Suchende

Wir sind sehr weit gegangen,
still folgend jenem Stern,
in unserem Verlangen,
den Frieden zu empfangen,
der hier auf Erden fern.

Das Heil, fern aller Kriege,
wir finden es im Stall,
in einer Krippe liegend,
ein Kindlein lieb obsiegend
und froher Engel Schall.

Wir können es kaum fassen,
dass uns dies Wunder nah;
der Kummer muss verblassen,
wir sind nicht mehr verlassen,
denn Gottes Sohn ist da.

Er schenk’ uns seinen Segen,
das Licht in dunkler Zeit.
Sein Lieb ist stets zugegen;
auf allen unsren Wegen
sei sie uns das Geleit.

Ingrid Herta Drewing

Winternacht

Silberkristalle schweben
im Licht der Laterne, der Schnee
fliegt mir glitzernd entgegen,
durch eine Traumnacht ich geh’.

Ein zartes Gesicht, die Straße
die Autos, die Häuser verhüllt.
Es scheint mir, dass sie vergaßen,
was sonst geschäftig sie füllt.

In sanftem, süßen Schweigen
schläft nun verzaubert die Welt.
Nur Schneeflocken tanzen im Reigen.
Ein Bild, das der Himmel bestellt’.

Ingrid Herta Drewing

Winterabend am See

Von Winters kaltem Atem angehaucht,
liegt nun, in Eis erstarrt, der kleine See,
wo noch im Herbst die Enten froh getaucht,
Köpfchen ins Wasser, Schwänzchen in die Höh’.

Im welken Schilf am Ufer sirrt der Wind,
die Halme glitzern als des Raureifs Saiten.
Die Krähen, die hier in den Erlen sind,
mit ihrem Krächzen die Musik begleiten.

Und goldenrot die Abendsonne schwelt,
der Himmel, der türkis beschirmt den Schnee,
errötet zärtlich, und es schwebt beseelt
ein sanftes Lächeln übern stillen See.

Bis dann die unerbittlich kalte Macht
des Winter herrscht in sternenklarer Nacht.

Ingrid Herta Drewing

Winter

Rau hat der Frost dahin gerafft,
was gestern grün noch glühte.
Der Rose zarte Blüte,
erfroren, hängt am Strauche schlaff
und auch der Blätter Güte.

Nun deckt des Winters weißes Tuch
die Eis erstarrte Erde
und schützt die Lebensherde,
damit nach Frostes Todesfluch
doch neues Wachsen werde.

Ingrid Herta Drewing

Spielendes Kind

Vertieft ins Spiel und schöne Kinderträume,
lebt es auf seinem kleinen, hellen Stern.
Das Kind, es kennt noch kein Versäumen,
denn vieles, was uns drängt, liegt ihm so fern.

Es sei denn, dass wir es ins Leben hetzen,
mit allen Hürden, die wir aufgebaut;
ihm seine Freiheit durch die Pflicht verkürzen,
weil unsre Zukunftsangst sich aufgestaut.

Lasst ab von allem modischen Gehabe,
das uns Erwachsne seelisch schon entleibt!
Lasst ihm die Phantasie, der Freiheit Gabe,
damit es stark wird, liebend bei sich bleibt!

Entfalten mag es sich wie eine Blüte,
vom warmen Licht begeistert, Blatt für Blatt;
dann findet, in sich ruhend, es die Güte,
die Gott ihm als Natur verliehen hat.

Ingrid Herta Drewing

Schneezauber

Vom Himmel rieselt sanft der Schnee,
hüllt weiß und weich die Erde ein.
Der Tannenwald, das Schilf am See
im Sternchenkleid erglänzen fein.

So ruhig und still ist alles hier.
Doch ist ein Zauber zart zugegen,
der flüstert: “Freue dich mit mir,
sieh Winters Schönheit auf den Wegen!“

Der Büsche filigrane Äste,
sie wirken in der Glitzerpracht,
als hätt’ zum nahen Weihnachtsfeste
ein himmlisch Wesen sie gemacht.

Wenn dann die Sonne golden strahlt,
und helles Blau den Schnee begrenzt,
erscheint die Welt mir, wie gemalt,
ein Bild, das friedlich hell erglänzt.

Ingrid Herta Drewing

Adventshoffen

Ein Zauber hält mich zart umfangen.
Der Kindheit Lächeln liegt darin;
zur Krippe bin ich heut’ gegangen
und fühlt’ dies selige Verlangen,
dem ich doch schon entwachsen bin.

Der Friede, Freude und das Glück
aus jenen unbeschwerten Tagen,
sie rufen leuchtend mir zurück,
was fern dem grauen Alltagsblick,
der Weihnachtsbotschaft wahres Sagen.

Es klingen alte, traute Lieder.
Ihr froher Klang füllt meine Welt,
und Freude, die uns immer wieder
die Hoffnung schenkt, sie strahlt hernieder.
Der Liebe Stern die Nacht erhellt.

Ingrid Herta Drewing

Adventsgesang

Jetzt leuchten golden in den Straßen Sterne,
Adventszeitlichter hübsch hier aufgestellt,
die Dunkelheit verdrängend, die wir gerne
nun eingetauscht für alles, was erhellt.

Wir sehnen uns nach Wärme, sanftem Frieden.
Der Kerzen Flammen strahlen licht und mild
und zaubern in dem Lärmen auch hienieden
ein wohl vertrautes, schönes Weihnachtsbild.

Und lieblich klingt der Chöre frohes Singen
hell in der Kirche hohem, heil’gem Raum.
„Jauchzet, frohlocket…!“hören wir erklingen,
Bachs Oratorium erfüllt den Traum.

Es scheint uns so, als wollten Engel bringen
den Frieden in den weiten Weltenraum.

Ingrid Herta Drewing

Adventsfreude

Wir freuen uns auf traulich schöne Tage,
wenn Tannenduft und warmer Kerzenschein
vertreibt das Grau der kühlen Wintertage;
Advent uns lädt mit neuer Hoffnung ein.

Die Freude auf das Glück wächst im Erwarten.
Wir treffen Menschen, die dem Herzen nah.
Was sonst verwehrten Arbeit, lange Fahrten,
an Weihnachten sind unsre Lieben da.

Gemeinsam feiern wir das Fest der Liebe,
in Christi Namen ist es uns geschenkt;
und alles, was sonst nichtig oder trübe,
verblasst jetzt ganz und wird weit weg gedrängt.

So schenkt Familie in der kalten Zeit
in ihrem trauten Schoß Geborgenheit.

Ingrid Herta Drewing

Adventshoffnung

Es neigt das Jahr sich jetzt dem Ende,
der Sommer, Herbst Vergangenheit;
nun greifen Winters kalte Hände
dir harsch ins Haar. Du bist bereit,

dich ihm zu stellen, denn Advent
mit seinen warmen Kerzenwochen
dir wieder froh die Weihnacht nennt,
wenn nach der Winter-Sonnenwend’
erregt vor Freud’ die Herzen pochen.

Wirst glücklich feiern dieses Fest,
das dich das Gute glauben lässt.

Ingrid Herta Drewing