Weihnachten in der Ferne

Der Tanne Duft
erfüllt die Luft
in meinem kleinen Zimmer,
und heller Kerzen Schimmer
mir leuchtet tief ins Herz hinein.
Die Weihnachtsfreude holt mich ein,
und Sorge hält mich nimmer.

Dein lieber Blick
kehrt mir zurück
und sagt, dass wir uns schenken
ein liebendes Gedenken.
Und magst du auch so fern noch sein,
du bist mir nah, denn ich bin dein,
werd’ immer an dich denken.

Ingrid Herta Drewing

Christkind

In der Krippe liegt das Kind
dort bei Esel, Schaf und Rind ?
Nein, das darf ’s nicht geben,
will es bergen, heben.

Kindlein, komm auf meinen Arm,
sanft will ich dich wiegen,
sollst, geborgen, ruhen warm,
mir am Herzen liegen.

Will dich schützen vor der Kält’
hier in meiner Kammer,
dass dir nicht der Frost der Welt
bringe Böses, Jammer.

Ja, nun schläfst du selig, zart,
lächelst lieb im Traume.
Christkindlein, durch dich uns ward
Licht in dunklem Raume.

Ingrid Herta Drewing

Tiere im Winter

Nun ruht so weiß und still die Welt,
der Himmel Schnee verhangen.
Es liegen Wiesen, Wald und Feld
im Winter fest gefangen.

Das Leben hat sich gut versteckt,
scheint zaghaft nur zu luren.
Doch Hase, Reh ziehn aufgeweckt.
Ich seh’ im Schnee die Spuren.

Sie suchen Futter, das nur karg
Natur für sie hält noch bereit.
Der Frost, er treibt es gar zu arg,
für Tiere eine harte Zeit.

Drum wollen wir sie sorgsam hegen.
Der Futterplatz am Waldesrand
wird reich bestückt. Der Weihnachtssegen
beglücke Mensch und Tier im Land!

Ingrid Herta Drewing

Wintermorgen am See

Ein blauer, kalter Wintermorgen
erblüht in hellem Sonnenlicht.
Was gestern nebelgrau verborgen,
zeigt strahlend nun sein Angesicht.

Die Bäume, weiße Wachparade,
auch auf den Feldern glitzert Schnee;
und filigran säumt am Gestade
der Gräser Flaus, vereist, den See.

Als habe eine Zauberhand
hier alles kunstvoll, zart verwandelt,
erscheint mir dieses stille Land,
mit dem mein Blick mich sanft verbandelt.

Ein Wintermärchen, das ich fand.

Ingrid Herta Drewing

Weihnachtszeit

`s ist Weihnachtszeit, ein Strahlen fällt
vom Himmel leuchtend auf die Welt,
und lässt die dunklen Schatten
der Kälte nun ermatten.
Das Leben lacht erhellt.

`s ist Weihnachtszeit, und Sterne glänzen.
Im Tannengrün der Hoffnungskränze
vier Kerzen weisen auf Advent.
Das zweite Licht schon strahlend brennt
in warmen Flammentänzen.

`s ist Weihnachtszeit, und Lieder klingen.
Mit hellen Augen Kinder singen,
beglückt in dieser Freudenzeit.
Öffnet auch ihr die Herzen weit,
lasst euch von Lieb durchdringen!

© Ingrid Herta Drewing

Weihnachtslicht

Es strahlt ein großer heller Stern
an Weihnachten zur Erde.
Er leuchtet klar zum Fest des Herrn,
dass es verkündet werde:

Christ ist gekommen als ein Kind,
uns Sünder zu erlösen,
damit wir nicht gefangen sind
in Gram, Leid, Hass, dem Bösen.

Dass endlich Friede kehre ein,
die Menschen menschlich leben
und stehen füreinander ein;
zu lieben, sei ihr Streben!

Ingrid Herta Drewing

Weihnachtstraum

Erstaunt und erleichtert lesen,
es sei befriedet die Welt,
von Hass und Habsucht genesen,
das Licht ins Fenster gestellt.

