtlich fand,
und unser Atemhauch in Kälte schwebte.

Wir wussten nicht, ob wir uns wieder sehen,
gestohlen ward uns unsre beste Zeit.
Dann rief man dich, du musstest sehr schnell gehen,
und wir erahnten, dieser Weg führt weit.

Noch heute sehe ich im Traum oft dein Gesicht
und deinen Abschiedsblick, ein fernes Licht.

Ingrid Herta Drewing

Der Kuss

Ich fühl’ ihn noch, es bebten unsre Lippen,
in deinen Armen liegend, ward mir heiß,
der ersten Liebe Kuss, ein zärtlich Nippen,
und langsam schmolz des Winters starres Eis.

Wir spürten eine Sonne, die uns strahlte,
und waren lieb geborgen in dem Traum,
der Glanz und Glück in unsre Augen malte,
und leise fiel der Schnee, wir merkten ’s kaum.

Seitdem ist sehr viel Zeit ins Land gegangen;
sie trennte uns, wir haben uns verloren,
gereift ein neues Leben angefangen
und liebend andre Partner auserkoren.

Jedoch an diesen Wintertag, den Kuss
muss ich noch heute manchmal lächelnd denken;
mir wurde damals schön und zart bewusst,
was Liebe ist, was sie vermag zu schenken.

Ingrid Herta Drewing

Alte Liebe

Des Meeres Weite, weiß der Strand,
darüber blauer Himmel thront,
und wir gemeinsam, Hand in Hand
von diesem schönen Tag belohnt.

Unwirklich, eine Welt zum Träumen,
die lieblich uns willkommen hieß.
Wir gingen unter Palmenbäumen
und fühlten uns im Paradies.

Du schaust auf ’s Foto an der Wand,
erinnerst dich an jene Jahre;
und zärtlich streichelt deine Hand
mir über meine grauen Haare.

Wir sehen in der Phantasie
noch jeden Ort der Hochzeitsreise,
und die vertraute Melodie
der Liebe singt auf ihre Weise.

Ingrid Herta Drewing

Vanitas

Vertrocknet steht der Tannenbaum.
Ach, welch ein Jammerbild,
obwohl des Flitters Silbertraum
noch seine Zweige hüllt.

Vorbei das hoffnungsvolle Grün,
der Duft, erfüllt von Leben,
das gar zu schnell doch kann entflieh’n;
dies zeigt der Baum soeben.

Und mahnt, man möge nicht vergessen,
zu leben mit Bedacht
und liebend pflegen die Interessen,
denn lange währt die Nacht.

Ingrid Herta Drewing

Die Süße

In einem kleinen Marmeladenladen,
dort zwischen Mus und Erdbeerkonfitüre
schenkte sie ihm als süßes Glück die Gnade,
ihn gaumenfreudig, zärtlich zu verführen.

Er nahm sie mit ins trauliche Zuhause
und war von ihr beim Frühstück schon entzückt.
Ja, sie versüßt ihm lieblich auch die Jause,
es war halt Liebe auf den ersten Blick.

Ingrid Herta Drewing

Versöhnen

Hörst täglich die bösen Berichte,
doch heimlich, sehnsüchtig ranken
verspielt sich Träume, Gedanken,
entfalten dir zärtlich Gedichte.

Und wandeln auf heiligen Spuren
der Rose, in Schnee geschrieben;
ihr Flüstern sagt schlafenden Uhren,
es sei endlich Zeit, zu lieben.

Da rasseln die Wecker, ihr Dröhnen
wird liebliches Klingen, und bald
ertönt das Lied vom Versöhnen,
das lange im Herz widerhallt.

Ingrid Herta Drewing

Silvesterwünsche

Wir sind wohl hoffnungsvolle Optimisten,
begrüßen froh gestimmt das neue Jahr
und glauben, dass sich nun doch bessern müsste,
was uns im alten gar zu garstig war.

Gesundheit sehnt herbei der leidend Kranke,
an Arbeit denkt, wer lang schon arbeitslos.
Der Klimagunst gilt grün auch der Gedanke,
man wünscht sich, Einsicht werde endlich groß.

Der Eine träumt von seiner großen Liebe,
ein Anderer sieht ’s Glück in Gut und Geld.
Bescheiden wünscht so mancher, Frieden bliebe
erhalten ihm in seiner kleinen Welt.

So wähnen wir das Wohl im Zeitenschritt,
und immer geht die Hoffnung lächelnd mit.

Ingrid Herta Drewing

Heiligabend

Wir stapfen durch den tiefen Schnee
zu später Abendstunde.
Der Mond aus seiner dunklen Höh’
schickt silbern seine Kunde.

Der Zauber dieser heil’gen Nacht
lässt hell die Sterne strahlen,
als seien Engel auf der Wacht,
die sanft, doch leuchtend malen.

Zart glänzt der Schnee im Mondenlicht,
geheimnisvolle Stille;
wir gehen eingehakt, ganz dicht,
in trauten Glückes Fülle.

Ein Lächeln gleitet durch den Raum,
wir dürfen ’s selig sehen,
beglückt von unsrem Weihnachtstraum,
den liebend wir verstehen.

Ingrid Herta Drewing