Beglückt und freudig sehen,
wie Menschen geschwisterlich sind,
gemeinsam durchs Leben gehen,
im Schutze Mutter und Kind.

Erwacht, dann traurig finden,
dies alles war nur ein Traum,
den man dir wie einem Kinde
gelegt untern Weihnachtsbaum.

Ingrid Herta Drewing

Alles fließt

Der Wasserspiegel zittert in der Flasche,
nur weil ein leichter Ruck den Tisch bewegt.
Die Utensilien kauern in der Tasche,
in ihrem Dunkel wie ein Schatz gehegt.

Dies alles sind nur simple Gegenstände,
gefühllos, ohne Leben, doch die Zeit
erfasst auch sie und bringt sie dann behände
in einen andern Zustand, der bereit.

Warum nur ist hier alles so vergänglich,
in stetem Werden, Ende und Beginn.
Wir sind mit unsrem Wissen unzulänglich,
wir suchen, fragen, finden nicht den Sinn.

Ja schon die Alten sagten „Spiel der Zeit“,
das sei der Mensch in seinem Erdenleben,
und glaubten Himmlisches sei ihm bereit,
das Gott ihm könnt’ aus seiner Gnade geben.

Auch ich will ’s glauben, fühle mich beseelt,
will nicht nur Zufall der Materie sein.
Der Funke des Bewusstseins, der hier zählt,
er münde einst in Geistes Feuer ein.

Ingrid Herta DRewing

Warten auf Sankt Nikolaus

Nordostwind wirbelt Schnee heran,
er fällt in dicken Flocken.
Das Kind am Fenster schaut es an
und am Kamin die Socken.

Es wartet auf Sankt Nikolaus
schon viele lange Stunden ,
dass bald er komm‘ zu ihm ins Haus ,
wenn er den Weg gefunden.

Doch alles liegt hier tief verschneit :
das Haus , die Wiesen , Felder.
Bevor der Weg zum Dorf wird breit ,
führt er durch dunkle Wälder.

„Vielleicht ist heut sein Rentierschlitten,
dort vor dem Wald am steilen Hang,
im Schnee vom Wege abgeglitten
und hängt dort fest?“ , so fragt es bang.

„Möcht‘ nachschaun gern!“Doch Vater spricht:
„Sankt Nikolaus verirrt sich nicht.
Er findet immer zu den Kindern,
ganz gleich ,ob’s friert und stürmt im Winter.“

Dann endlich geht zu Bett das Kind,
schläft ein ,gar müd vom Warten.
Da klingt es drauß‘ im Garten
wie Silberglöckchen hell im Wind.

Und wirklich durch des Schneesturms Mitten
kommt flugs Sankt Niklas mit dem Schlitten.
Auch seine treue Rentierschar
zieht ihn dahin so wunderbar.

Am Morgen , als das Kind erwacht ,
sieht’s , dass Sankt Niklas es bedacht.
Und nicht nur prall gefüllte Socken
ihm Jubelrufe nun entlocken,
da sitzt auch noch ein Puppenkind ,
sagt : „Mama , halt mich lieb geschwind!“

Ingrid Herta Drewing

Weihnachtswunsch

„Oh, Christkind, du und deine Engel,
wann kommt ihr endlich, bringt den Baum
zur Weihnacht ?“, denkt der kleine Bengel,
schaut sehnend in den Sternenraum.

„Mein Briefchen hab‘ ich schon geschrieben
und alle Wünsche dir genannt…
ob sich die Eltern doch noch lieben,
dir ist das sicherlich bekannt.

Kannst, Christkind, du es vielleicht machen,
dass sie wieder zusammen sind?
Ich wünsch mir sonst nur wenig Sachen,
nur so ein kleines Bärenkind.

Vielleicht noch eine kleine Schwester ,
dann wär‘ ich nicht mehr so allein.
Am besten sollt‘ sie an Sylvester
schon hier bei uns zu Hause sein.

Ich werd‘ auch immer artig beten
und waschen meine Hände rein ;
mit Kläuschen nicht mehr zanken , treten
und obendrein recht fleißig sein. “

Ingrid Herta Drewing